Altern unter positiven Aspekten aufzufassen bedeutet ein längeres Leben mit folgenden Möglichkeiten: Wahrung der Gesundheit, Aufrechterhaltung der persönlichen Sicherheit sowie aktive Teilnahme am Leben und am sozialen Umfeld. Die Weltgesundheits-organisation (WHO) hat den Begriff „Aktiv Altern“ deshalb aufgegriffen, damit der Prozess, der für das Erreichen dieser Vision erforderlich ist, greifbar wird.
Ilse Kryspin-Exner für den Science-Blog
Aktives Altern bedeutet, bei guter Gesundheit und als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft älter zu werden, ein erfüllteres Berufsleben zu führen, im Alltag unabhängiger und als Bürger engagierter zu sein. Wir können unabhängig von unserem Alter eine Rolle in der Gesellschaft spielen und höhere Lebensqualität genießen. Wichtig ist, das große Potenzial auszuschöpfen, über das wir auch in hohem Alter noch verfügen.
Das Wort „aktiv“ bezieht sich demnach nicht nur auf die Möglichkeit, körperlich fit zu bleiben, vielmehr wird darunter die Möglichkeit verstanden, sein Reservoir für körperliches, soziales und geistiges Wohlbefinden im Verlaufe des gesamten Lebens zu nützen. Außerdem steht die Teilnahme am sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen, spirituellen und zivilen Leben in Übereinstimmung mit den persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten im Vordergrund.
„Aktiv Altern“ bezieht sich zusammengefasst auf die Ausweitung der Lebensqualität und des Wohlbefindens alter Menschen - somit sind auch jene Personen inkludiert, die einer Unterstützung und Pflege bedürfen. Die Lebensqualität der älteren Generation hängt von den Möglichkeiten und Risiken ab, welche im Laufe des gesamten bisherigen Lebens gegeben waren. Selbstverständlich haben auch Art und Umfang an Hilfestellung und Unterstützung, die die nachfolgenden Generationen bei Bedarf zu gewähren bereit sind, einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität.
Komponenten des aktiven Alterns
1. Solidarität
Das Kind von heute ist der Erwachsene von morgen und die Großmutter / der Großvater von übermorgen. Bestandteil eines aktiven Alterns ist ein wechselseitiges (reziprokes) Geben und Nehmen, einerseits zwischen einzelnen Personen und andererseits zwischen den jüngeren und älteren Generationen. Dies kommt auch im Schlagwort der „Solidarität zwischen den Generationen“ zum Ausdruck.
2. Gewinne und Verluste
„Aktiv Altern“ ist im Konzept der Psychologie der Lebensspanne integriert (Abbildung 1). Dieses geht entsprechend entwicklungspsychologischer Erkenntnisse von der Ansicht aus, dass Entwicklung im gesamten Leben eines Menschen stattfindet und niemals zum Abschluss kommt.
Der Zugang zu einer derartigen Life-span-Psychologie zielt auf die Verbindung folgender Gesichtspunkte ab: Berücksichtigung der Multidirektionalität ontogenetischer Veränderungen (Entwicklungsprozesse, die erst in späten Phasen des Lebens beginnen oder in verschiedene Richtungen laufen), Einbeziehung altersabhängiger (biologische Vorgänge, lebensalterstypische gesellschaftliche Prozesse) und altersunabhängiger (Zeitströmungen, periodenspezifische Ereignisse) Entwicklungsfaktoren sowie Berücksichtigung individueller Lebensereignisse. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass jeglicher Entwicklungsprozess sowohl einen Gewinn (Wachstum) als auch einen Verlust (Abbau) an Adaptionsfähigkeit darstellt; die Plastizität von Entwicklungsprozessen wird betont.

Abbildung 1 Psychologie der Lebensspanne: Weg von der überkommenen Vorstellung eines stetigen Abbaus hin zur Vorstellung eines Wechselspiels zwischen Verlust und Gewinn
Die psychische Entwicklung ist in jedem Lebensalter von diesen Gegebenheiten bestimmt, sie sind jedoch im frühen Lebensalter in einzelnen Phasen gesetzmäßiger und in größerem Maß normativ als im höheren. Ein „typisches“, für den letzten Abschnitt des Lebens einheitlich gültiges Verhalten älterer Menschen ist nicht bekannt (etwa, ob Verinnerlichung, Motivationsverlust, Resignation, Depression einen charakteristischen Ablauf zeigen). Dies liegt zum einen daran, dass die Gesetzmäßigkeiten des höheren Lebensalters noch nicht so gut erforscht wurden bzw. über lange Zeiträume beobachtet werden konnten – noch nie seit Bestehen der Menschheit erreichten durchschnittlich die Menschen ein so hohes Lebensalter! Da Verhaltens- und Denkweisen zudem sehr wesentlich durch Erfahrungen während des ganzen Lebens geprägt und überformt sind, was in früheren Entwicklungsabschnitten noch nicht in dem Ausmaß der Fall ist, gilt es, sowohl von verschiedene Formen als auch verschiedenen Stadien des Alterns auszugehen. Je nachdem, ob ein kalendarischer, subjektiver oder von außen beurteilender Standort eingenommen wird, ist es unzulässig eine Zeitspanne von durchschnittlich 30 Jahren, die Menschen heute „im Alter“ verbringen, als „einheitliche Etappe“ anzusehen.
3. Gesundes Altern
„Aktives Altern“ meint stets auch gesundes Altern. Die WHO definiert Gesundheit als Summe des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Politische Maßnahmen und Programme, die eine Verbesserung oder Stabilisierung der körperlichen Gesundheit bewirken sollen, sind ebenso wichtig wie jene, die der Förderung von geistigem und sozialem Wohlbefinden dienen. Erst bei Beachtung sämtlicher eben genannter Aspekte kann der Weg für aktives bzw. kompetentes Altern geebnet sein.
4. Autonomie, Selbstständigkeit und Kompetenz
Unter Autonomie wird die bestmögliche Selbstständigkeit einer Person verstanden, die sich nicht nur auf die Verrichtung alltäglicher Fertigkeiten (z.B. Anziehen, Körperhygiene) bzw. lebensnotwendiger Routinetätigkeiten (z.B. Flüssigkeitsaufnahme) beschränkt ist. Die oberste Maxime lautet, Lebensformen zu gewährleisten, die soweit als möglich von anderen autonom bzw. unabhängig sind. Kompetenz bezieht sich wiederum primär auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.
5. „Hilfe zur Selbsthilfe“
Bei Berücksichtigung der Autonomie und Selbstständigkeit sollte die „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Kontrast zu unreflektierter und uneingeschränkter Hilfeleistung bzw. Abnahme jeglicher Tätigkeit vordergründig sein. Pflegende Angehörige, professionelle Fachkräfte aber auch neuere technische Entwicklungen können hierfür einen bedeutsamen Beitrag leisten.
6. Berücksichtigung von Wünschen
Zu aktiv-kompetentem Altern zählt auch die Beachtung von Wünschen älterer Menschen. Dabei gilt als oberstes Ziel, so lange wie möglich zu Hause mobil bleiben zu können. Sowohl die Förderung des Selbsthilfepotentials als auch der Einbezug und die Inanspruchnahme technischer Hilfsmittel in unserer heutigen Zeit können der Berücksichtigung und Erfüllung dieser Anliegen dienen.
Argumente, die berechtigen von Konzepten des „erfolgreichen“, „konstruktiven“ oder „emanzipierten“ Alterns zu sprechen
Epidemiologische Resultate:
Betrachtet man die Zahl der in Heimen und Pflegeinstitutionen untergebrachten alten Menschen, so betrifft dies ca. 4% der über 65jährigen Menschen. Dies ist insofern ein gewisser Trugschluss, als der Prozentsatz von zeitweise in Krankenhäusern und Pflegeinstitutionen untergebrachten Menschen natürlich viel höher ist und 18 bis 20% umfasst. Dennoch: 80% der über 65jährigen können zu Hause leben bzw. werden dort versorgt.
Der Anteil psychisch kranker Menschen über 65 Jahre beträgt ca. 25%, eine unter Versorgungsgesichtspunkten sehr ernst zu nehmende Realität (Depression, Demenz, Verwirrtheit, paranoide Tendenzen). Die Zahl soll aber dennoch nicht den Blick dafür verstellen, dass eben 75% der älteren Menschen nicht – zumindest in keiner ernsthaften bzw. behandlungsbedürftigen Weise -, psychisch krank sind.
Altern generell im Sinne eines Defizitmodells zu diskutieren ist obsolet.
Untersuchungen über den altersbedingten Abbau wurden früher meist an einer Auslese von Leuten in Spitälern oder Altersheimen durchgeführt: Wer im Familienverband lebte oder sich bis ins hohe Alter allein versorgte, wurde lange Zeit in diesen Studien kaum berücksichtigt.
Zudem hatte man Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahre begonnen, Personen verschiedener Altersgruppen hinsichtlich ihrer Leistung zu untersuchen und miteinander zu vergleichen und damals wurde erhoben, dass die globale Intelligenz ab Mitte 20 leicht und ab 75 Jahren relativ rapid abnimmt. Daraus wurde das „Defizitmodell“ abgeleitet, d.h. dass Alter generell mit einem Defizit einherginge (Abbildung 2). Erst allmählich hat man festgestellt, dass es einen ab Mitte 20 beginnenden, allerdings sehr unterschiedlichen Altersabbau verschiedener Funktionen gibt, z.B: baut die motorische Geschicklichkeit relativ früh ab, wo hingegen das Optimum an Gedächtnisleistung im dritten Lebensjahrzehnt liegt. Andererseits werden manche Funktionen wie Urteilen und Vergleichen, Phantasie oder Problemlösefähigkeit mit dem Alter besser.
| Defizitmodell | Erfolgreiches, konstruktive & kompetentes Altern |
| Altern | Phase der Lebensspanne |
| Abbau | Multidirektionalität Multidimensionalität der Leistung Biographische Intelligenz Konzepte der Sichtweise |
| globale Betrachtung | individuelle Sichtweise |
|
Depressitivät |
... diesen Kriterien Sinn geben |
| Förderung von skills → Orientierung, Gedächtnis, Konzentration, soziale Fertigkeiten etc. |
Prävention (Auswirkungen von Lebensweise im mittleren Lebensalter, Zahl und Schweregrad von Noxen im Kindesalter auf späteres Altern) |
| abrupter Übergang von Berusfstätigkeit in Pensionierung | Allmähliche Überleitung bzw. Vorbereitung auf die Zeit ohne geregelten Beruf |
| Verlust signifikanter Bezugspersonen Ausgliederung ("Ghettos") |
Neugestaltung des sozialen Netzes Soziale Integration |
Abbildung 2. Defizitmodell versus Aktives Altern
Anhand dieser Beobachtungen wird „Intelligenz“ heute in viel komplexerer Form dargestellt und aufgezeigt, dass Intelligenzfunktionen mit dem Alter sehr unterschiedlich abfallen oder steigen. „Flüssige Intelligenz“, also Fähigkeiten der Umstellung und Motorik sowie das Gedächtnis bauen eher ab, das rasche Auffassen und Verarbeiten von Informationen, lässt tendenziell bereits ab dem 30.Lebensjahr nach. Hingegen nimmt die „kristallisierte Intelligenz“ – Problemlösefähigkeiten, Kombinationsfähigkeit usw. – eher zu, was heute in Zusammenhang mit dem Konzept der „Weisheit“ diskutiert wird bzw. in der „biographischen Intelligenz“, dem „über sich selbst klüger werden“, Ausdruck findet.
Intelligenz ist demnach multimodal und multidimensional (siehe auch weiter oben): Manche Intelligenzfaktoren werden mit dem Alter besser, andere schlechter. Jedenfalls kann man nicht von einem allgemeinen Intelligenzabbau sprechen und dies ist ein wesentliches Argument gegen das Defizitmodell.
Ausnützen der sog. „Reservekapazität“
Anhand mannigfacher Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass sich der Abbau-Prozess durch gezieltes Üben verlangsamen lässt, wenn beginnende Defizite rechtzeitig aufgespürt, Motivation erreicht und eine stimulierende Umgebung aufgebaut werden kann; hierbei spielen auch soziale Aspekte eine große Rolle, d.h. das Eingebundensein in Familie, Freundeskreis, Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppierungen.
Dies soll anhand eines Beispiels über altersspezifische Geschlechtsdifferenzierung aufgezeigt werden: aus der Beobachtung, dass Frauen in ihren Hirnleistungsfunktionen schneller abbauen, wurde abgeleitet, dies müsse mit einer unterschiedlichen Hirnalterung zu tun haben. Aber man hatte Frauen im Alter untersucht, die in der Jugend wenig Förderung, keine besondere Schulausbildung erhielten und ihr Leben lang ihre intellektuellen Kapazitäten nur wenig nützen konnten. Im Alter bauen diese Personen dann rascher ab – und dies ist nicht geschlechtsspezifisch!
Insofern ist der Abbau nicht ausschließlich ein Hirnalterungsprozess, sondern auch ein Förderungsdefizit von früher – was wiederum ein Argument, für das Konzept des „erfolgreiches Alterns“ bringt und zudem darauf hinweist, dass das Altern auch einen sozialen und gesellschaftlichen Aspekt hat.
Altern ist nicht nur individuelles sondern auch soziales Schicksal!
Die Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Bewältigung von Alternsprozessen werden durch gesellschaftliche Erwartungen und Normen beeinflusst. In der Gesellschaft bestehen Bilder vom alten Menschen die sowohl negativ (=hilfebedürftig) als auch positiv (=die jungen aktiven Alten, die wohlhabend und wichtige Konsumenten sind) verzerrt sein können und die das Selbstwertgefühl und damit wiederum subjektiv erlebte Handlungsalternativen und das konkrete Verhalten beeinflussen.
Aus letztgenanntem Punkt heraus soll eine weitere Überlegung entwickelt werden, der enorme präventive Bedeutung zukommt: Aus Längsschnittuntersuchungen ist heute bekannt, dass das Fundament zur Alterung bzw. verschiedener Alterungsformen sehr früh, im mittleren Lebensalter, gesetzt wird. Die Art der intellektuellen Betätigung (wobei hier intellektuell im Sinne der bestmöglichen Ausnützung der vorhandenen mentalen Fähigkeit bedeutet) sowie eine ansprechende berufliche Tätigkeit, haben sich als den Alterungsprozess positiv beeinflussend im Sinne einer geringen Progredienz herausgestellt, wohingegen risikoreiches Verhalten im Sinne von falscher Ernährung und insbesondere Alkoholmissbrauch, Mangel an körperlicher Fitness einen Abbau beschleunigen. Konzepte des „erfolgreichen“ Alterns, richtig an die entsprechenden Zielgruppen herangebracht, könnten somit an Selbstkompetenz und den Anteil der eigenen Gestaltmöglichkeit appellieren.
Resumé:
Das Konzept des aktiven Alterns beruht auf der Anerkennung der Menschenrechte des älteren Menschen und der Grundsätze der Vereinten Nationen im Hinblick auf die Unabhängigkeit, die Einbindung in das soziale Umfeld, die Würde, die Verfügbarkeit von Pflege und die Erfülltheit eines Lebens. Dabei wird der Schwerpunkt der strategischen Planung weg von dem Konzept der „Bedürftigkeit“ hin zu einem Konzept eines „Rechts“ gelenkt; man geht also von der Annahme ab, dass ältere Menschen primär passive Objekte sind und erkennt ihr Recht auf die Gleichheit an Chancen und Behandlung in allen Lebensbereichen an. Dabei wird die Verantwortung zur Teilnahme an den politischen Prozessen und anderen Aspekten des sozialen Lebens hervorgehoben.
Anmerkungen der Redaktion:
Ilse Kryspin-Exner:
„Aktiv durchs Leben- Psychologische Aspekte des Älterwerdens“ Vortrag Mai 2011 (PDF)
Zum Fach Klinische Psychologie: Ilse Kryspin-Exner – Psychology Careers Unveiled: Clinical Psychology (16:12 min)



















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Das Renteneintrittsalter sollte ganz abgeschafft werden. Jeder Mensch sollte so lange arbeiten, wie er arbeiten kann. Im Übrigen gibt es kein biologisches Alter. Ein Mensch wird "alt" oder krank nur durch berufliche Probleme, Selbstzerstörung oder Langeweile. Mehr dazu unter
www.esopolice.wordpress.com
Der Vorschlag von dssm die Psychologie als "neue Forschungs- und Studienrichtung einrichten, am besten als Fachzweig der Medizin" geht in die richtige Richtung!
Psychologie an einer Medizin-Uni ist natürlich als transdisziplinäres Fach zu sehen - es geht vom Erfassen physiologischer Vorgänge, d.h. vom Verstehen auf molekularer, zellulärer und Systemebene bis zu klinischen Anwendungen.
An der MUW gibt es ja ein Institut für Medizinische Psychologie - das was dort an Lehrveranstaltungen angeboten wird, entspricht wohl nicht ganz einer naturwissenschaftlich-basierten Psychologie (http://www.meduniwien.ac.at/medizinischepsychologie/lehrveranstaltungen.htm )
Die MUW würde ich nicht gerade als Garant dafür ansehen, daß dort ein an sich seriöses Fachgebiet nicht in das Kielwasser der Pseudowissenschaften gerät.
Beispielsweise gibt es ja an der MUW ein Wahlfach Homöopathie (3 Semesterwochenstunden), das als freies Wahlfach auch anrechenbar ist für Veterinärmedizin, Pharmazie und jede andere Studienrichtung.
Was hier in der Vorlesung gebracht wird? U.a. " Von Epidemien, Homöopathen ohne Grenzen und der homöopathischen Behandlung in Afrika am Beispiel Kenia" oder "Das „ähnliche“ Arzneimittel und seine Entstehung am Beispiel eines Arzneimittelbildes mit 1-2 Fällen; Homöopathie in der Intensivmedizin."
Ähnlich geistvolle Vorlesungen gibt es auch an der VetMed. Ich verstehe nicht, daß ein Rektor/eine Rektorin diesem Woodoo einen Platz - und natürlich auch ein entsprechendes Budget zuerkennt!
Ein schöner Überblick und sehr aufbauend für uns junge Alte. Danke!
Hilfe!!! Die Pseudowissenschaftler sind da!
Aber immerhin mutig in diesem Forum, wo die Orchideenfächer ohnehin eher Schläge beziehen, dieses BLABLA wiederzugeben. Es ist ja recht schön und gut, wenn man aber das Fachchinesisch weglässt, so sind das Allgemeinplätze.
Wenn ich mir vorstelle für solche geistigen Ergüsse mit meinen Steuern aufkommen zu müssen …
Daneben natürlich noch 'politische Maßnahmen' fordern. Klar, der einfache Mensch ist dumm und zu nichts fähig; danke für diese akademische Beurteilung, nicht zuletzt, meiner Person.
Ich hätte da einen einfachen Vorschlag wie man in Würde altert.
Arbeiten im Rahmen der Möglichkeiten! Insbesondere in der Familie kann man viel helfen und wird viel Hilfe erfahren.
Und natürlich vorsorgen! Und zwar mit Hirn, also sich nicht auf den Staat verlassen, sondern auf sich selbst.
Ja und auf das Kinderkriegen nicht vergessen!
Lieber dssm,
für Ihr posting bin ich Ihnen sehr dankbar, es ermöglicht mir Stellung zu nehmen warum Teile der Psychologie, wie auch schon seit längerem der Medizin, zu Recht Platz in einem science-blog finden.
Ja, die Erweiterung des blogs in Richtung Psychologie ist sehr bewußt erfolgt, nein wir sind nicht auf dem Dualismus Materie-Geist Trip!
Teile der Psychologie - vor allem die Biopsychologie und die Klinische Psycholgie - sind ja in Methodik und Inhalten bereits den Naturwissenschaften zuzuordnen! Es sind dies vor allem die Psychophysiologie, - biologie, Neuropsychologie, Psychoneuro-endokrinologie und -immunologie. Alles fächerübergreifend:basierend auf der physiologischen/pathologischen Funktion von Systemen unseres Organismus werden entsprechende Korrelate in unserem Verhalten, unseren Emotionen gesucht. Alles dies erfolgt heute unter Zuhilfenahme modernster biophysikalischer Methoden - u.a. Imagingtechniken (PET, fMRI, ESR,..), unterschiedlichster elektrochemische Methoden, neueste analytische Trennverfahren,............................, all dies wird streng nach naturwissenschaftlichen Methoden getestet, evaluiert und Hypothesen an Hand mathematischer Modellierungen experimentell (in vitro und in vivo) überprüft.
Ilse Kryspin-Exner ist Klinische Psychologin und eine sehr renommierte Vertreterin der naturwissenschaftlich orientierten Psychologie, sie gehört beispielsweise dem Steering committee des European Neuroscience and Society Networks (ENSN) der European Science Foundation an. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört u.a. die Klinische Neuropsychologie. Arbeiten wie:
"Relationship between gonadal steroids and brain activation patterns during emotion prosessing in women."
"Facial emotion recognition and amygdala activation are associated with menstrual cycle phase."
"Emotion recognition accuracy in healthy young females is associated with progesterone levels."
erfüllen voll die Ansprüche, die an biologische, science-based medizinische Untersuchungen gestellt werden. (Weitere Projekte und Publikationen sind unter http:http//ppcms.univie.ac.at/index.php?id=387 einzusehen.)
Daß die von Kryspin-Exner hier thematisierte, enorm wichtige Alternsforschung noch in den Kinderschuhen steckt, braucht nicht betont zu werden, ebenso nicht, daß viele - in Spitälern und Heimen ausgeführten - Untersuchungen kaum repräsentativ für größere Ensembles von alten Menschen sind und, daß für diese Korrelationen zwischen physischer und psychischer Gesundheit fehlen. (Aus meinem eigenen Fachgebiet weiß ich, wie wenig facts vorhanden sind um auf den sich im "Alter" ändernden Stoffwechsel, Blutfluß, hormonellen Status, etc. im Krankeitsfall entsprechend zu reagieren - üblicherweise passiert dann halt ein Overkill durch Vielfachmedikation mit den daraus resultierenden negativen Auswirkungen.)
Die Erweiterung des blogs in Richtung science-based Psychology ist bewußt erfolgt.
Dieser erste Beitrag tritt Vorurteilen entgegen, die mit dem Begriff Altern verbunden werden. Die Art der Darstellung entspricht dabei voll dem Usus unseres blogs - auch in allen anderen Fachgebieten bemühen sich unsere Autoren so verständlich als möglich - aber dennoch ohne unzulässige Simplifikationen - zu schreiben, wobei so wenig Grundkenntnisse als möglich vorausszusetzen sind (dies ist verteufelt schwer!).
Dementsprechend können Texte dem einen oder anderen Leser als zu einfach erscheinen und er wäre vielleicht an "hard facts" interessiert. Dafür ist schließlich der blog als eine Diskussions-Plattform da - hier können alle deratige Fragen thematisiert werden.
Das CV von Kryspin Exner findet sich unter: http://www.science-blog.at/Autor/Ilse+Kryspin-Exner
Sehr geehrte Frau Schuster.
Herzlichen Dank für die Antwort!
Mir ist schon bewusst, daß sich auch die Psychologie langsam aufmacht eine Wissenschaft zu werden (was haben eigentlich die bisherigen Studenten und Doktoranden gelernt?).
Wobei es dieser Disziplin sicher nicht gut steht, daß die Tierärzte seit Jahrzehnten den Einfluss von Viren auf die Stimmungslage von Tieren kennen und behandeln, während die Psychologen und auch die Humanmediziner nun einmal langsam hinter dem Ofen hervorkommen.
Solche Beispiele gibt es leider viele!
Meine extreme Ablehnung kommt aus einer anderen Ecke; der absoluten Erfolglosigkeit der Psychologie. Sie kennen sicherlich die empirischen Studien wo jeweils Selbstbehandlung (meist das familiäre Umfeld), Selbsthilfegruppen (z.B. Anonyme Alkoholiker) und psychologische Behandlung verglichen wurden; da muss man keinen Kommentar mehr abgeben, die Zahlen sprechen für sich.
Zweiter Grund der Ablehnung ist die wirtschaftliche Sicht der Dinge. Haben sich doch diese Pseudowissenschaftler (ernstzunehmend wird es ja gerade erst) erdreistet, zahlreiche Gutachten anzufertigen. Nicht genug damit, auch Beurteilungen für Führerschein oder kritische Personalentscheidungen werden von dieser Gruppe durchgeführt – mit absolut Null Relevanz (insbesondere bei Personalentscheidungen weiß ich wovon ich spreche!). Aber dem Bürger kostet diese Pseudowissenschaft viel Geld.
Dritter Grund ist die nahezu unendliche Macht dieser Gruppe. Nicht einmal ein bösartiger Richter kann einen Menschen so einfach völlig wegsperren lassen. Wie viele Fälle von Einweisung unberechtigt sind und wie oft eine Entlassung wegen 'Heilung' im Desaster endet, ist trotz strengster Geheimhaltung immer wieder Thema der Medien. Diese Gruppe hat leider einen Chorpsgeist wie die Humanmediziner, da wird wegen der Standesehre jede wissenschaftliche Arbeit ignoriert, zum weiteren Schaden des ohnehin schon Geschädigten.
Letzter Grund hat ja gerade traurige Aktualität (auch wenn bei uns wenig in den Medien). Psyche-aktive-Substanzen! Insbesondere die lockere Art wie das Teufelszeug unter die Menschheit gejubelt wird. Die Anzahl der Drogenjunkies auf Rezept ist unglaublich groß (laut Salzburger GKK rund 1/5 der Salzburger!). Dabei sind natürlich auch Ältere, passt gut zum eigentlichen Thema, welche einfach ruhiggestellt werden. Leider auch Kinder, welche vor einigen Jahren noch als 'lebendig' aber 'anstrengend' beschrieben worden wären.
Hier wird oft der Zustand: 'geheilt' diagnostiziert, in Wahrheit ist jemand ruhiggestellt und eine tickende Zeitbombe. In Kombination mit anderen Medikamenten oder Drogen (auch körpereigenen) dreht die Gemütslage in völlig abstruse Bereiche.
Schluß endlich werden Sie zugeben müssen, der gegenständliche Beitrag ist zwar schön formuliert, aber ohne wirklich neue Erkenntnisse – eben Gemeinplätze, das typische Resultat einer Pseudowissenschaft, mit vielen schönen (Fremd-)Worten, nichts Neues erzählen.
"Mir ist schon bewusst, daß sich auch die Psychologie langsam aufmacht eine Wissenschaft zu werden"
Lieber dssm,
mit dem obigen Satz, ebenso mit den von Ihnen angeführten negativen Beispielen stimme ich völlig überein. Der übermäßige, vielfach unnötige Einsatz psychologischer Betreuung auf der einen Seite, das Vortäuschen psychischer Defekte zur Erlangung persönlicher Vorteile auf der anderen Seite, der Abusus von Psychopharmaka und daraus resultierende schwerste Nebenwirkungen (ein Thema, zu dem ich auch den Studenten Geschichterln erzähle), lassen eine ganze Zunft in einem stark negativen Licht erscheinen.
Dennoch, wenn wir es nicht bei Phrasen (= BLABLA) wie "die Seele ist ein weites Land" belassen wollen und auch nicht dem Dualismus von Körper und Geist huldigen, so sollten wir anerkennen, daß zunehmend Wissenschafter auch im Fachgebiet Psychologie "messen was meßbar ist und das Unmeßbare meßbar machen".
Ein wenig dazu beizutragen, daß naturwissenschaftlich geprägte Ansätze in der Psychologie mehr an Bedeutung gewinnen, möchte auch dieser blog.
Sehr geehrte Frau Schuster,
wir sind völlig d'accord! Die Psyche des Menschen ist ein wichtiges Forschungsgebiet, denn, wie schon Mises richtig feststellte, ist ein klarer Zusammenhang zwischen Risiko und Erkrankung erkennbar – also muss es wohl die Psyche sein, welche die Gesundheit zum guten Teil 'steuert'.
Leider hatte bisher wohl eher Popper mit sein Einschätzung recht. Eine Falsifizierbarkeit der Ergebnisse der Psychologie ist einfach nicht möglich. Leider gibt es inzwischen eben viele gesetzlich vorgeschriebene Funktionen der Psychologie, hier werden Menschen einer Gruppe von Pseudowissenschaftlern ausgeliefert – dies muss dringend enden!
Genau so dringend wäre der sofortige Abbruch des aktuellen Studiums, abererkennen aller(!) Titel und der daraus folgenden Berufe und dann eine neue Forschungs- und Studienrichtung einrichten, am besten als Fachzweig der Medizin. Gerade die moderne Medizintechnik bietet hier ein weites Feld an Forschungsmöglichkeiten, welches ausserhalb Europas auch intensiv beackert wird.
Jedenfalls wären großartige Ergebnisse von dieser erneuerten Psychologie zu erwarten. Bisher hat, beispielsweise, Konrad Lorenz mehr zu den Erkenntnissen der menschlichen Psyche beigetragen, als alle Psychologen zusammen. Auch wenn manches inzwischen als fehlerhaft erkannt wurde, aber, Konrad Lorenz war Wissenschaftler und unterliegt daher der Falsifizierbarkeit.
Jedenfalls sehe ich nur die Möglichkeit eines radikalen Bruchs mit der Vergangenheit, sonst bleibt die Psychologie eine Pseudowissenschaft und verhindert damit in einem wichtigen Forschungsgebiet echte Ergebnisse und bleibt ein Diener der 'modernen' 'Wissenschaften' 'mit sozialer Verantwortung'.
Jedenfalls herzlichen Dank an die Redaktion des Blog für die Bemühungen in diese Richtung und die Bitte an die Mitblogger hier eifrig sich einzubringen!
Es gibt selten Gelegenheit in diese, für uns real gefährliche, Materie einzudringen.
Naja, Pseudowissenschaftler über Fr. Kryspin-Exner zu sagen ist kühn! Vorigen November habe ich mein Psychologie-Studium an der Uni Wien abgeschlossen und hatte ein paar Jahre davor selbst die Gelegenheit, Frau Kryspin-Exner in der Vorlesung zu Klinischer Psychologie zu hören. Und da konnte ich einen völlig gegenteiligen Eindruck gewinnen.
Wie Frau Schuster schreibt, finde ich auch den Artikel durchaus gut für Laien verständlich. Allerdings driftet er doch auch öfter in unangenehm akademische Formulierungen ab ("multidimensional", "multimodal", "multikausal", ...), die bestimmt schöner, leichter verständlich, und mit weniger Buzzword-Bingo zu schreiben gewesen wären. Teilweise hat Fr. Kryspin-Exner das ja auch gemacht.
Mein Erststudium ist übrigens Elektrotechnik, also reine Technik und Naturwissenschaft. Mein Eindruck über das Psychologiestudium im Vergleich dazu ist, dass die Professoren riesige Angst haben, nicht als wissenschaftlich genug angesehen zu werden. Daher bemühen sich viele Professoren ganz besonders, naturwissenschaftlichen Normen gerecht zu werden (Falsifizierbarkeit, empirische Forschung, statistische Verfahren). Aber es bleiben trotzdem etliche Scharlatane übrig, allerdings größtenteils außerhalb der Universität Wien, insbes. Vertreter der Psychoanalyse und ähnlicher Psychotherapieformen, Gender-"Forscher", und auch ein paar politisch agierende Professoren. Und es gibt leider auch ein paar schwarze Schafe, die nur die "Schaffung" neuer Arbeitsplätze für Ihresgleichen im Sinn haben.
Insgesamt ist mein Eindruck vom Gebiet der Psychologie aber sehr wohl wissenschaftlich und seriös.
Fr. Kryspin-Exner ist lt. Autorenprofil Psychotherapeut mit Schwerpunkt (kognitive) Verhaltenstherapie. Das ist jene Therapieform, die sich am stärksten an wissenschaftlichen Standards und Erkenntnissen orientiert (im Gegensatz zur Psychoanalyse, die noch immer diesen Schmarrn von "psychosexueller Entwicklung", "analem Charakter", "Über-Ich", ... verbreitet).
@Johann Glaser
Ich kann Ihnen dazu nur vollkommen recht geben!
Als wir an der Uni Wien studierten, waren die naturwissenschaftlichen Fächer an der philosophischen Fakultät untergebracht, d.h. der Doktortitel war an die Ablegung des Philosophicums - Rigorosen in Philosophie und Psychologie - geknüpft. Während wir die Philosphie-Vorlesungen spritzten (nicht zum Aushalten - der unendlich fade Gabriel, der eine Stunde lang über den sitzenbleibenden Sokrates brabbelte), besuchten wir doch mehrmals die für Naturwissenschafter höchst interessanten Vorlesungen des Psychologen Hubert Rohracher.
Rohracher, promovierter Philosoph und Jurist, hatte bereits in den 30er Jahren begonnen psychologische Phänomene auf eine experimentelle Grundlage zu stellen. Dazu studierte er auch Anatomie und Physiologie des Nervensystems und führte später – in Zusammenarbeit mit der TU Wien - Experimente zu Zusammenhängen zwischen elektrochemischen Gehirnvorgängen und psychischen Prozessen durch. Nach seiner –voll naturwissenschaftlich geprägten Meinung – basiert psychisches Erleben auf der Grundlage hirnphysiologischer Vorgänge. (Dazu hat er auch mehrere Bücher geschrieben). Die Psychoanalyse hat Rohracher abgelehnt.
Wo sonst, als in einem science-blog, sollte man naturwissenschaftlich-basierte Psychologie und ihre Abgrenzung zu Woodoo diskutieren?