Spritpreisdatenbank international umstritten drucken

Die Meinungen über eine öffentlich zugängliche Spritpreis-Datenbank sind geteilt. In Österreich hat sich ein entsprechendes Modell nun einmal eingebürgert, es gibt im Schnitt etwa 20.000 Aufrufe der einschlägigen Datenbank bei der E-Control. Selten gibt es Beschwerden; wer sich nicht an die vorgegebenen Regeln hält, könnte bestraft werden (dafür zuständig sind die Bezirkhauptmannschaften). Von Verurteilungen ist aber nichts bekannt. Ein Wiener Tankstellenbetreiber lässt den Spritpreisrechner allerdings vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) überprüfen. Er erachtet sich in den Grundrechten auf Eigentum und Erwerbsfreiheit verletzt und beklagt, dass die Regelungen unklar und gleichheitswidrig seien. Die Verfassungsrichter nehmen die Beratungen dazu in der Dezember-Session (bis 14. Dezember) auf.

Im benachbarten Ausland hat es ähnliche Überlegungen gegeben, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. In Deutschland ist ein ähnliches Modell in Vorbereitung. Südtirol hat sich ebenfalls dafür interessiert und wollte für die Installierung die heimische E-Control gewinnen. Diese wollte aber nicht.

In der Schweiz hat es auch Überlegungen gegeben, die allerdings auf breite Ablehnung gestoßen sind – es wird von einer völligen Überregulierung gesprochen. Sowohl der Automobilclub der Schweiz (ACS) als auch der Touringclub der Schweiz (TCS) finden eine Meldestelle für Treibstoffpreise unnötig. Das sei unnötige Bürokratie. Einer staatlichen Meldestelle würde man nur zustimmen, wenn diese mit keinem zusätzlichen Aufwand für die Tankstellenbetreiber verbunden wäre oder der Aufwand für das Übermitteln der Daten abgegolten würde. Auch die Schweizer politischen Parteien können sich für diesen Gedanken nicht erwärmen. Das entspreche einfach nicht der freien Marktwirtschaft. Wenn der Staat eine Meldepflicht einführe, müsse er auch die Einhaltung kontrollieren, was unnötig teuer werde.

Auf taube Ohren stößt man auch bei der Schweizer  Erdölvereinigung. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine solche überflüssige Regulierung. Die mehr negative als positive Auswirkungen hätte. Der befürchtete Benzintourismus würde unökologische und unwirtschaftliche Fahrten fördern. Die Erfahrungen aus Österreich würden zeigen, dass die Treibstoffpreise seit der Einführung der Kontrollstelle nicht dauerhaft signifikant gesunken sind.

Das können sie auch nicht, denn das heimische Preisniveau ist, im Vergleich zur Schweiz, ungleich niedriger. Durch den anhaltenden Wettbewerb pendeln sich die Nettopreise (also ohne Steuern) in Österreich auf einem rekordverdächtig tiefen Niveau ein. In der EU gibt es kein Land, wo so wenig verdient wird wie in Österreich. Lagen die Nettopreise Anfang Oktober in Deutschland bei Benzin noch um zwei Cent und bei Diesel um drei Cent höher als in Österreich, so beträgt der Abstand derzeit bereits acht bzw. fünf Cent. Das heißt, in Österreich ist weit weniger zu verdienen als beim deutschen Nachbarn.

Meldungen von Boulevardzeitungen, wonach vor Weihnachten wieder ein „Abzocke“ bei den Treibstoffpreisen erfolgen werde, sind bar jeder Realität.

Dieter Friedl ist Österreichs führender Energie-Journalist. Er gibt 14-tägig den unabhängigen elektronischen „Energiedienst“ heraus, der unter der E-Mail Adresse kontakt@elisabethgall.at abonniert werden kann. Der „Energiedienst“ informiert über alle Energiefragen.

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  1. GOP
    16. Dezember 2012 11:59

    Es lohnt sich nur dann, eine "günstige" Tankstelle anzufahren, wenn diese ohnedies an bzw. knapp neben der vorgesehenen Fahrtstrecke liegt, denn bei z.B. 5 Kilometer "Umweg" ist die mögliche Ersparnis wieder aufgefressen.
    Ich habe auch festsgestellt, dass sich manche Tankstellen (z.B. Avanti-Automatik) nicht an die gesetzliche Vorgabe halten, den Verkaufspreis im Laufe des Tages nicht hinaufzusetzen.

  2. Der Zweifler
    14. Dezember 2012 14:49

    In Österreich liegen die Spritpreise nicht nur generell unter denen vergleichbarer Nachbarländer, auch die Konkurrenzsituation zeigt eine sehr starke Schwankungsbreite bei den Endverbraucherpreisen.
    Sowohl die Hofer-Trading/Friesacher- als auch die mittlerweile der OMV gehörenden AVANTI-Tankstellen sind zu Preisführern geworden und drücken auf das Preisniveau.

    Ich benutze regelmäßig die Preisfinder-Homepage des ÖAMTC und da kann man derzeit festellen, dass der Dieselpreis zwischen 1,30 und 1,59 schwankt. Nirgendwo in Europa kann man derartig große Schwankungen feststellen. Das ist gut für mich und die Konsumenten, ich kann bei der Wahl einer Tankstelle aus einem großen Angebot wählen und sehr preisgünstig tanken.
    Für die Betreiber und Pächter sieht die Situation natütlich anders aus, hier können nur zusätzliche shops und Angebote ein Überleben sichern.

    • Observer
      16. Dezember 2012 11:53

      Man muss bei den im Internet abrufbaren Daten zwischen den "freiwilligen" (ÖAMTC, ARBÖ) und "gezwungenen" (Regulator) Meldungen unterscheiden.
      Tatsache ist, dass sich am oberen Ende - 5 bis 10 % über dem Durchschnitt - meistens die Autobahntankstellen sowie jene, welche in entlegenen Orten (ohne spürbarerm Wettbewerb) liegen. Am unteren Ende - maximal 5 % unter dem Durchschnitt - sind meist die sog. Automatentankstellen (ohne Personal und Bargeld).
      Die Pächter von Markentankstellen haben keinen Einfluß auf die Verkaufspreise, meistens werden diese ferngesteuert von den jeweiligen Zentralen verändert. Andererseits gibt es nach wie vor einen intensiven telefonischen aber verbotenen Informationsaustausch auf lokaler Ebene, wo dann die "preisführende Zentrale" (meist OMV) über die Aktivitäten mancher "Ausreißer" informiert wird und entsprechend reagiert. Im grenznahen Bereich werden zur Preisfestsetzung auch die Tankstellenpreise in den angrenzenden ausländischen Gebieten herangezogen. Den Pächtern bleiben oft weniger als 2 Cent pro Liter, daher machen sie schon mehr Umsatz mit anderen Produkten (z.B. Lebensmittel mit überhöhten Preisen) und Buffets. Allerdings sind sie durch Knebelverträge gebunden, wo und zu welche Preisen sie diese Waren einkaufen müssen.

      Seit Jahren gibt es in Ö ein Ost-West-Preisgefälle, welches mit den erhöhten Distributionskosten begründet wird. Dies ist aber nur ein Märchen, genauso wie der Rotterdamer Spotmarkt als Begründung für plötzliche Preiskorrekturen nach oben erwähnt wird. Tatsächlich kaufen alle Händler aber über langfristige Verträge, sodass dieser "freie Markt" keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft ausübt. Schliesslich darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Tankstellenkonzerne immer über die extrem kleinen Margen in der letzten Verteilstufe jammern, aber noch genug Gewinne bei Förderung und Raffinerie im eigenen Konzern erwirtschaften.
      Der Fairness halber muss aber auch noch gesagt werden, dass beim internationalen Preisvergleich alle Steuern und Abgaben abgezogen werden sollten, da wird sich dann schnell herausstellen, dass mehr als die Hälfte der Teibstoffpreise an das Finanziministerium gehen.

    • Der Zweifler
      16. Dezember 2012 13:56

      @observer
      Gehe konform mit fast allen Ihren Aussagen, vor allem die Preisbindung an den Spotmarkt ist ein fieser Trick, das wäre so als würden die Bäcker den Preis der Semmeln an die Weizennotierung an der Chicagoer Warenbörse binden!

      Beim Ost-Westgefälle gab es zuletzt aber schon etwas Bewegung. Durch den Markteintritt von Hofer/Friesacher wurde plötzlich Salzburg relativ günstig. Und auch in Oberösterreich kann man in grenznahen Tankstellen (z.B. Schärding/Braunau) recht günstig tanken, dort ist Jet der Preisführer.
      Offensichtlich spielt der Tanktourismus aus Bayern dort eine wichtige Rolle , je günster der Preis umso mehr locken auch größere Entfernungen zu einer Tankfahrt nach Österreich!

    • Observer
      16. Dezember 2012 16:05

      Der Zweifler:
      Ich möchte mich korrigieren: sowohl ÖAMTC als auch ARBÖ haben sich nun mit E-Control verlinkt, daher braucht man dort nicht mehr die telefonischen Preismitteilungen von Informaten.
      Ein generelles Ost-Westgefälle von ca. 5 Cent pro Liter Treibstoff besteht aber weiterhin, welches sogar von den Hofer-Friesacher-Tankstellen eingehalten wird. Bezüglich der Grenznähe zu Bayern (und auch Schweiz) erfolgt die Preisgestaltung so, dass es sich für die für die Bewohner von Freilassing, Passau, Lindau, St. Gallen usw. immer noch lohnt, in Österreich zu tanken. Also werden die Preise grossteils den lokalen Gegebenheiten angepasst, von den Konzernen kein Durchschnittspreis verlangt sondern - auf das gesamte Bundesgebiet bezogen - ein Durchschnittsgewinn erzielt.
      Übrigens: Avanti ist gänzlich im Eigentum der OMV und wird als "Billigschiene" vermarktet, wobei man gleichzeitig (wie z.B. beim Billakonzern) die Preise der Hauptmarke etwas höher ansetzt. Da die meisten Avanti-Tankstellen nun auf personallose Selbstbedienung umgestellt wurden bzw. werden, nimmt man gerne das kleine Agio der Banken für die Kartenbezahlung (Kredit- und Bankomatk.) in Kauf.






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