Blick in die Kristallkugel: Volksbefragung in Österreich drucken

Adolf („Adi“) Pinter, einst ein recht erfolgreicher Fußballtrainer, verdanken wir den wenig schmeichelhaften Befund, wonach es „zwei Prozent Genies und 98 Prozent Naturdeppen“ gibt. Ob er damit die Menschheit im Allgemeinen oder nur die in Kakanien beheimateten Stämme gemeint hatte, ist unbekannt. Es scheint, dass die These zumindest für Österreich stimmt, sofern die inhaltliche Qualität der hierzulande geführten politischen Auseinandersetzungen zur deren Beurteilung herangezogen wird.

Die Debatte im Vorfeld der am kommenden Sonntag anstehenden Abstimmung zur Frage Wehrpflicht oder Berufsheer?, führt deutlich vor Augen, wie die politische Klasse des Landes die Wähler einschätzt: Offensichtlich als Naturdeppen. So nimmt man in den beiden staatstragenden Parteien, SPÖ und ÖVP (angesichts des gewaltigen Lochs, das diese beiden Organisationen dem Steuerzahler in die Brieftasche reißen, sollte eher von „vom Staat getragenen Parteien“ gesprochen werden!) etwa an, dass die Bürger bereits vergessen haben, wie sie ihre jeweils über Jahrzehnte gepflegten Standpunkte vertauscht und ihre Strategie um 180° gewendet haben.

Die Wehrpflicht, bis zur zurückliegenden Wiener Gemeinderatswahl für die Sozialisten „in Stein gemeißelt“ (34er-Jahr – ehschowissen!), ist nun – von einem Tag auf den anderen – „unzeitgemäß“. Der Zivildienst, von den Schwarzen stets als Vehikel zur Drückebergerei gebrandmarkt, dient nun mit einem Male als eines der Hauptargumente gegen die Einführung einer Berufsarmee. Derartiges ist im Grunde nur den „Kevins und Jessicas“ in einer Prolokratie (© Christian Ortner) zuzumuten…

Die Debatte zu dieser – zumindest außerhalb Österreichs, wo noch Einsicht in die Notwendigkeit zu einen gewissen Minimum an Wehrfähigkeit herrscht – keineswegs belanglosen Frage, stellt den absoluten Tiefpunkt der politischen Kultur der Zweiten Republik dar. Die Liste an im Zuge der „Diskussion“ aufgebotenen Unwahrheiten, unbeweisbaren Behauptungen, Kuriositäten und glatten Lügen, ließe sich seitenlang fortsetzen. So unsachlich, so blöd, so verlogen und so derart durch die Kampagne der Unterschichtmedien korrumpiert, war kein Wahlkampf zuvor – und das will etwas heißen!

Wer heute daran geht, das voraussichtliche Ergebnis der Abstimmung abzuschätzen, sollte sich weniger auf die (vermutlich ohnehin getürkten) Umfrageergebnisse, sondern eher auf seinen gesunden Hausverstand verlassen. Es sind schließlich nur wenige entscheidende Überlegungen, von denen der Ausgang der Wahl abhängt:

  • Die Österreicher lieben den Status quo
  • Fragen der Landesverteidigung interessieren den Durchschnittswähler ungefähr so sehr wie die Höhe des Milchpreises in Timbuktu
  • Vielen Wählern ist gefühlsmäßig klar, dass die von den Roten beschworenen „Profis“ mehr kosten werden, als die von ihnen heruntergemachten, wehrpflichtigen „Amateure“
  • Die Bereitschaft, für die Landesverteidigung mehr auszugeben als bisher, ist genauso groß wie die Begeisterung für einen Beitritt zur NATO, der mit dem Umstieg auf ein Berufsheer sehr wahrscheinlich verbunden wäre: Null.
  • Auch die „Kronen Zeitung“, vor welcher der Kanzler so artig zu kuschen pflegt, hat bereits mehr als einmal aufs falsche Pferd gesetzt (der dunkelrote ORF tut das sogar dauernd).

Fazit: Alles wird wohl so bleiben wie es ist. Ernsthafte Landesverteidigung wird´s weiterhin nicht spielen. Indessen werden junge Männer auch künftig damit leben müssen – anders als die holde Weiblichkeit, denn Frauen sind ja bekanntlich an allen möglichen Fronten so sagenhaft benachteiligt – ein paar Monate ihres Lebens dem „Gemeinwohl“ zu opfern gezwungen zu sein…

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorAi Weiwei
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Januar 2013 06:41

    Danke für Ihre offene und schonungslose Analyse, geschätzter Herr Tögel. Sie halten da ziemlich vielen Leuten den Spiegel vor das Gesicht.

    Mir hat bei Ihrer obigen Aufzählung in 5 Punkten noch ein Sechster gefehlt:

    ° Denjenigen politschen Protagonisten, welche die Idee eines Berufsheers bei gleichzeitigem Nichtbeitritt zu einem Verteidigungsbündnis (NATO) vorschlugen, also den Wiener Roten anno 2010 (v.a. Häupl) ist in Wahrheit die Verteidigungsfähigkeit Österreichs so wichtig wie die Höhe der Fischpreise in Bangkok (nämlich: Null).

    Dazu zum Schmunzeln diese Karikatur vom Kurier: http://images01.kurier.at/pammi.jpg/940x540nocrop2/2.506.341

    Übrigens - wie ich hier schon mehrmals kundtat - meine Stimme am Sonntag: WEHRPFLICHT / ZIVILDIENST auf einem GÜLTIGEN Stimmzettel.

  2. Ausgezeichneter KommentatorJohann Scheiber
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Januar 2013 13:18

    Sehr geehrter Herr Tögel, von ihrem radikalindividualistischen Standpunkt aus ist es ihnen offenbar nicht einsichtig, dass Wehrpflicht nicht notwendig Zwang bedeutet, wenn und soferne ein junger Mann begreift, dass sein Einsatz für die Allgemeinheit ein zur Erhaltung des Staates, den er, bei aller anstehenden Kritik, bejaht, notwendiger Beitrag ist, welcher, wie zahlreiche Beispiele in der Geschichte zeigen, nicht durch Geld substituierbar ist.

    Der Staat, der die Aufgabe hat, das Leben einer Schicksalsgemeinschaft eines Volkes, einer Nation zu sichern und zu gewährleisten, lebt ja nur aus der Zustimmung und, nötigenfalls, aus der Opferbereitschaft seiner Bürger heraus.
    Wenn der geschichtliche Zusammenhang und die Verteidigungsbereitschaft verloren geht, dann passiert das, was wir heute haben, die Leute, denen die Erhaltung des Gemeinwohls aufgetragen ist, organisieren dessen Untergang: Multikultur, Entdifferenzierung, Gleichmacherei und Zerstörung der Wehrbereitschaft sind kein historisches Novum, sondern übliche topoi zerfallender Kulturen.
    Nun sind wir von unseren Filzokraten ja tatsächlich so fertiggefahren, dass eine neuerliche Tragödie, auf kurz oder lang, unausweichlich scheint - es gibt ja nur die Möglichkeit des Begreifens oder der Tragödie - aber die Frage danach wird ja sein, ob uns die Geschichte noch einmal die Gelegenheit zuspielt, uns frei und staatlich mit denen zu organisieren, mit denen wir auch zusammenleben wollen. Ob wir daraus was lernen werden und bereit sind, besser auf die Organisation unserer Freiheit aufzupassen, steht dann auf einem neuen Blatt.

    Es ist ein gesichertes Ergebnis der Geschichte, der wir liberal, oder sozialistisch zu entkommen meinten, dass das Leben und die Freiheit nur im Opfer sich erhält.
    Die utopistische Illusionsbildung, die zur Negierung der Geschichte führt, bringt weder über links, noch über rechts Freiheit, sondern Nihilismus und Zerstörung.
    Diese Einsicht finden wir auch bei Albert Camus, dessen hundertster Geburtstag heuer gefeiert wird: Wer keinen Grund hat zu sterben, der hat auch keinen Grund zu leben!

    Das riecht alles nach starkem Tobak, aber die Zeichen der Zeit weisen leider in die Richtung, dass wir wieder Erfahrungen mit diesen Zusammenhängen machen werden.

    Daher, Ja zur Wehrpflicht, aus guten Gründen, nicht aus Verlegenheit!

  3. Ausgezeichneter KommentatorS.B.
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Januar 2013 02:01

    Genauso schätze ich die Mehrheit der wahlberechtigten Österreicher ein: so haben wir das immer gemacht, so soll es bleiben - nur nichts ändern, was die Bequemlichkeit stören könnte. So weit, so gut.

    Aber angesichts der im Moment tatsächlich stattfindenden "politischen Tiefpunktkultur", obwohl es sich lediglich um eine Volksbefragung handelt, erleben wir einen Vorgeschmack auf den kommenden Wahlkampf, nachdem allen bewußt ist, daß es um den Fortbestand der von SPÖ und ÖVP heißbegehrten Großkoalition geht. Wenn man noch eine Stufe tiefer steigen will, könnten wir das voraussichtlich, Theater erste Reihe, in diesem Schicksalsjahr miterleben = nichts für schwache Nerven!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorxRatio
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    21. Januar 2013 02:09

    All diese ethisch gewissenlosen BefürworterINNEN der Wehrsklaverei
    setzen sich bei nächster Gelegenheit mit exakt denselben "Argumenten"
    wie für die "Wehrpflicht" auch für eine "Polizeipflicht" ein.

    Dann folgen Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung etc.
    Hauptsache, man selbst bleibt verschont von der bejubelten Sklavenhaltung.

    Hauptsache man spart ein paar Euros, die innere und äußere Sicherheit ohne männliche Zwangsarbeiter nun mal kosten könnten.

    Sind halt ethisch und moralisch nicht mehr ganz dicht, die Austriaken.

    Sozialisten reinsten Wassers, schlimmer noch als ihre SPÖVP, die sie jetzt wieder auf stramm linken Kurs gebracht haben.

    Stärker konnte sich ein Volk samt AU in meinen Augen schon rein moralisch nicht selbst herabsetzen.

    xRatio

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  1. xRatio (kein Partner)
    21. Januar 2013 02:09

    All diese ethisch gewissenlosen BefürworterINNEN der Wehrsklaverei
    setzen sich bei nächster Gelegenheit mit exakt denselben "Argumenten"
    wie für die "Wehrpflicht" auch für eine "Polizeipflicht" ein.

    Dann folgen Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung etc.
    Hauptsache, man selbst bleibt verschont von der bejubelten Sklavenhaltung.

    Hauptsache man spart ein paar Euros, die innere und äußere Sicherheit ohne männliche Zwangsarbeiter nun mal kosten könnten.

    Sind halt ethisch und moralisch nicht mehr ganz dicht, die Austriaken.

    Sozialisten reinsten Wassers, schlimmer noch als ihre SPÖVP, die sie jetzt wieder auf stramm linken Kurs gebracht haben.

    Stärker konnte sich ein Volk samt AU in meinen Augen schon rein moralisch nicht selbst herabsetzen.

    xRatio

  2. sergej-m (kein Partner)
    18. Januar 2013 19:13

    Lieber Herr Dr. Andreas tögel!
    Die sachliche Ebene in ihrem 1.Absatz verlassen sie so dann wo von "hausversland" zu lesen ist.
    Ja die Regierung hält uns für "naturdeppen" aber nein für eine Wehrpflicht bin ich nicht zu haben auch keine Nato! Wer diese offene Schönredrei ad Wehrpflicht ernsthaft glaubt dem erzäöle ich mal die Stimmung in meiner Familie (in anderen dominiert tatsäschlich die Wehrpflicht,aBer das ist deren Senf).
    *minja/ich : Stellung mit 19 Jahren ,dort gemobbt(fragten ob ich schon Sex hatte,deswegen heute noch geistige schäden wenn wer danach fragt..liebe Leute ist ,dass Österreich welches Leopold figl befreit hat?Schande! ) ,=>für Berufsheer.
    *Onkel :war beim Heer ,hat
    erlebt wie arg es bei seinem Bruder war=>deshalb für Berufsheer.
    *Tante: Berufsheer,ihr Sohn(mein cousin) soll
    das nicht müssen. *Oma: selbe begründung bzgl. Sohn meiner Tante, Berufsheer
    *Mutter: will nicht das meine Schwester vll. Zum Heer muss :Berufsheer

    So nun 2 die Wehrpflicht wählen.

    Deduscka/Opa: hat nicht zum Heer müssen,war bei Polizei
    .ist für "Wehrdienst". Aus meiner Sicht der einzig rationelle-sachliche berufsheer-kritiker! =>Wehrpflicht

    Sistra/Schwester: auch für Wehrpflicht aber mit Argument,das sie Leute kennt welche den füherrschen bezahlt bekamen (das sie aber nie beim Heer oder der Stellung war ist js.nur nebensache...
    => Wehrpflicht

  3. ProConsul
    18. Januar 2013 15:14

    Dr. Harald Kotschy hat einen Apell zur Unterstützung der Allgemeinen Wehrpflicht verfasst, den ich gerade per Mail erhielt. Botschafter a.D. Dr. Harald Kotschy war Vertreter Österreichs in zahlreichen Ländern, zuletzt bei der OSZE.

    Liebe Freunde!
    Die Befragung zur Zukunft des Bundesheeres steht unmittelbar bevor.
    Es ist die wichtigste Weichenstellung für die Zukunft Österreichs seit der EU-Beitritts-Volksabstimmung im Jahre 1994.
    Was hat man uns damals nicht alles versprochen ! Wo ist der „Ederer-Tausender“ geblieben, der uns angeblich Jahr für Jahr im Geldbörsel bleiben sollte. Der alltägliche Einkauf oder Gastronomiebesuch belehrt uns eines Besseren.

    Und jetzt verspricht man uns, daß die wichtigen Leistungen, die im Gesamtsystem der allgemeinen Wehrpflicht erbracht werden, bei Umstieg auf ein Berufsheer / freiwilligen Sozialdienst ohne Mehrkosten zur Verfügung stehen werden. Allein der logische Hausverstand sagt uns - ein Berufsheer ist bei Beibehaltung des gegenwärtigen Leistungsniveaus nicht annähernd finanzierbar - gegenteilige Behauptungen beruhen schlicht auf unwahren Informationen.

    Berufsheere sind ein Rückschritt in die Zeiten der Feudalherrschaft vergangener Jahrhunderte. Sie wurden zur Durchsetzung der Macht- und Eroberungspolitik der jeweils herrschenden Dynastien der Kaiser und Könige (heute wären das wohl Politiker im Dienste der Konzerne und Banken) eingesetzt. Lasst Euch daher von Schalmeientönen wie „Professionalisierung“, „Freiwilligkeit“ nicht wieder täuschen. Erkennt vielmehr die wahren Motive der angestrebten Systemänderung:

    Es geht nicht um reale gegen unser Land gerichtete Bedrohungsszenarien wie Notwendigkeit des Objektschutzes im Terrorfall, organisierte Großkriminalität, unkontrollierte Migrationsbewegungen und marodierendes Einsickern von Fremden aus allen Kontinenten im Zuge der Globalisierung, u.ä., denen ein Berufsheer angeblich besser begegnen könnte. Diese könnten schon definitionsgemäss organisatorisch und von der Größe der Aufgabe her nur unter den Bedingungen allgemeiner Wehrpflicht bewältigt werden.

    „Professionell sterben für den Hindukusch“ (oder Timbuktu u.a.) ist die wahre Devise !

    Ein "Berufsheer" ist nämlich die Vorstufe und unbedingte Voraussetzung für die Unterstellung unserer Soldaten unter internationales Kommando und seinen Missbrauch für fremdbestimmte Zwecke. Der folgerichtige logische Schritt wäre dann der Beitritt zur NATO, um im Rahmen dieser „Verteidigungsallianz“ an vorderster Front als Werkzeug zur Durchsetzung der Rohstoff- und Machtinteressen unserer transatlantischen Freunde zu dienen, während die „US-boys“ vorwiegend in sicherer Entfernung aus ihren gut geschützten Befehlsständen heraus das „Kanonenfutter“ führen …...

    Wollt Ihr das wirklich ?

    Anders, als es manche Umfragen zu signalisieren scheinen, wird der Ausgang dieser außerordentlich wichtigen Abstimmung sehr knapp. Die Befürworter eines sog. "Profi-Heeres" (allein die Bezeichnung ist bereits eine systematische Beleidigung aller, die im bisherigen System qualitätvoll und mit persönlichem Einsatz Dienst getan haben) haben sich an die Verteidiger der allgemeinen Wehrpflicht bzw. eines demokratisch eingebetteten Volksheeres gefährlich angenähert.

    Daher meine Bitte: Leitet diese Hintergrundinformation umgehend an Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen weiter und bringt Euch in den nächsten zwei Tagen aktiv und bei allen Gelegenheiten in Gesprächen mit in die Meinungsschlacht um diese wichtige Entscheidung für unsere Zukunft ein.

    Herzliche Grüsse
    Harald Kotschy

  4. Johann Scheiber
    17. Januar 2013 13:18

    Sehr geehrter Herr Tögel, von ihrem radikalindividualistischen Standpunkt aus ist es ihnen offenbar nicht einsichtig, dass Wehrpflicht nicht notwendig Zwang bedeutet, wenn und soferne ein junger Mann begreift, dass sein Einsatz für die Allgemeinheit ein zur Erhaltung des Staates, den er, bei aller anstehenden Kritik, bejaht, notwendiger Beitrag ist, welcher, wie zahlreiche Beispiele in der Geschichte zeigen, nicht durch Geld substituierbar ist.

    Der Staat, der die Aufgabe hat, das Leben einer Schicksalsgemeinschaft eines Volkes, einer Nation zu sichern und zu gewährleisten, lebt ja nur aus der Zustimmung und, nötigenfalls, aus der Opferbereitschaft seiner Bürger heraus.
    Wenn der geschichtliche Zusammenhang und die Verteidigungsbereitschaft verloren geht, dann passiert das, was wir heute haben, die Leute, denen die Erhaltung des Gemeinwohls aufgetragen ist, organisieren dessen Untergang: Multikultur, Entdifferenzierung, Gleichmacherei und Zerstörung der Wehrbereitschaft sind kein historisches Novum, sondern übliche topoi zerfallender Kulturen.
    Nun sind wir von unseren Filzokraten ja tatsächlich so fertiggefahren, dass eine neuerliche Tragödie, auf kurz oder lang, unausweichlich scheint - es gibt ja nur die Möglichkeit des Begreifens oder der Tragödie - aber die Frage danach wird ja sein, ob uns die Geschichte noch einmal die Gelegenheit zuspielt, uns frei und staatlich mit denen zu organisieren, mit denen wir auch zusammenleben wollen. Ob wir daraus was lernen werden und bereit sind, besser auf die Organisation unserer Freiheit aufzupassen, steht dann auf einem neuen Blatt.

    Es ist ein gesichertes Ergebnis der Geschichte, der wir liberal, oder sozialistisch zu entkommen meinten, dass das Leben und die Freiheit nur im Opfer sich erhält.
    Die utopistische Illusionsbildung, die zur Negierung der Geschichte führt, bringt weder über links, noch über rechts Freiheit, sondern Nihilismus und Zerstörung.
    Diese Einsicht finden wir auch bei Albert Camus, dessen hundertster Geburtstag heuer gefeiert wird: Wer keinen Grund hat zu sterben, der hat auch keinen Grund zu leben!

    Das riecht alles nach starkem Tobak, aber die Zeichen der Zeit weisen leider in die Richtung, dass wir wieder Erfahrungen mit diesen Zusammenhängen machen werden.

    Daher, Ja zur Wehrpflicht, aus guten Gründen, nicht aus Verlegenheit!

    • phaidros
      17. Januar 2013 13:38

      dass Wehrpflicht nicht notwendig Zwang bedeutet,

      Ist ja brüllend interessant. Und wieso müssen wir die jungen Leute dann per Gesetz und Strafandrohung dazu zwingen?

      lebt ja nur aus der Zustimmung und, nötigenfalls, aus der Opferbereitschaft seiner Bürger heraus.

      ... die diesen Dienst dann ja wohl aus freien Stücken leisten werden.

      Es ist ein gesichertes Ergebnis der Geschichte, der wir liberal, oder sozialistisch zu entkommen meinten, dass das Leben und die Freiheit nur im Opfer sich erhält.

      Und wenn jemand, der vielleicht körperlich nicht so leistungsfähig ist, aber dafür wirtschaftlich erfolgreich, darauf verweist, seine Abgaben von weit mehr als 50% seines Verdienten seien ein Opfer, so ist das nicht ganz von der Hand zu weisen.

      Ja zur Wehrpflicht ist völlig ok. Ja zu dieser Wehrpflicht - und darauf läuft ein Pro-Wehrpflicht-Ergebnis bei dieser Abstimmung hinaus - ist eine grobe Realitäts- (und in Ihrem Fall auch Theorie-)Verweigerung

    • Andreas Tögel
      17. Januar 2013 16:44

      Sehr geehrter Herr Scheiber,
      wenn die Geschichte eine Lehre bereithält, dann ist es die, daß das recht moderne Modell der allgemeinen Wehrpflicht - von Napoleon Bonaparte aufwärts - höchst erfolgreich zur Führung von Angriffskriegen genutzt wurde. Mit bezahlten Profis, anstatt mit gepressten Rekruten, wären weder die Waffengänge Napoleons, noch der Erste oder Zweite Weltkrieg möglich gewesen. Mir fehlt daher leider die romantische Ader, die die Voraussetzung dafür bietet, derlei "Stahlgewitter" als irgendwie wünschenswert anzusehen. Der Schmäh, daß die zwangsverpflichteten Burschen ja nur der "Landesverteidigung" dienen (und nicht etwa zu abenteuerlichen Auslandseinsätzen) ist mir zu abgeschmackt, um ihn heute noch zu glauben. Das gilt auch für die Schweiz.

      Menschliches Leben ist nach meiner unumstößlichen Überzeugung ein zu kostbares Gut, um es der Disposition von Regierungen - gleich welcher Art - auszuliefern.

      Das alles heißt nicht, daß ich ein naiver Pazifist oder gegen jede Form einer (kollektiven) Sicherheitsorganisation wäre. Ich würde mich selbst als überdurchschnittlich wehrhaft und wehrbereit bezeichnen. Aber ich selbst - und mit absoluter Sicherheit niemand sonst - entscheidet darüber, ob ich für jemand oder etwas mein Leben aufs Spiel setze oder nicht. Ich wiederhole daher eine bereits an anderer Stelle einmal getroffene Forderung: Wer möchte, der soll in einer Freiwilligenmiliz dienen. Das bedeutet , daß es Triffbrettfahrer geben wird, die davon profitieren. Trittbrettfahrerei ist allerdings auch in keinem anderen Modell auszuschließen. Darüber hinaus wäre ihre Vermeidung kein hinreichender Grund zur Anmaßung, jemanden gegen seinen Willen in den Tod zu hetzen.

      Literaturempfehlung: http://mises.org/etexts/defensemyth.pdf
      Mit freundlichen Grüßen,
      A. Tögel

    • Johann Scheiber
      17. Januar 2013 19:09

      Sie haben recht, sehr geehrter Herr Tögel, dass die allgemeine Wehrpflicht ein modernes Phänomen ist, sie ging nämlich einher mit der Einbindung und Partizipation des Bürgers in eine res publica der Freiheit und der Selbstbestimmung.
      Nun läuft die Sache eben wieder rückwärts, Wehrpflicht, Partizipation, Freiheit und Selbsbestimmung gehen offenbar ihrem historischem Ende entgegen.

      Selbstverteidigung eines Volkes ist nicht unbedingt an die Wehrpflicht geknüpft aber an die Bereitschaft und die Kraft der Menschen dazu. Der Untergang großer Kulturen lehrt es - allen voran Rom. Wir werden in die selbe Situation geraten. Wenn die liberalen und die sozialistischen Säusler dem Volk vorsingen, Sicherheit ließe sich auch ohne persönlichen Einsatz, mit Steuerleistungen bewerkstelligen, dann werden die so verdorbenen jungen Männer die Drecksarbeit der Landesverteidigung ebenso der ausländischen Reservearmee überlassen wie die Müllabfuhr. Dann werden wir die Erfahrung der Römer machen, dass es nicht nur industrielle, sondern auch eine militärische Reservearmee gibt- welche allerdings keine Sicherheit mehr bietet.
      Wir haben unsere "Germanen" auch schon im Land. Der Unterschied ist, dass Italien durch die Völkerscharen aus dem Norden tatsächlich und bis zum heutigen Tag bereichert wurde. Uns droht durch jene aus dem Süden, organisiert durch liberale und sozialistische Realitätsverweiger und Saboteure der Untergang.

    • terbuan
      17. Januar 2013 21:34

      Sehr geehrter Herr Tögel,
      Umkkehrschluß: Mit einem Söldnerheer hätten die USA höchstwahrscheinlich nicht den Sieg der Alliierten gegen Deutschland und Österreich erringen können weder im 1. noch im 2. Weltkrieg, der ja ohnedies nur einer war.

    • phaidros
    • cmh (kein Partner)
      18. Januar 2013 10:13

      Niemand wird gezwungen, Österreicher zu sein. Das wollen nicht einmal die Immigranten, die sich in das Sozialsystem hier drängen.

      Wenn aber jemand Österreicher sein will, dann

      ist er im Sozialsystem
      darf in gewissem Maße mitbestimmen
      muss gewisse Steuern zahlen
      muss seine Kinder - die er freiwillig bekommt - in die Schule schicken und

      muss sich mit der Wehrpflicht abfinden.

      Den Wehrdienst empfinden daher nur die als Zwangsdienst, die den linken Fuß in den linken Schuh gesteckt haben und sich dann darüber aufregen, dass sie keinen weiteren linken Schuh für ihren rechten Fuß haben.

    • phaidros
      18. Januar 2013 10:24

      Ich bin beeindruckt, cmh, das ist gleich das zweite starke Argument!

      Allerdings muss man entgegenhalten, dass man an Ländern beginnend bei England und Frankreich über die USA und Kanada bis zu Australien sieht, dass moderne Demokratie unserer Machart auch ohne Wehrpflicht möglich ist. (Um nur solche Länder zu nennen die die Wehrpflicht nicht erst jüngst abgeschafft haben)

      Es handelt sich also durchaus um ein gestaltbares Detail unseres Zusammenlebens und nicht um etwas von der Unverrückbarkeit der Alpen

    • terbuan
      18. Januar 2013 18:02

      phaidros
      Die U.S. Army hatte während des 2. Weltkrieges einen nie wieder erreichten Höchststand von 8,3 Mio. Soldaten, davon waren ein Großteil Wehrpflichtige!
      Anders wäre diese Last an mehreren Fronten nicht zu tragen gewesen!

    • phaidros
      19. Januar 2013 00:03

      Danke, terbuan, das ist ein Punkt, der ist bedenkenswert. Ich weiß nur nicht, inwieweit er sich auf moderne Szenarien noch anwenden lässt. Wie Herr Maierhofer an anderer Stelle richtig schreibt, sind die Russen in Afghanistan ebenso untergegangen, wie die Amerikaner in Korea und Vietnam. Was er nicht dazu schrieb: mit Wehrpflichtigenheeren.

      Inwieweit die USA, wären sie nicht an etlichen Fronten verstrickt gewesen, sondern hätten sich nur auf den D-Day konzentrieren können, das nicht mit einer Berufstruppe hätten schaffen können, müsste wohl ein Streit um des Kaisers Bart bleiben.

  5. Tullius Augustus
    17. Januar 2013 12:25

    In der Debatte um das Bundesheer empfehle ich jedenfalls auch diesen hier verlinkten KURIER-Artikel.

    Bitte auch unten den Artikel "Unlautere Methoden im Finale" lesen, wie es auf Magistratischen Bezirksämtern in Wien so tagtäglich zugeht:

    http://kurier.at/politik/inland/hohe-militaers-warnen-vor-crash-des-heers-im-jaenner-2014/2.616.555

    Weil der Sprecher des Verteidigungsministeriums Stefan Hirsch im Artikel vor kommt, hier ein Bild von diesem weitgehend unbekannten Mann:

    http://www.bmlv.gv.at/journalist/images/hirsch_1.jpg

  6. Observer
    17. Januar 2013 07:07

    Frage an den Blogbetreiber:
    Geben Sie den Befürwortern eines Berufsheeres auch so viel Raum wie dessen Gegnern?
    Mir geht die ganze Debatte schon auf die Nerven und ich warte sehnsüchtig auf die Ernüchterung am kommenden Montag. Egal wie die Befragung ausgeht, es wird sich in der nächsten Zeit in unserer Zwergenrepublik ohnehin nicht viel ändern. Mit direkter Demokratie hat das jetzige Kasperltheater ohnehin nichts zu tun.

    • dssm
      17. Januar 2013 09:18

      @Observer
      Herr Tögel ist ein sehr sehr liberaler Mensch, daher ist ihm der Wehrzwang ein Gräuel! So gesehen haben Sie hier einen Gegner der Wehrpflicht, der Ihnen allerdings bezüglich Kasperltheater wahrscheinlich beipflichten wird.

    • Observer
      17. Januar 2013 10:46

      Gleich noch eine Frage im Zusammenhang mit der Befragung am Sonntag:
      Wie ich höre, wird unser Oberaufdecker Peter Pilz einige Bürgermeister aus Tirol und Vorarlberg bei der Staatsanwaltschaft wegen deren schriftlichen Wahlempfehlungen an die Bevölkerung anzeigen. Wie wird er sich mit dem ähnlichen Brief von Häupl an die Wiener verhalten?

    • scholik (kein Partner)
      18. Januar 2013 10:04

      @observer
      Wie Recht Sie mit dem Kasperltheater und der Meinung, dass sich nach dem 200113 indser Sache nichts ändern wird!

  7. Ai Weiwei
    17. Januar 2013 06:41

    Danke für Ihre offene und schonungslose Analyse, geschätzter Herr Tögel. Sie halten da ziemlich vielen Leuten den Spiegel vor das Gesicht.

    Mir hat bei Ihrer obigen Aufzählung in 5 Punkten noch ein Sechster gefehlt:

    ° Denjenigen politschen Protagonisten, welche die Idee eines Berufsheers bei gleichzeitigem Nichtbeitritt zu einem Verteidigungsbündnis (NATO) vorschlugen, also den Wiener Roten anno 2010 (v.a. Häupl) ist in Wahrheit die Verteidigungsfähigkeit Österreichs so wichtig wie die Höhe der Fischpreise in Bangkok (nämlich: Null).

    Dazu zum Schmunzeln diese Karikatur vom Kurier: http://images01.kurier.at/pammi.jpg/940x540nocrop2/2.506.341

    Übrigens - wie ich hier schon mehrmals kundtat - meine Stimme am Sonntag: WEHRPFLICHT / ZIVILDIENST auf einem GÜLTIGEN Stimmzettel.

    • phaidros
      17. Januar 2013 06:49

      Sg. Ai Weiwei, es stimmt natürlich, was Sie über Berufsheer + Nichtbeitritt sagen!

      Sagen Sie aber bitte der Vollständigkeit halber auch dazu:

      Denjenigen politschen Protagonisten, welche die Fortführung dieser Wehrpflicht vorschlagen (»Bewährtes beibehalten«) ist in Wahrheit die Verteidigungsfähigkeit Österreichs so wichtig wie die Höhe der Fischpreise in Bangkok (nämlich: Null).

      Dann haben wir ein vollständiges Bild und der Schuh passt.

  8. phaidros
  9. S.B.
    17. Januar 2013 02:01

    Genauso schätze ich die Mehrheit der wahlberechtigten Österreicher ein: so haben wir das immer gemacht, so soll es bleiben - nur nichts ändern, was die Bequemlichkeit stören könnte. So weit, so gut.

    Aber angesichts der im Moment tatsächlich stattfindenden "politischen Tiefpunktkultur", obwohl es sich lediglich um eine Volksbefragung handelt, erleben wir einen Vorgeschmack auf den kommenden Wahlkampf, nachdem allen bewußt ist, daß es um den Fortbestand der von SPÖ und ÖVP heißbegehrten Großkoalition geht. Wenn man noch eine Stufe tiefer steigen will, könnten wir das voraussichtlich, Theater erste Reihe, in diesem Schicksalsjahr miterleben = nichts für schwache Nerven!

    • phaidros
      17. Januar 2013 08:24

      Genau darauf zielen ja die Roten mit dem Lostreten der Debatte: auf die Bequemlichkeit, sonst nix.






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