Wenn die Demokratie zusammenbricht drucken

Kritik an der Demokratie zu üben ist unserer Tage ein gefährliches Unterfangen. Wer nicht für die Demokratie ist, der befürwortet die Diktatur, so die platte Sicht der über die Deutungshoheit gebietenden Systemapologeten. Etwas uneingeschränkt Gutes, zu dem es weit und breit keine Alternative zu geben scheint, zu hinterfragen, verwirklicht den Tatbestand der Blasphemie und disqualifiziert jeden Kritiker auf der Stelle. Eine Buchempfehlung.

Die beiden Autoren, der Journalist Carel Beckmann und der Vorsitzende der holländischen „Stiftung für mehr Freiheit“, Frank Karsten, fassen den Inhalt ihres Buches im Untertitel kurz und bündig zusammen: „Warum uns das demokratische Prinzip in die Sackgasse führt“. Anliegen der Autoren ist es, das Wesen der Demokratie als das einer „säkularen Religion“ zu entlarven und zu diesem Zwecke mit systemrelevanten „13 Mythen“ aufzuräumen.

Wie viele „Radikalliberale“ auch, betrachten die Autoren die Demokratie als „kollektivistisches System“, als „Sozialismus durch die Hintertür“. Und in der Tat: Dass Demokratie, deren zentrales Mantra „Mitbestimmung“ lautet, mit Freiheit und Selbstbestimmung wenig zu tun hat, liegt auf der Hand, sobald klar wird, was die „Durchflutung aller Lebensbereiche mit Demokratie“ in der Praxis bedeutet: Die totale Unterwerfung jedes, auch des intimsten, Lebensbereiches unter den Willen des ebenso allwissenden wie allmächtigen Kollektivs und/oder dessen Agenten.

In unterhaltsamer Form zerpflücken Karsten und Beckmann die Glaubenssätze des demokratischen Systems. Der „jede Stimme zählt“-Mythos etwa, wird als Manifestation des „Stockholm-Syndroms“ erkannt. Der in Wahrheit ohnmächtige Wähler wird von der herrschenden Nomenklatura in der Illusion gewiegt, er könne mit seiner Teilnahme am Wahlritual tatsächlich etwas bewegen. So kollaboriert er mit seinen natürlichen Widersachern und Ausbeutern und lernt diese am Ende sogar noch zu lieben…

Der „in einer Demokratie herrscht das Volk“-Mythos wäre durch nichts nachhaltiger zu entzaubern gewesen als durch den seit Jahren aufgeführten Eiertanz um Griechenland und Eurorettung. Obwohl klare Wählermehrheiten in Deutschland und Österreich die einschlägige Politik der EU ablehnen, wird diese von den Regierungen beider Länder nach Kräften unterstützt. „Volksherrschaft“ sieht anders aus.

Das Mehrheitsprinzip (das den „Willen von 51 Prozent“ automatisch in Recht transformiert) wird so erläutert: „In der Demokratie werden moralische Erwägungen durch den Willen der Mehrheit übertrumpft (…) Die Anzahl der Menschen, die etwas wollen, setzt Erwägungen der Moral und der Rationalität außer Kraft.“ Die Erwartung, auf Kosten anderer einen Vorteil aus der Wahl einer bestimmten politischen Partei zu ziehen, ist das stärkste Motiv der meisten Wähler.

Der Mythos, wonach Demokratie zu Wohlstand führt, wurde durch Beispiele wie China und Singapur massiv beschädigt. Nirgendwo auf der Welt war –  in Abwesenheit demokratischer Rechte – jemals eine dramatischere Steigerung des Lebensstandards zu verzeichnen als ebendort. Die These der Autoren, wonach sich die Bürger westlicher Länder trotz – und nicht wegen – der Demokratie großen Wohlstands erfreuen, hat daher einiges für sich.

Die Behauptung, wonach es zur Demokratie keine (bessere) Alternative gebe, wird als „Mythos 13“ abgehandelt. Auf den Punkt gebracht: „Die Alternative zum demokratischen Kauf eines Autos ist nicht ein Diktator, der das Auto für sie kauft, sondern Sie, der sie das Auto für sich kaufen.“ Oder, grundsätzlicher formuliert: Selbstbestimmung ist die Alternative zur (Illusion von) demokratischer Mitbestimmung.

Dass demokratische Systeme eine inhärente Neigung zur Zentralisierung aufweisen, ist evident. Die einst föderativ und dezentral organisierten USA sind zu einem von Washington aus dirigiertem Moloch geworden. Auf demselben Weg befindet sich die EU. Insbesondere linke Politiker machen keinerlei Hehl aus ihrem Wunsch zur Errichtung von zentral geführten „Vereinigten Staaten von Europa“. Dass dieser Prozess mit einer uferlosen Machtakkumulation in der Brüsseler Zentrale und mit einer weiteren Entrechtung der Bürger einhergehen muss, ist offensichtlich. Folgerichtig nehmen die Vorstellungen von Carsten und Beckmann eher am Bespiel der dezentral verfassten Schweiz Maß.

Nach der herben Kritik am Status quo wird am Ende des Buches die freie Privatrechtsgesellschaft als Alternative vorgestellt, die sich am organisatorischen Vorbild des Internets orientiert. Das „Credo“ dieser Gesellschaft lautet, sie sollte „auf Verträge gegründet sein, in denen Rechte respektiert werden und alle Parteien wissen, woran sie sind.“

Der Weg dahin soll auf pragmatische Weise beschritten werden. Kein gewaltsamer Umsturz, sondern der systematische Rückbau des Staates ist das Ziel. Die meisten der von ihm angeeigneten Aufgaben können – mit Gewinn für alle (außer die Monopolrentner) – mit kurzen Übergangsfristen in Privathände übergeben werden. Der Umstand, dass der Staat etwa Bildung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, usw. seiner totalen Kontrolle unterworfen hat, liefert ja in jedem diese Fälle die Ursache für Misswirtschaft, Fehlfunktionen, Korruption und Geldverschwendung.

Die im Realsozialismus unserer Tage verpönte „Diskriminierung“ wäre in einer Privatrechtsgesellschaft das selbstverständliche Recht jedes einzelnen. Das Prinzip der Freiheit bedeutet nämlich, dass jedermann seine Vertragpartner frei wählen kann und folglich kein Vertrag ohne Willensübereinkunft zustande kommt. Kontrahierungszwang ist der Privatrechtsgesellschaft unbekannt…

Leser, die mit der Theorie der „Österreichischen Schule“ vertraut sind, werden in dem Buch wenig Neues finden. Allen anderen dagegen werden darin erfrischende, bisweilen auch verstörende, Denkanstöße geboten.

Wenn die Demokratie zusammenbricht
Frank Carsten, Karel Beckmann
Finanzbuchverlag 2012
189 Seiten, broschiert
ISBN978-3-89879-712-2
€ 14,99,-

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorMarkus Theiner
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    15. November 2012 12:32

    Dass die Staaten sich heute zu viele Kompetenzen zusprechen ist zwar richtig, bedeutet aber nicht, dass man überhaupt keinen Staat braucht. Auch hier gilt im weitesten Sinne Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.
    Es gibt gewisse Aufgaben, für die ein Staat gebraucht wird. Wenn Verträge nicht durchsetzbar sind, oder nur für den durchsetzbar sind der die meisten treuen Schergen hat, dann wird die Zivilgesellschaft nicht funktionieren. Dass sich in einer freien Welt alle an die selben Moralvorstellungen halten und man deswegen garnicht erst zu Streitereien kommt, die zu beheben wären, ist doch etwas gar naiv.

    Sobald man aber einen Staat hat muss der auch Entscheidungen treffen. Und da gibt es tatsächlich relativ wenig überzeugende Alternativen für das demokratische Prinzip, auch wenn man bei der Ausgestaltung immer noch viel falsch machen kann. Dass der Wähler keinen Einfluss auf die Politik hat ist jedenfalls unsinn. Selbst in den schlimmsten Fällen von indirekten Demokratien ist der Einfluss nur verwässert, nicht aber komplett entfallen. Die Ablehnung gegen bestimmte Maßnahmen ist halt immer noch für eine Mehrheit nicht groß genug um die jeweiligen Parteien nicht mehr zu wählen.

    Das demokratische Prinzip ist in den modernen Staaten westlicher Prägung aber aus gutem Grund nur eines von mehreren Prinzipien. Vor allem muss man noch das rechtsstaatliche und das libertäre Prinzip berücksichtigen, die ja von ihrem Ansatz her gerade die Probleme mit der Demokratie einschränken sollen. Die Menschenrechte sind ja - zumindest ihrem Ansatz nach - Abwehrrechte gegen den Staat. Der Staat ist für bestimmte Bereiche nicht zuständig und deswegen endet da auch die Demokratie.
    Dass nach unserer Verfassung die Demokratie über solchen Prinzipien steht (Gesamtänderung der Verfassung) kann man dementsprechend kritisch sehen, eine Verteidigung solcher Prinzipien gegen entsprechend große Mehrheiten wäre allerdings auch praktisch kaum durchführbar.
    Auch wenn wir die Staaten abschaffen hätten wir ja das gleiche Problem: Wenn ein Demagoge einer Mehrheit einredet, dass die Minderheit unmoralisch handelt und bestraft gehört, dann wird die Minderheit sich kaum durchsetzen.

    Fazit: Die Probleme mit der Demokratie sehe ich wohl, aber ein überzeugendes Gegenmodell hab ich halt noch nicht gefunden. China ist zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber von liberalen Idealen halt doch recht weit entfernt. Und das Internet bringt so schon haufenweise Probleme. Eine ganze Gesellschaftsordnung darauf aufbauen würde ich nicht wollen.

  2. Ausgezeichneter KommentatorS.B.
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    14. November 2012 19:40

    Die europäische, geistige Elite hat sich längst vom Konstrukt der "Vereinigten Staaten von Europa" verabschiedet. Diese Idee spukt nur noch in ideologisch unverbesserlichen, linken Gehirnen herum.

    Empfehle dazu das Buch von Hermann Lübbe:
    "Abschied vom Superstaat" (Die Vereinigten Staaten von Europa wird es NICHT geben)

  3. Ausgezeichneter KommentatorRR Prof. Reinhard Horner
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    14. November 2012 16:13

    reinhard.horner@chello.at

    Dauerplädoyer aus und zu selbstverschuldeter Unmündigkeit

    Wieder kommen wir in den Genuss der Agitation für eine „elitäre“ Anhängerschaft, der es in prononciert privatisiertem Lebenszuschnitt gelingen soll, sich über möglichst viele untergeordnete Menschen zu erheben.

    Dies mittels einer Lebensführung, die alle Rechte und die Vorzüge der aktuellen Lebensumstände selbstverständlich in Anspruch nimmt, die Pflichterfüllungen , die gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beitragsleistungen, hingegen der Freiwilligkeit (der Beliebigkeit, dem individuellen Gutdünken) vorbehalten haben möchte.

    Dies durch Schaffung plutokratischer Vorteile gemäß der alles leitenden Werthaltung: „Wer zahlt, schafft an!“ (A. Tögel am 08.08.2012) Oder sein Halbbruder im Geiste F. Stronach: „Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln.“*)

    Dies durch Zerstörung der Demokratie und den „Rückbau des Staates“.

    Dies mit der albernen Vortäuschung, es gebe in der globalisierenden „Welt der Menschheit von 7 Milliarden plus“ eine „freie Privatgesellschaft als Alternative“.

    Aus der eigenen Demokratieunfähigkeit, der gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Minderwilligkeit heraus sollen Menschen in „die selbstverschuldete Unmündigkeit“ rückgeführt werden – mit der Unterscheidung solcher Leute, die in einem Biotop „privat“ vorzüglich Erfolgreicher agieren, und den Anderen, die außerhalb, die mehr noch unterhalb verfügbar bleiben sollen. Jedenfalls soll die Persönlichkeitsstörung jener „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ in Abhängigkeiten und Gegenabhängigkeiten möglichst weite Verbreitung finden.

    *) Im privatistischen und plutokratischen Biotop herrscht obendrein die Täuschung, als Idioten (in der altgriechischen Bedeutung) leben zu wollen, in Wahrheit aber erfolgreiche Vormacht auszuüben, darauf nicht zu verzichten.

    Es ist wohl damit zu rechnen, dass die Agitation dieses Pyramidenspiels hier noch länger fortgesetzt wird.

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  1. machmuss verschiebnix
    19. November 2012 23:43


    Dieses "Selbstbestimmung ist die Alternative" beruht auf ziemlich genau demselben
    Denkfehler, wie der Sozialismus - es setzt einen "neuen Menschen" voraus, den es
    als "natürliches Vorkommen" fast nirgends gibt (!)


    Daß die Selbstbestimmung bei diversen schweizer Volksentscheiden so erstaunlich
    treffsichere Ergebnisse bringt, hängt mit der christlichen Durchdringung des
    "Volkskörpers" zusammen (Begriff unter Hochkomma, zwecks besserer Hervorhebung
    der neurotisierten Sinn-Entstellung).

    Das Christentum ist unbestreitbar das einzige Wertesystem, welches dort wo es
    wirklich gelebt wird (und nicht als Vorwand für Greueltaten benutzt wird) für
    das Kollektiv einen unbezahlbaren Vorteil bringt: R E C H T S S I C H E R H E I T
    Eine Rechtssicherheit, die man nicht einklagen muß, sondern die man selber dem
    anderen als quasi Vertrauens-Vorschuß für jegliche Art des Interagierens beisteuert.

    Alle Ideologien und Dogmen, die jemals auf diesem Planeten gescheitert sind, tun
    dies aufgrund der Schwächen menschlichen Naturells, während aber das Weiterbestehen
    des Christentums ganz und gar aus den im Menschen schlummernden positiven Kräften
    gespeist wird (der Leser bedenke jedoch, woraus derzeit das Weiterleben der Kirche
    gespeist wird, und in welche Richtung "politische Korrektheit" zwangsläufig führen
    muß).

    Die Naturrechts-Lehre, deren zentraler Lehrsatz noch nie von irgenwem widerlegt
    werden konnte, und der genau deswegen von jeher der Lächerlichkeit preisgegeben
    wird, ( "Was Du nicht willst, daß man Dir tue, das füge auch keinem Anderen zu"),
    ist keine Spinnerei, sondern DIE LÖSUNG für so "lächerliche Problemchen" wie ein
    durch und durch korrumpierter Staat.


    Überall, wo das gelebt wird, würde ein Richterstaat vollauf Genüge tun,
    wo aber nicht, da tun es auch die ausgefuchstesten Systeme nicht, weil die ja
    dann selber schneller korrumpieren, als man sie stürzen könnte.


    PS:
    den ob meiner Zeilen hier Erbosten sei gesagt: die "politische Korrektheit"
    gab es zu allen Zeiten, sie führte zu so gleichgeschaltetem "Rechtsempfinden"
    wie Hexenverbrennung ....

    .

  2. RR Prof. Reinhard Horner
    16. November 2012 14:30

    reinhard.horner@chello.at

    Dauerplädoyer aus und zu selbstverschuldeter Unmündigkeit 2

    Sehr geehrter Herr Ing, Tögel!

    Der von Ihnen so liebevoll als „RR Prof. Pawlow“ Bezeichnete darf sich herzlich bedanken. Soll er dem Professor gleichen oder eher dem Hund? Beides kein Problem.

    Selbstverständlich ist klar, dass das Pyramidenspiel mit persönlicher, gesellschaftlicher, politischer, kultureller und teilweise auch wirtschaftlicher Antienergie unkontrolliert fortgesetzt werden sollte. Bei jedem Pyramidenspiel stören Aufdeckungen.

    Bei jedem noch so abstrusen Pyramidenspiel nützen ständige Fortsetzungen der Agitation, ob mit Eigendarstellungen (z, B, „Wer zahlt, schafft an!“) oder mit Buch-Rezensionen. Deshalb habe ich ja vorausgesagt, dass sie ungebremst fortgeführt werden wird.

    Nun könnte man davon ausgehen, niemand mit Hausverstand auf der Höhe der Zeit werde auf ein solches Pyramidenspiel hereinfallen. Dass es im Werben für Anhängerschaft trotzdem betrieben wird, sollte der kritischen Aufmerksamkeit nicht entraten. Dies auch, wenn die zugrunde liegende Haltung und die sattsam bekannten obsoleten Argumentationen – einzeln und im Syndrom – eben unschwer durchschaubar sind. Ebenso die krassen Widersprüche im in Anspruch nehmenden und im pflichtenflüchtigen Verhalten.

    Allerdings ist interessant, wie derartige „revolutionäre“ (= rückwälzende) Versuche immer wieder auftreten und aktuell die Anforderungen der globalisierenden „Welt der Menschheit von 7 Milliarden plus“ völlig zu ignorieren trachten, sodass eine gesellschaftliche, politische, kulturelle und teils auch wirtschaftliche „Hohlwelttheorie“ einige Anhänger findet.

    Sehr geehrter Herr Ing. Tögel, dass ich Ihnen in Ihren Absichten keinen Dienst erweisen kann, tut mir herzlich leid. Möchten Sie in Hinkunft ignoriert oder nur kurz abgefertigt werden?

    Mit freundlichen Grüßen

    Reinhard Horner - Pawlow

    • Andreas Tögel
      17. November 2012 07:57

      Sehr geehrter Herr Prof. Horner,
      keinesfalls lag es in meiner Absicht, Sie zu beleidigen, soviel vorab. Pawlow kam mir deshalb spontan in den Sinn, weil Ihre Kritk an meinen Beiträgen stets auf dieselben Vorwürfe hinausläuft, zu denen ich bereits mehrfach Stellung genommen habe. Pyramidenspiele werden derzeit in größtem Stil von den Regierenden veranstaltet, ganz bestimmt aber nicht von mir gefordert. Dieser - neue - Vorwurf ist geradezu grotesk.

      Zu entscheiden, wie Sie auf meine künftigen Beiträge einzugehen gedenken, ist allein Ihre Sache. Ich habe diesbezüglich keine Präferenzen...;-)
      Mit freundlichem Gruß,
      A. Tögel

  3. Max Carl (kein Partner)
    15. November 2012 22:30

    Herr A. Tögel,

    ich hätte ein paar Fragen zur genannten Privatrechtsgesellschaft. Mir ist das etwas zu diffus.
    Sie schreiben: "Die meisten der von ihm angeeigneten Aufgaben können [...] mit kurzen Übergangsfristen in Privathände übergeben werden."

    Welche sind das und vor allem: Welche sind es nicht? Gibt es den Staat noch und wenn ja: Hat er noch ein Gewaltmonopol? Dieser Punkt scheint mir überhaupt der Interessanteste zu sein. Ich möchte einfach nur verstehen wie der Autor des Buchs oder Sie das sich vorstellen.

    • Andreas Tögel
      16. November 2012 07:26

      Sehr geehrter Herr Carl,
      innerhalb des Lagers der Libertarians gibt es zwei Positionen: Die der "Minarchisten", die einen Staat anstreben, der sich nur um Kernaufgaben kümmert (Sicherheit nach innen wie außen und Justiz - Lasalle nannte dieses Konzept einst abschätzing "Nachtwächterstaat") und die Anarchisten, die einer staatsfreien Privatrechtsordnung den Vorzug geben (zu denen die beiden Autoren und meine Wenigkeit gehören).

      Das nach Ansicht der "Privatrechtler" in einer"minimalstaatlichen" Ordnung bestehende Problem ist, daß es - ist der Staat als Machtmonopolist und Letztentscheider mit Besteuerungsprivileg erst einmal da, keine (legale) Möglichkeit mehr gibt, sein Wachstum zu begrenzen. Noch jede zunächst minimalsstaatliche Ordnung (wie etwa die der USA nach deren Sezession von England), ist über kurz oder lang zu einer maximalstaatlichen entartet. Selbst in der vergleichsweise vorbildlichen Schweiz ist der Trend zu immer mehr Staat (an stetig steigenden Steuerquoten ablesbar) unübersehbar. Krebs kann man nur besiegen, indem man ihn total eliminiert. Ihn mit konservativen Methoden nachhaltig in Schach zu halten, funktioniert nicht. Das gilt auch für den Staat.

      Dem Konzept eines "territorialen Machtmonopolisten" wird daher die Idee einer sozialen Ordnung entgegengesetzt, die miteinander konkurrierende Sicherheits- und Rechtsagenturen vorsieht. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Übertragung des zwischen den einzelnen Staaten herrschenden ("anarchischen") Miteinanders auf die darunter liegenden Ebenen. Als Ergebnis wäre vermutlich die Herausbildung von kleinen bis mittelgroßen "Gated Cummunities" zu erwarten, in welchen sich jeweils gleich Gesinnte zusammenschließen, die sich auf bestimmte Regeln einigen. Da die egalisierende und nivellierende Wirkung staatlicher Regulative wegfiele, wäre als Ergebnis jedenfalls eine (auf einem konventionellen, linear dargstellten Politikschema) weiter rechts stehende Ordnung zu erwarten - mit starker Betonung traditioneller Werte wie Familie, Ehre, Treue, Fleiß und persönlicher Leistung. Niedrige Zeitpräferenz und starke Nachhaltigkeitsorientierung wären die logischen Folgen - nichts also für linke Taugenichtse und Sozialparasiten...;-)

      Eine detaillierte Darstellung des Konzepts würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Um einen etwas besseren Eindruck davon zu bekommen, was gemeint ist, erlaube ich mir, z. B. die Lektüre von Hans-Hermann Hoppes Bestseller "Demokratie, der Gott der keiner ist", in dem er das Konzept einer solchen Ordnung skizziert, zu empfehlen.

      Zum besseren Verständnis der Konzepte Minimalstaat vs. Privatrechtsordnung hat Robert Nozick ein hervorragendes Buch geschrieben: "Anarchy, State and Utopia" (er selbst präferiert den Minimalstaat).
      Ich verbleibe mit freundlichem Gruß,
      A. Tögel

    • Markus Theiner
      16. November 2012 08:28

      "Das nach Ansicht der "Privatrechtler" in einer"minimalstaatlichen" Ordnung bestehende Problem ist, daß es - ist der Staat als Machtmonopolist und Letztentscheider mit Besteuerungsprivileg erst einmal da, keine (legale) Möglichkeit mehr gibt, sein Wachstum zu begrenzen."

      Das ist so nicht richtig.
      Erstens gibts eine ganz einfache legale Möglichkeit: Parteien nicht wählen, die für ein solches Wachstum eintreten. Diese Möglichkeit hat aber natürlich nur die Mehrheit.
      Zweitens kann man aber auch sehr wohl eine Verfassung gestalten in der eine Ausweitung der Kompetenzen schlicht verboten ist. Dann ist legales Wachstum über diese Grenzen nicht möglich. Natürlich gibt es trotzdem keine effektive Möglichkeit das faktisches Wachstum zu begrenzen, wenn eine Mehrheit dahinter steht und schlicht und ergreifend die Verfassung geändert wird. Rechtlich ist das dann ein revolutionärer Akt und nicht Gesetzgebung, was aber das Ergebnis nicht besser macht.
      Nur ist das in einer Anarchie halt genauso. Wenn die Mehrheit die anarchische Gesellschaft schrittweise in einen Staat transformieren will, dann haben Sie in der Regel wenig faktische und keine rechtlichen Mittel das zu verhindern, deswegen...

      "Noch jede zunächst minimalsstaatliche Ordnung (wie etwa die der USA nach deren Sezession von England), ist über kurz oder lang zu einer maximalstaatlichen entartet."

      ...ist bisher auch noch jede nichtstaatliche Ordnung über kurz oder lang einer staatlichen gewichen. Wenn man denn solchen Wert auf historische Lehren zieht.
      Das Problem der Anarchie ist also dasselbe wie beim Minimalstaat: Sie ist nicht stabil, sondern entwickelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit (wenn man die Natur des Menschen zynisch betrachtet: mit Sicherheit) in die falsche Richtung.

      Jeder Demokrat weiß, dass die Demokratie ein schlechtes System ist. Aber ihr großer Vorteil ist, dass sie auch dann halbwegs funktioniert, wenn man nicht lauter tugendhafte Bürger hat.
      Wäre der Mensch edel, hilfreich und gut, dann würde sogar der Kommunismus funktionieren. Ist er aber nicht. Es wird immer Menschen geben, die ihre Interessen ohne Rücksicht auf die Interessen anderer durchsetzen.

      "Als Ergebnis wäre vermutlich die Herausbildung von kleinen bis mittelgroßen "Gated Cummunities" zu erwarten, in welchen sich jeweils gleich Gesinnte zusammenschließen, die sich auf bestimmte Regeln einigen."

      Wobei "Gated Communities" schon Minimalstaaten wären. Die "Einigung" auf Regelungen ist nichts anderes als eine Verfassung. Und schließt selbstverständlich Kompromisse ein. Besonders in den Generationen die nach den Gründervätern kommen, die das vorgefundene System entweder akzeptieren oder augenblicklich verlassen müssen (soweit zum Wert der Familie). Für diese Generationen ist völlig egal, ob der Gesellschaftsvertrag eine allgemein akzeptierte Fiktion ist oder vor Ewigkeiten tatsächlich mal ausgehandelt wurde.
      Und natürlich müsste die Gates Community auf irgendeine Art sicherstellen, dass jene Mitglieder die sich nicht an die vereinbarten (oder geerbten) Regeln halten zur Rechenschaft gezogen werden. Wo man entweder Gerichte gründet und die für Zuständig erklärt (Monopol), oder das den Bürgern selbst überlässt, also die Lynchjustiz freigibt. Sprich wenn ein Bürger zu dem Schluss kommt er wäre regelwidrig behandelt worden, dann schlägt er persönlich zu. Und wenn er der Meinung ist ein Vertrag wäre ungültig annuliert er ihn selber. Keinerlei Rechtssicherheit.
      Und natürlich stehen die Stadtstaaten miteinander im Wettbewerb. Und wenn eine große Gated Community mit einer kleinen im Streit liegt, raten sie mal wer sich durchsetzt, wenn es hart auf hart kommt. Und das würde es früher oder später. Je größer aber die Gates Community, umso mehr braucht sie komplexe Regeln und Spezialisierung. Und um mit anderen Gates Communities zu interagieren (etwa die Nutzungsrechte am Walde zwischen den beiden Städten aushandeln) muss die Gated Community nach außen Entscheidungen treffen können. Oder sie überlässt solche Dinge jedem Einzelnen, der dann halt gegenüber einer einheitlich auftretenden Community keine besonders starke Position hat.

      Und so weiter und so fort. Wir kommen von der Anarchie zu zumindest rudimentären Minimalstaaten sobald wir versuchen Zivilisation zu schaffen. Reine Anarchie ist mit Zivilisation nicht zu vereinbaren.
      Wohin die kleinen Stadtstaaten dann geführt haben kann man in jedem Geschichtsbuch nachschlagen. Sie wurden zu Staaten oder sind sang- und klanglos untergegangen.

    • wolf (kein Partner)
      16. November 2012 13:32

      Hallo Andreas,

      so trifft man sich also wieder.

      So hat also nun Tripple-H tatsächlich die libertäre Szene übernommen. Nun ja.
      Das Anarcho-Konzept des HHH funktioniert eben nur unter der angeführten Prämisse, der 'gated communities'. Diese jedoch ist eine, dem Wunschdenken HHH's entsprungene, Wunschvorstellung. Viel mehr ist zu erwarten, dass es zu (erst einmal) intellektuell sich konkurrierenden Systemen kommt, mit den folgenden Durchmischungen. Der historische Befund in Europa ist diesbezüglich eindeutig. Wo verschiedene Ethnien/Kulturen nebeneinander lebten, kam es zu eben dieser Durchmischung und das auch weitgehend friedfertig, solange nicht etwaige Community-Führer es sich anders überlegt haben, womit sich das NAA-Konzept selbst den ersten Todesstoß versetzt hat. Das Verhindern der Durchmischung könnte ausschließlich durch Verbote erzielt werden. Der nächste Stoß gegen das NAA.

      Walter Block hat den Hoppe schon vor 6, 7 Jahren gefragt, wie dieser auf diese obskure Idee kommt. Etwa so: "wenn es angeblich zur Natur des Menschen gehört, sich nur mit Gleichgesinnten in solch einer Community zusammen zu tun, wozu gab es dann - als historische Konstante - Vermischungsverbote?" Diese Frage dürfte also offensichtlich negiert worden sein.

      Außerdem ist wohl eher anzunehmen, dass derartige 'intellektuellen' Autarkiebestrebungen innerhalb kürzester Zeit zum Aussterben dieser Communities führen würden.

      Der Zusammenschluss diverser Communities ist gleichzeitig vorprogrammiert und wir wären innerhalb kürzester Zeit wieder dort, wo wir jetzt sind.

      Die Annahme eines moralisch motivierten Rechtsrucks ist völlig arbiträr. Außerdem nur machbar durch Beschneidung des persönlichen Selbsteigentums, etwa durch Schaffung(!) rechtlicher Grundlagen, die eine Ehe bevorzugen. (Ein Blick in die Geschichte scheint mir hier hilfreich, wobei ich davon abraten würde, mich im Bezug auf den historischen Befund bei HHH zu informieren, sein Buch strotzt nur so vor Fehlern und Halb-/Unwahrheiten, Raico assistiert hier gekonnt)
      . Außerdem waren diejenigen, von denen annähernd von einer sozialen 'gated communitiy' geredet werden kann, nämlich der Adel, alles andere als angetan von Ehe und Treue.

      Die, von manchen Libertären dem Adel angedichtete, reduzierte Zeitpräferenz überlebt den historischen Befund nicht, ohne den religiösen Impetus - der, wenn ich mich recht erinnere nicht in deinem Interesse liegt - ist sie ohnehin nicht denkbar. Was übrig bleibt sind niedrigere Steuern (und das auch nur, wenn man beide Augen zudrückt; das feudale Zehent-System ergab weil mehr, als den Zehent - zumindest für jene, die für Kirche und Staat arbeiten 'durften') und Steuerprivilegien.

      Alles in Allem läuft das HHHsche Anarcho-Konzept auf ein Gewalt-Regime ohne Rechtssicherheit hinaus, verbunden mit der Schaffung des Neuen Menschen von rechts. Wahrscheinlich gedenkt der Hans-Hermann, Teil der Elite zu sein. Na, wenn er sich da nicht ins eigene Fleisch schneidet.

      Klarerweise ist ein allgemeines DiskriminierungsRECHT mit Freiheit eher verbunden, das aber nur, wenn die Opportunitätskosten der Diskriminierung nicht sozialisiert werden. Das aber war durch die Geschichte hindurch der Fall. In einem tatsächlich privatrechtlichen System wäre das nicht der Fall, all jene, die sich darauf freuen seien gewarnt: Diskriminierung würde viel mehr kosten, als heutzutage.

      einen freundlichen Gruß,
      Wolfgang C.

    • Andreas Tögel
      16. November 2012 17:37

      Verehrter Herr Theiner,
      die von Ihnen empfohlene Strategie, Parteien nicht zu wählen, die dem Staatswachstum weiteren Vorschub leisten, scheitert schlicht an der Tatsache, daß es eine solche Partei nicht gibt. Wäre auch unlogisch, wenn Politfunktionäre ihren eigenen Futtertrog zertrümmern wollten. Doch selbst wenn es eine solche Partei gäbe, hätte sie schon allein deshalb keinen Erfolg, weil das Wesen der Demokratie ja darin besteht, die Bürgerschaft derart zu korrumpieren, daß sie stets meint, sich auf fremder Leute Kosten Vorteile herausschinden zu können. Eine "Sparpartei" hätte keine Wahlgeschenke (und keine potentiellen Opfer zwecks Ausplünderung) anzubieten und würde allein deshalb nicht gewählt werden...

      Daß die Demokratie ein großartig fuktionierendes System ist, erkennt man u. a. dran, daß sie so segensreichen Figuren wie A. Hitler, S. Allende, H. Chávez oder F. Hollande (und ganzen Horden anderer radikaler Linker) mühelos an die Spitze verholfen hat...

      Aber zur Klarstellung: ich verstehe mich weder als Missionar, noch geht es mir um Rechthaberei. Es liegt mir einfach daran, Kritik am Status Quo zu üben und mögliche Alternativen zu benennen. Solange mir Andreas Unterberger die Möglichkeit gibt, das in seinem Blog zu tun, werde ich auch hier nicht lockerlassen...;-)

      Vermutlich können wir leicht einen Konsens darüber erzielen, daß Monopole schlecht sind, wenn es um die Versorgung mit Benzin, Nahrungsmitteln, Bekleidung und Medikamenten geht. Jedermann wird einsehen, daß Monopole in diesen Bereichen (wegen des fehlenden Korrektivs der Konkurrenz) zu schlechten Leistungen und überhöhten Preisen führen. Welche Art von Logik ist aber dann, zugleich zu behaupten, daß für die Produktion von Sicherheit und die Tätigkeit als Streitschlichter ein Monopol plötzlich das einzig Wahre sein soll?

      Servus Wolfgang - lange nichts von Dir gehört/gelesen!
      Ob HHH die Szene "übernommen" hat, weiß ich nicht. Er ist ja nach wie vor nicht deren einziger Exponent und schon gar nicht unumstritten. Viele seiner Gedanken haben aber einiges für sich (und damit meine ich jetzt nicht gerade sein Demokratiebuch, denn er hat bessere geschrieben).

      Daß monetäre Umverteilung und egalisierende Staatseingriffe ins Privatleben eine linke Tendenz haben, ist wohl unbestreitbar. Daraus folgt logisch der Schluß, daß die Privatrechtsgesellschaft (die derlei Lustbarkeiten nicht kennt) weiter rechts stehen würde. Die Beurteilung einer Adelsgesellschaft durch "manche Libertäre" tangiert mich wenig, zumal klar ist, daß es eher das (puritanische) Bürgertum war, das auf strenge Moral und niedrige Zeitpräferenz setzte, als ein dekadenter Adel...

      Worauf HHH´s Szenario heinauslaufen würde, werden wir wohl nie wissen, weil es zu unseren Lebzeiten kaum Wirklichkeit werden wird. Eines aber ist sicher: je kleinräumiger die Strukturen, desto leichter eine "Abstimmung mit den Füßen" und desto niedriger die "Fluchtkosten". Insofern scheint mir Deine Kritik überzogen zu sein. Weshalb "1.000 Liechtensteins" - als Alternative zu einer EUdSSR -eine "Gewaltstruktur ohne Rechtssicherheit" sein sollten, ist mir schleierhaft. In Liechtenstein (oder in Singapur und auf den Caymans) lebt es sich recht kommod, habe ich mir sagen lassen.

      Ad Komma: ein Anarchist ist also im Hinblick auf die Staatslehre nicht ernst zu nehmen. Aha. Diesem "Argument" folgend, steht Kritk am Nationalsozialismus also nur Nationalsozialisten (und Kritik am Sozialismus nur Sozialisten) zu. Wieder was dazugelernt...

      Mit freundlichem Gruß,
      A. Tögel

    • Andreas Tögel
      16. November 2012 17:48

      Korrektur eines sinnverkehrenden Fehlers: Im ersten Satz meiner Antwort an Herrn Theiner sollte es natürlich heißen, ...daß es NUR solche Parteien gibt. Pardon!

    • Markus Theiner
      16. November 2012 18:48

      @ Tögel:

      Gleichfalls zur Klarstellung: Ich will Sie sicher nicht vom Blog vertreiben. Bleiben Sie und posten Sie!

      Dass der Status Quo weit weg von einer perfekten Welt ist und die Demokratie viele schwerwiegende Probleme mit sich bringt sind wir uns ja einig. Ich stehe nur in vielen Punkten den von Ihnen vertretenen (oder zumindest vorgestellten) Alternativen skeptisch gegenüber und dementsprechend diskutiere ich auch. Mit einer natürlich nicht in Stein gemeißelten, aber doch recht festen Überzeugung, dass meine Meinung nicht so falsch ist. Sonst hätte ich sie ja nicht ;-)
      Als Missionar sehe ich mich auch nicht.

      Aber zum Thema:

      "Wäre auch unlogisch, wenn Politfunktionäre ihren eigenen Futtertrog zertrümmern wollten."

      Wäre es nicht. Denn es ist auch für die Funktionäre besser einen großen Anteil an einem kleinen Futtertrog zu haben als keinen Anteil an einem Großen. Wenn man also nur durch das Zertrümmern des Futtertrogs genug Stimmen gewinnen kann um an den Resten des Trogs bleiben zu dürfen, dann lohnt sich das schon.

      "Eine "Sparpartei" hätte keine Wahlgeschenke (und keine potentiellen Opfer zwecks Ausplünderung) anzubieten und würde allein deshalb nicht gewählt werden..."

      Da bin ich schon eher geneigt zuzustimmen, das ist tatsächlich unser Hauptproblem. Und ich bin mir nicht sicher ob und wie man das in einer Demokratie lösen kann. Missionarische Tätigkeiten liegen den Bürgerlichen ja nicht so und haben auch bisher - wo sie doch passiert sind - wenig Erfolg gehabt.
      Nur: Wenn die Menschen so empfänglich für solche Versprechen sind, wieso glauben Sie dann, dass es in einer "zivilisierten Anarchie" nicht genauso möglich ist die Leute mit derartigen Versprechungen dazu zu bringen der Gründung eines Staates zuzustimmen? Was hält die Anarchie stabil? Denn wenn es eben keinen Mechanismus gegen diese Korrumption der Bevölkerung gibt, dann ist das System eben keine Alternative zur Demokratie, weil es kippt kaum dass es eingeführt wurde.

      "Welche Art von Logik ist aber dann, zugleich zu behaupten, daß für die Produktion von Sicherheit und die Tätigkeit als Streitschlichter ein Monopol plötzlich das einzig Wahre sein soll?"

      Weil man sich nicht aussuchen kann, mit wem man Streit bekommt. Daher kann man sich hier auch die Regeln nach denen der Streit geschlichtet wird nicht aussuchen, weil dafür ein Konsens zwischen den beiden Streitparteien notwendig wäre. Und woher soll der im Streitfall kommen? Daher braucht es allgemeingültige Regeln, und damit eben ein Monopol.
      Das ist mit anderen Dienstleistungen nicht vergleichbar und mit der Lieferung von Waren schon garnicht.

      Wobei es bis zu einem gewissen Grad auch in unserem Staat möglich ist auf private Streitschlichter zurück zu greifen und zwischen konkurrierenden Systemen zu wählen, indem man einfach eine entsprechende Vereinbarung in einen Vertrag einbaut oder sich auf entsprechende private Vermittlung hin vergleicht. Das akzeptiert unsere Rechtsordnung (mit gewissen Grenzen), aber das funktioniert nur wenn sich beide Parteien einig sind welches System bzw. welcher Streitschlichter zuständig sein soll. Besonders bei Streitigkeiten denen kein Vertrag zugrunde liegt - allgemeines Schadenersatzrecht drängt sich als Beispiel auf - ist das im Vorfeld nicht möglich und nachträglich schwer zu erreichen.

      Daß die Demokratie ein großartig fuktionierendes System ist, erkennt man u. a. dran, daß sie so segensreichen Figuren wie A. Hitler, S. Allende, H. Chávez oder F. Hollande (und ganzen Horden anderer radikaler Linker) mühelos an die Spitze verholfen hat...

      Wie gesagt: Historische Belege taugen wenig, weil der Vergleich fehlt. Können Sie mir belegte anarchistische Zivilisationen nennen in denen solche Figuren nicht an die Spitze gekommen sind? Oder zumindest in der grauen Theorie durchdeklinieren, wieso sie es in der Anarchie sicher nicht könnten?

    • Andreas Tögel
      17. November 2012 08:24

      Sehr geehrter Herr Theiner,
      wäre ja langweilig, wenn hier lauter in jedem Punkt Gleichgesinnte einander pausenlos zustimmend auf die Schultern klopfen würden...

      Kurz und bündig: ich kann Ihnen keine empirischen Beweise dafür liefern, daß eine herrschaftsfreie Ordnung in unseren Tagen funktonieren würde. Dort, wo sie faktisch über längere Zeit bestand (nämlich z. B. im "Wilden Westen", westlich des Mississippi im 19. Jahrhundert), waren die Bedingungen doch sehr verschieden von denen, die heute herrschen.

      Allerdings scheinen mir viele gute Gründe dafür zu sprechen, die ich in meinen Diskussionsbeiträgen teilweise schon genannt habe: Kleinräumigkeit der Strukturen, kein Recht ohne Verantwortung, keine Entscheidung ohne persönliche Haftung, absolute Unantastbarkeit privaten Eigentums, keine Verfolgung "opferloser Verbechen", etc. All das würde, nach meiner Meinung, deutlich stabilere Verhältnisse mit sich bringen, als sie in Imperien herrschen, die aus Tausenden Kilometern Entfernung ohne jede Rücksicht auf lokale Mentalitäten dirigiert werden.

      Daß der Mensch - mehrheitlich rational - auf gegebene Anreize reagiert, können wir vermutlich außer Streit stellen. Wenn der demokratische Wohlfahrtsstaat (oder ein sozialistisches Imperium) nun denjenigen alle erdenklichen Vorteile bietet, die sich maximal asozial verhalten, während er Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Familiensinn und Leistungsbereitschaft beinhart pönalisiert, dann ist es kein Wunder, daß unsere westlichen Gesellschaften allesamt vor dem Kollaps stehen. Mancur Olsen faßte es so zusammen: “When there is a stronger incentive to take than to make ... societies fall to the bottom.“

      Daher scheint es mir auch nicht mehr auszureichen, an Symptomen herumzubasteln. Es bedarf m. E. vielmehr einer radikalen Systemveränderung. Die wird vermutlich auch kommen. Ich befürchte nur, daß es - je länger die Herrschenden ihr verheerendes Pyramidenspiel fortsetzen - dabei umso dramatischer zugehen wird. Als das Sowjetimperium implodierte, waren die dort lebenden Menschen an den allgegenwärtigen Mangel gewöhnt. Viel hatten sie nicht zu verlieren. Im Westen - wo Millionen darauf konditioniert sind, gegenleistungsfrei respektable Wohlfahrtsleistungen in Empfang zu nehmen (und die das auch für ihr gutes Recht halten), ist das völlig anders. Wie werden all diese Leute wohl reagieren, wenn sie erkennen müssen, daß das Spiel aus ist...?

      Mit freundlichem Gruß,
      A. Tögel

    • estate (kein Partner)
      17. November 2012 22:30

      Markus Theiner,

      Sie schreiben u.a.: "Wenn die Menschen so empfänglich für solche Versprechen sind, wieso glauben Sie dann, dass es in einer "zivilisierten Anarchie" nicht genauso möglich ist die Leute mit derartigen Versprechungen dazu zu bringen der Gründung eines Staates zuzustimmen?"

      In einer Privatrechtsgesellschaft hat ein derartiger ~Staatsvertrag~ für jene keine Gültigkeit, die diesem nicht zustimmen. Anders als mit physischer Gewalt gegen Anschlußunwillige gäbe es also keinen Staat in der von Ihnen skizzierten Form.

      Zugleich wurde mit der Thematisierung der Gated Communities die falsche Annahme aufgeworfen, eine Sicherheitsagentur hätte zwangsweise ein territoriales Monopol. Dem ist aber nicht so. Es kann ein solches Monopol geben, doch es hätte nur solange Bestand, solange die "Staatskunden" nicht austreten und dabei ihre Privatgrundstücke logisch wieder aus dem Verbund herausnehmen.

      Sie schreiben weiters: "Daher kann man sich hier auch die Regeln nach denen der Streit geschlichtet wird nicht aussuchen, weil dafür ein Konsens zwischen den beiden Streitparteien notwendig wäre. Und woher soll der im Streitfall kommen? Daher braucht es allgemeingültige Regeln, und damit eben ein Monopol."

      Das ist falsch. Streitigkeiten unter Angehörigen unterschiedlicher Sicherheitsagenturen würden nach oben, d.h. an die beteiligten Agenturen deligiert. Individuen wiederum werden sich jenen Agenturen zuwenden, die ihnen auch zur Durchsetzung ihrer Ansprüche gegenüber Zugehörigen anderer Agenturen bieten.

      Schadenersatz und das Durchsetzen von Ansprüchen aus geschlossenen Verträgen sind (ohne dies jetzt kleinreden zu wollen!) die noch mit Abstand einfachsten Aufgaben im Rechtswesen. Nicht grundlos sind die existierenden Standards in der westlichen Welt seit langem stabil und zugleich nachvollziehbar.

      "Das ist mit anderen Dienstleistungen nicht vergleichbar und mit der Lieferung von Waren schon garnicht."

      Es ist vergleichbar mit der realen Anarchie zwischen jetzt existierenden Staaten. Auch diese schließen übergeordnete Abkommen, brechen diese und schließen wieder neue. Sicherheitsagenturen im Sinne Hoppes sind defacto Staaten ohne Territorien.

      Sie können sich die reine Privatrechtgesellschaft auch auch als ein System beliebig vieler Rechtsschutzversicherung vorstellen. Wie diese sich untereinander einigen, ist deren Aufgabe.
      Jene Versicherungen, die sowohl nach innen hin wie auch nach außen für ihre Mitglieder die besseren Leistungen bieten, setzen sich am Markt durch. Statt aber wie gegenwärtig auswandern zu müßen, wenn die eigenen Interessen nicht mehr gewahrt werden, wählte man eine andere Versicherung.

    • Markus Theiner
      19. November 2012 13:20

      @ estate
      "In einer Privatrechtsgesellschaft hat ein derartiger ~Staatsvertrag~ für jene keine Gültigkeit, die diesem nicht zustimmen."

      Muss sie aber. Nehmen wir an, Sie sind ein Bauer. Sie gehören zu einer Agentur, die Ihr Eigentum an den von Ihnen bebauten Feldern anerkennt, weil sie das gemäß Testament von Ihrem Vater geerbt haben.
      Ihr Bruder gehört aber zu einem anderen System, in dem Testamente ungültig sind und jedes Kind Anspruch auf einen Erbanteil hat, und dementsprechend erhebt er Anspruch auf einen Teil des Feldes.
      Der Nachbar gehört zu einem kommunistischen System, in dem Privateigentum generell nicht anerkannt wird, und er nimmt sich einfach einen Teil der Ernte von Ihrem Feld.

      Nachdem Ihre Regeln für die Anderen nicht gelten haben Sie keine legale Möglichkeit die von Ihrem Feld zu vertreiben oder sich den angerichteten Schaden ersetzen zu lassen.

      Wenn sich die Agenturen friedlich einigen müssen, dann wirds mühsam, weil warum sollte die kommunistische Agentur plötzlich das Eigentum anerkennen?

      Wir haben also das gleiche Problem wie mit Staaten bei der Konfliktlösung, aber ein viel, viel höheres Konfliktpotential, weil es keine klare Zuordnung gibt welche Regeln wann, wo und für wen gelten und sich die Zuordnung ja auch laufend ändern kann.

      Natürlich können Sie jetzt argumentieren, dass Eigentum ein natürliches Recht ist und auch ohne Gesellschaftsvertrag gültig ist und verteidigt werden darf. Nur ist das dann trotzdem nichts anderes als eine allgemeingültige Regel, die Sie zwangsweise durchsetzen.

      "Anders als mit physischer Gewalt gegen Anschlußunwillige gäbe es also keinen Staat in der von Ihnen skizzierten Form."

      Eh nicht. Aber die physische Gewalt wird kommen, weil halt die Gewalt oder die Drohung mit Gewalt im Konflikt zwischen den Agenturen einen entscheidenden Vorteil bietet.

      Nehmen Sie an ich mache eine ein Mann Agentur auf. Regel: Jeder darf sich nehmen was er will, alles ist Allgemeingut. Ich ziehe also von Haus zu Haus, von Feld zu Feld und nehme mir was immer ich will. Klassischer Diebstahl in fast allen Rechtssystemen, aber die gelten mir gegenüber ja nicht. Die Agenturen verhandeln mit mir über die an sie delegierten Interessen ihrer Kunden, aber ich akzeptiere keinen Kompromiss. Klar werden die dann zu Gewalt greifen. Und ich eben auch - wenn ich kann.

      "Streitigkeiten unter Angehörigen unterschiedlicher Sicherheitsagenturen würden nach oben, d.h. an die beteiligten Agenturen deligiert."

      Wenn etwas "nach oben delegiert" wird, wer handelt dann und wie kommt der zu seinen Entscheidungen?
      In welchem Verhältnis steht die Repräsentation nach Außen und die dabei zwangsläufig geschlossenen Kompromisse zu dem der Agentur zugrunde liegenden Gesellschaftsvertrag? Und wie wird der Streit zwischen den Agenturen entschieden?

      Soweit es sich um kleine Agenturen handelt ohne räumlich geschlossenes System, wird es solche Streitigkeiten relativ häufig geben, weil die Systeme halt häufiger aufeinander prallen. Ohne allgemeingültige Regelungen zur Streitschlichtung zwischen den Agenturen bleibt Ihnen im Prinzip wieder nur das Recht des Stärkeren.
      Der Rest ist absehbar. Es bilden sich dominante regionale Agenturen. Die kleinen werden mit Gewalt (siehe oben) bekehrt, weil man die Enklave mitten im eigenen Gebiet nicht brauchen kann. Die Agentur erklärt sich per Gesellschaftsvertrag zum Flächenstaat, die Regeln schützen Nichtmitglieder nicht, weshalb sich jeder der in dem Gebiet wohnt beeilen wird den Vertrag zu akzeptieren (auch wenn es ihm eigentlich widerstrebt) und schon sind wir wieder da, wo wir angefangen haben.

      Tögel hat den Wilden Westen als Beispiel für die Anarchie gebracht, und dort lief das ja genau so ab. Eigentum an Land war ein Konzept, das die Indianer nicht kannten. Für die Weißen war es unvorstellbar, dass es so etwas nicht gibt. Streit ohne Ende - natürlich mit Gewalt.
      Sogar unter den Weißen war man sich selten einig. Darf man als Farmer Zäune aufstellen um seine Felder zu schützen, oder muss man die Durchzugswege für die Rinderherden freihalten? Gehört dieses Stück Land jetzt dem, der einen Zuteilungswisch von der Regierung bekommen hat, oder dem, der seit Jahrzehnten darauf lebt? Gehören die Wertgegenstände im Zug den Passagieren, oder Jesse James?
      Entschieden hat solche Konflikte die Pistole, der Tomahawk, der Strick oder die Kavallerie - was auch immer man eben zur Verfügung hatte. Gelegentlich ein von beiden Seiten akzeptierter Schiedsrichter oder auch der staatliche Richter - einerseits weil man dessen Autorität meist doch irgendwie anerkannt hat, andererseits weil der die Kavallerie im Rücken hat.

  4. Markus Theiner
    15. November 2012 12:32

    Dass die Staaten sich heute zu viele Kompetenzen zusprechen ist zwar richtig, bedeutet aber nicht, dass man überhaupt keinen Staat braucht. Auch hier gilt im weitesten Sinne Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.
    Es gibt gewisse Aufgaben, für die ein Staat gebraucht wird. Wenn Verträge nicht durchsetzbar sind, oder nur für den durchsetzbar sind der die meisten treuen Schergen hat, dann wird die Zivilgesellschaft nicht funktionieren. Dass sich in einer freien Welt alle an die selben Moralvorstellungen halten und man deswegen garnicht erst zu Streitereien kommt, die zu beheben wären, ist doch etwas gar naiv.

    Sobald man aber einen Staat hat muss der auch Entscheidungen treffen. Und da gibt es tatsächlich relativ wenig überzeugende Alternativen für das demokratische Prinzip, auch wenn man bei der Ausgestaltung immer noch viel falsch machen kann. Dass der Wähler keinen Einfluss auf die Politik hat ist jedenfalls unsinn. Selbst in den schlimmsten Fällen von indirekten Demokratien ist der Einfluss nur verwässert, nicht aber komplett entfallen. Die Ablehnung gegen bestimmte Maßnahmen ist halt immer noch für eine Mehrheit nicht groß genug um die jeweiligen Parteien nicht mehr zu wählen.

    Das demokratische Prinzip ist in den modernen Staaten westlicher Prägung aber aus gutem Grund nur eines von mehreren Prinzipien. Vor allem muss man noch das rechtsstaatliche und das libertäre Prinzip berücksichtigen, die ja von ihrem Ansatz her gerade die Probleme mit der Demokratie einschränken sollen. Die Menschenrechte sind ja - zumindest ihrem Ansatz nach - Abwehrrechte gegen den Staat. Der Staat ist für bestimmte Bereiche nicht zuständig und deswegen endet da auch die Demokratie.
    Dass nach unserer Verfassung die Demokratie über solchen Prinzipien steht (Gesamtänderung der Verfassung) kann man dementsprechend kritisch sehen, eine Verteidigung solcher Prinzipien gegen entsprechend große Mehrheiten wäre allerdings auch praktisch kaum durchführbar.
    Auch wenn wir die Staaten abschaffen hätten wir ja das gleiche Problem: Wenn ein Demagoge einer Mehrheit einredet, dass die Minderheit unmoralisch handelt und bestraft gehört, dann wird die Minderheit sich kaum durchsetzen.

    Fazit: Die Probleme mit der Demokratie sehe ich wohl, aber ein überzeugendes Gegenmodell hab ich halt noch nicht gefunden. China ist zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber von liberalen Idealen halt doch recht weit entfernt. Und das Internet bringt so schon haufenweise Probleme. Eine ganze Gesellschaftsordnung darauf aufbauen würde ich nicht wollen.

    • DerTurm
      15. November 2012 23:01

      Gerade bei der Gerichtsbarkeit liegt doch der Hase im Pfeffer - noch nie einen Prozess gegen "den Staat" geführt? Gerade der Staat ist doch derjenige, "der die meisten treuen Schergen hat".

      Es gibt nichts, was ein Staat besser könnte, als eine private Organisation.

      Gretchenfrage:
      Angenommen, Sie bekämen 200 Millionen Euro bar auf die Hand, mit der Auflage, die Hälfte davon für einen möglichst guten Zweck zum Wohle der Menschheit zu investieren.
      Würden Sie das Geld dem Staat, oder doch lieber einer privaten Organisation geben?

    • Markus Theiner
      16. November 2012 06:55

      Stimmt. Deswegen funktioniert Süditalien so gut, wo die private Organisation der Mafia mehr Kontrolle hat als ein Staat. Vieel besser als jede staatliche Gerichtsbarkeit. Oder die privaten Milizen die in diversen Dritte-Welt-Ländern den Laden schmeißen.

  5. S.B.
    14. November 2012 19:40

    Die europäische, geistige Elite hat sich längst vom Konstrukt der "Vereinigten Staaten von Europa" verabschiedet. Diese Idee spukt nur noch in ideologisch unverbesserlichen, linken Gehirnen herum.

    Empfehle dazu das Buch von Hermann Lübbe:
    "Abschied vom Superstaat" (Die Vereinigten Staaten von Europa wird es NICHT geben)

    • Wafthrudnir (kein Partner)
      15. November 2012 13:45

      Sorry, aber die "europäische, geistige Elite", das sind eben die "ideologisch unverbesserlichen linken Gehirne".

  6. RR Prof. Reinhard Horner
    14. November 2012 16:13

    reinhard.horner@chello.at

    Dauerplädoyer aus und zu selbstverschuldeter Unmündigkeit

    Wieder kommen wir in den Genuss der Agitation für eine „elitäre“ Anhängerschaft, der es in prononciert privatisiertem Lebenszuschnitt gelingen soll, sich über möglichst viele untergeordnete Menschen zu erheben.

    Dies mittels einer Lebensführung, die alle Rechte und die Vorzüge der aktuellen Lebensumstände selbstverständlich in Anspruch nimmt, die Pflichterfüllungen , die gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beitragsleistungen, hingegen der Freiwilligkeit (der Beliebigkeit, dem individuellen Gutdünken) vorbehalten haben möchte.

    Dies durch Schaffung plutokratischer Vorteile gemäß der alles leitenden Werthaltung: „Wer zahlt, schafft an!“ (A. Tögel am 08.08.2012) Oder sein Halbbruder im Geiste F. Stronach: „Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln.“*)

    Dies durch Zerstörung der Demokratie und den „Rückbau des Staates“.

    Dies mit der albernen Vortäuschung, es gebe in der globalisierenden „Welt der Menschheit von 7 Milliarden plus“ eine „freie Privatgesellschaft als Alternative“.

    Aus der eigenen Demokratieunfähigkeit, der gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Minderwilligkeit heraus sollen Menschen in „die selbstverschuldete Unmündigkeit“ rückgeführt werden – mit der Unterscheidung solcher Leute, die in einem Biotop „privat“ vorzüglich Erfolgreicher agieren, und den Anderen, die außerhalb, die mehr noch unterhalb verfügbar bleiben sollen. Jedenfalls soll die Persönlichkeitsstörung jener „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ in Abhängigkeiten und Gegenabhängigkeiten möglichst weite Verbreitung finden.

    *) Im privatistischen und plutokratischen Biotop herrscht obendrein die Täuschung, als Idioten (in der altgriechischen Bedeutung) leben zu wollen, in Wahrheit aber erfolgreiche Vormacht auszuüben, darauf nicht zu verzichten.

    Es ist wohl damit zu rechnen, dass die Agitation dieses Pyramidenspiels hier noch länger fortgesetzt wird.

  7. Komma
    14. November 2012 00:24

    Schade! Der erste Teil enthält viel Richtiges: Demokratie = Sozialismus durch die Hintertür, Volksbetrug, Stockholm-Syndrom, Volksherrschafts-Mythos, Freiheitsberaubung, Unterwerfungsform, Zentralismus, Wohlstandshemmer.
    Im zweiten Teil wird libertärer Unsinn verzapft: Ersatz des Staates durch Privatrechtsgesellschaften, IT-Netzwerke. In Wahrheit würden durch die Auflösung der staatlichen Ordnung nur die Haifische gewinnen.
    Vielleicht sollte der ehrbare Kaufmann A. Tögel sich ein wenig in der Staatslehre umsehen: Empfehlenswert wäre Christian Machek; Die Rückkehr zu der Ursprüngen der Politischen Philosophie, Paderborn 2012. Dann bekäme er vielleicht eine Ahnung davon , was heute Not täte, um aus der Demokratie-Misere herauszukommen.
    Apropos: Die Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ wird nicht nur von Linken vertreten, sondern ebenso von Leuten wie Herrn Ackermann und bei uns auch von der unbedarften Führungsspitze der ÖVP.

    • La Rochefoucauld
      14. November 2012 23:39

      ... also doch nur von Linken.

    • Andreas Tögel
      15. November 2012 07:19

      Sehr geehre(R) Komma,
      mein Beitrag ist eine Rezension, keine Darstellung meiner eigenen Gedanken zum Thema (wiewohl diese mit denen der beiden Buchautoren weitgehend übereinstimmen).

      Die Frage mit den "Haifischen" ist interessant. Daß eine Handlung logisch begründbar ist, die darauf hinausläuft, sich aus lauter Angst vor ein paar Wildhunden einem Löwen zum Fraß vorzuwerfen (oder im von Ihnen gemeinten Zusammenhang: nicht etwa miteinander konkurrierenden Rechtsagenturen, sondern lieber einer monopolistischen Zwangsorgaisation vertraut), bezweifle ich.

      Eines hat das libertäre Modell jedenfalls für sich: Kein Mensch kann - empirisch abgestützt - behaupten, es funktioniere nicht. Daß demokratische Wohlfahrtsstaaten nicht funktionieren, kann man indes tagtäglich feststellen - dafür reicht eine Fahrt in der U-Bahn oder ein Besuch des nächstgelegenen Beserlparks...

      Ihr Verdacht, ich würde mich ausschließlich mit "staatsfeindlicher" Literatur befassen, ist übrigens unbegründet. Von T. Hobbes bis C. Schmitt habe ich mir eine ganze Menge Staatsverehrung angetan...nichts davon hat mich überzeugt.

      Ad S.B.: Ihr Wort in Gottes Ohr. Bis in unsere Tage höre und lese ich´s allerdings anders...

      Ad RR Prof. Pawlow: etwas anderes war nicht zu erwarten...

      Mit freundlichem Gruß,
      A. Tögel

    • Komma
      16. November 2012 10:42

      @ A. Tögel

      Das Wesentliche an einer Rezension ist die Beurteilung.

      Sie haben sich ja freundlicherweise als "Anarchist" geoutet, sind daher in Fragen der Staatslehre nicht mehr ernst zu nehmen.






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