Zur Krise der Pharmazeutischen Industrie drucken

Die Pharmazeutische Industrie ist zunehmend mit Problemen konfrontiert, für deren Lösung sie (noch) keine adäquaten Strategien entwickelt hat; vor allem ist es der Umstand, daß trotz enorm steigender Aufwendungen die Produktivität - d.h. die jährlich registrierte Zahl an neuen Medikamenten - sinkt.
Wo steht die Pharmazeutische Industrie?

Inge Schuster für den Science-Blog:

Die Pharmazeutische Industrie (kurz: Pharma) zählt zu den weltweit größten, innovativsten und erfolgreichsten Branchen. Im letzten Jahrzehnt konnte sie ihren globalen Umsatz mehr als verdoppeln – von 423 Mrd $ im Jahr 2002 auf 856 Mrd $ im Jahr 2010 – und weiteres Wachstum auf 1,1 Billionen $ wird bis 2014 erwartet. Im Jahr 2010 wurden rund 42 % des Umsatzes in Nord-Amerika erzielt, etwa 29 % in Europa.

Weltweit ist Pharma Arbeitgeber für mehrere Millionen Menschen – davon finden sich bereits rund eine Million in den Top 10 Pharma-Konzernen – und ein Mehrfaches an zusätzlichen Jobs hängt indirekt von Pharma ab. In Europa bietet Pharma Beschäftigung für 640 000 Personen, wobei ein überdurchschnittlich hoher Anteil aus Wissenschaftern verschiedenster Disziplinen und technischem Fachkräften besteht. Der Bedarf an hochqualifizierten Beschäftigten spiegelt sich in den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) wider: Mit rund 27 Milliarden € – d.s. im Schnitt 15,9 % des Nettogewinns – rangiert Pharma in Europa weit vor allen anderen forschungsintensiven Sparten; für die an zweiter Stelle gereihte Computer-Branche werden 9,9 % des Nettogewinns aufgewandt.

Die hohen Investitionen in F&E haben sich bis jetzt als besonders gewinnbringend erwiesen: Verglichen mit anderen Hochtechnologie-Sparten liegt Pharma auch in Hinblick auf den positiven Beitrag zur EU27-Handelsbilanz mit rund 47 Milliarden € an der Spitze.

Der wirtschaftliche Erfolg von Pharma ist unmittelbares Ergebnis von auf Forschung basierender Innovation. Seit den Anfängen pharmazeutischer Forschung vor rund 100 Jahren wurden unbestreitbare Durchbrüche in der Therapie vieler ehemals fatal ausgehender Erkrankungen erzielt und damit entscheidend zu besserer Lebensqualität und einer beinahe verdoppelten Lebenserwartung beigetragen. Krankheiten, die noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts viele Opfer forderten, wie beispielsweise Tuberkulose, Kinderlähmung, Diphterie, Scharlach sind bei uns sehr selten geworden, chronische Krankheiten (z.B.Herz-Kreislauferkrankungen, metabolische Erkrankungen, etc.) führen nicht mehr zu einer verkürzten Lebenserwartung, Fortschritte wurden auch bei einer Reihe maligner Tumorerkrankungen erzielt (vor allem bei Brustkrebs, Prostatakrebs und einigen Leukämieformen).

Wenn zur Zeit bei uns auch bereits mehr als 10 000 Medikamente zugelassen sind, so besteht doch ein enormer Bedarf an neuen Wirkstoffen für ein sehr weites Spektrum von noch überhaupt nicht oder nur unzureichend behandelbaren, schweren Erkrankungen. Für maligne Tumoren beispielsweise der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Speiseröhre oder des Gehirns gibt es bis jetzt gibt es keine effiziente Therapie, ebensowenig für degenerative Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Alzheimer-, Parkinson-Krankheit) oder für viele Defekte des Immunsystems. Es kann also auf weitergehende Forschung und Entwicklung in Pharma nicht verzichtet werden.

Wieso kommt es zu einer Krise in Pharma?

Bei oberflächlicher Betrachtung erfüllt die Pharma-Branche alle Kriterien, welche erfolgreichste Unternehmungen aufweisen: sie ist privat-finanziert, hoch innovativ, weist über Dekaden solidestes wirtschaftliches Wachstum auf und – vor allem – sie erzeugt Produkte, die für Gesundheit und Wohlergehen der gesamten Menschheit essentiell sind und für welche daher ein enormer Bedarf und ein geradezu gigantischer Markt besteht.

Dennoch steht Pharma nun weltweit vor einer der größten Herausforderungen seit ihrem Bestehen. Diese Herausforderung ist nur zum Teil durch die aktuelle Wirtschaftskrise bedingt. Wesentlich wichtiger erscheint die Frage, ob und durch welche Maßnahmen die zur Zeit sehr niedrige Effizienz des Forschungs- und Entwicklungsprozesses gesteigert werden kann.

Der Forschungs- und- Entwicklungsprozeß – langdauernd, sehr riskant, extrem teuer

Während der letzten Jahrzehnte ist der zu neuen Medikamenten führende F&E-Pozeß immer riskanter und teurer geworden und dauert immer länger. Während 1975, 1987, und 2001 die Kosten rund 138, 318 und 802 Millionen $ betrugen, müssen heute bereits bis zu 1,9 Milliarden $ aufgewandt werden. Um heute ein neuartiges Medikament auf den Markt zu bringen, ist vom Beginn der Untersuchungen an eine Zeitspanne von 13 – 15 Jahren einzukalkulieren, von mehr als 10 000 eingangs geprüften Verbindungen erreicht vielleicht eine den Markt. Um zu verdeutlichen, warum der F&E-Prozeß so lange dauert und derartig hohe Kosten verursacht, soll dieser in seinen Abschnitten kurz beschrieben werden:

  • Der F&E Prozeß beginnt mit der präklinischen Phase. Diese dauert rund 6 Jahre, benötigt eine Reihe von biologischen und chemischen Laborkapazitäten und verschlingt rund ein Viertel der Gesamtkosten. Im ersten Abschnitt, der Forschungsphase, werden vorerst für eine zu behandelnde Krankheit Ansatzpunkte („Targets“) gesucht, deren Modulierung eine Besserung/Heilung des Krankheitsbildes verspricht. (Diese Targets sind zumeist Proteine, welche häufig auf Grund der unterschiedlichen Expression von Genen und/oder Proteinen in gesundem versus krankem Gewebe eruiert werden.) Kann ein geeignetes Target ermittelt werden, so erfolgt die Suche nach spezifischen Modulatoren für dieses Target durch Austesten von sehr großen Ensembles unterschiedlicher chemischer Verbindungen. Eine darauffolgende Optimierung passender Moleküle hinsichtlich angestrebter Wirkung und voraussichtlichem Verhalten im menschlichen Organismus resultiert schließlich in Entwicklungskandidaten. Diese treten in die präklinische Entwicklungsphase, in welcher in geeigneten Tiermodellen auf Wirksamkeit und Fehlen von toxischen Nebenerscheinungen geprüft wird. Kandidaten, die diese Phase erfolgreich bestehen, treten in die
  • Klinische Entwicklung. Diese Phase besteht aus drei Abschnitten: i) Testung des Entwicklungs-Kandidaten an einer kleinen Gruppe gesunder Freiwilliger, ii) Testung an mehreren hundert Patienten, iii) Multi-Center Studien an bis zu 10 000 Patienten. Die klinische Entwicklung benötigt bis zu sieben Jahre und rund 60 % der Gesamtkosten. Falls diese Phase erfolgreich verläuft, d.h erwünschte Wirksamkeit an Patienten gezeigt werden kann und im Vergleich dazu vernachlässigbare Nebenwirkungen, gelangt das Präparat in die
  • Registrierungsphase. Hier wird die sehr umfangreiche Dokumentation über ein erfolgreiches Präparat bei den Behörden eingereicht. Die Evaluierung, die im Schnitt rund 1,5 Jahre dauert, schließt im günstigen Fall mit der Registrierung des Produkts ab.

Allerdings schaffen es nur die wenigsten Kandidaten bis zu diesem Ziel. Bereits in der Präklinik werden die meisten Projekte wieder aufgegeben. Von Kandidaten, die es bis in die Klinik schaffen, fallen bis zu 95 % durch, der Großteil davon im zweiten Abschnitt, wenn das Präparat erstmals an einer größeren Zahl an Patienten geprüft wird und es sich dabei als zu wenig wirksam und/oder als zu toxisch herausstellt. Zu diesem Zeitpunkt sind dann bereits mehrere 100 Millionen $ erfolglos aufgewendet worden.

Blockbuster und Generika

Wenn nun ein neues Medikament nach rund 13 – 15 Jahren F&E den Markt erreicht, bleibt nur noch eine kurze Zeitspanne, in der es gewinnbringend verkauft werden kann: Patente erlöschen nach 20 Jahren und dann können beliebige Hersteller recht billig Kopien des Medikaments – sogenannte Generika – herstellen und verkaufen, da sie nicht den extrem teuren F&E Prozeß durchlaufen müssen. Mit den stark zunehmenden Kosten der Gesundheitssysteme aller Länder steigt die Attraktivität der Generika; diese nehmen in vielen Ländern bereits ein beträchtliches Volumen der insgesamt verschriebenen Medikamente ein.

Es erscheint verständlich, daß sich der Preis eines neuen Medikaments an der durch das Patent noch geschützten Zeitspanne und der geschätzten Zahl an Patienten orientiert. Um in der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne die F&E Kosten zu lukrieren, waren Firmen bestrebt sogenannte Blockbuster zu kreieren, d.h. Medikamente, die jährlich mehr als 1 Milliarde $ einbringen. Dies sind auf der einen Seite Medikamente – wie z.B. für Indikationen von Herz-Kreislauferkrankungen oder Lipidstoffwechsel-Störungen – für die es mehrere Millionen „Kunden“ gibt, aber auch Medikamente für sehr seltene Erkrankungen mit nur wenigen tausend Patienten, deren Anwendung dann bis zu 409 000 $ im Jahr (Soliris; 8000 Patienten mit paroxysmal nocturnal hemoglobinuria) kostet. Allerdings können 7 - 8 von 10 neu eingeführten Medikamenten die Gestehungskosten bei weitem nicht einbringen und ihre Entwicklung muß daher von den Blockbustern getragen werden.

Probleme in Pharma

Eines der wichtigsten ungelösten Probleme: Während - wie bereits erwähnt - die Ausgaben für F&E seit den 70er Jahren auf das mehr als 10-fache gestiegen sind, ist die Produktivität, d.h. die jährliche Ausbeute an neuen Medikamenten gesunken. Gemessen am Pool präklinischer Kandidaten, die in die klinische Prüfung eintreten, sind die „pipelines“ zwar voller geworden, jedoch stiegen die Ausfallsraten in den klinischen Phasen noch wesentlich stärker. Die Wahrscheinlichkeit eines Präparats, das am Anfang der klinischen Prüfung steht, zur Marktreife zu kommen, ist von 10 % im Jahr 2002 auf 5 % im Jahr 2008 gesunken.

Ein weiteres Problem: das Ende der Blockbuster Ära? Im Jahr 2009 gab es 125 Blockbuster, die rund 300 Milliarden $ einbrachten (d.i. mehr als 1/3 des globalen Medikamenten-Umsatzes). Bei einer Reihe gerade der gewinnträchtigsten Blockbuster erlöschen nun die Patente und sie werden durch billige Generika ersetzt. Entsprechende Umsatzrückgänge bis 2016 werden mit rund 130 Milliarden $ eingeschätzt. Bei Pharma-Giganten wie z.B. Pfizer oder AstraZeneca sind rund 40 % des Umsatzes von diesem Rückgang betroffen. Ein entsprechender Ersatz durch neue Blockbuster ist (noch) nicht in Sicht.

Wie reagieren nun die Konzerne: Sie fusionieren, vergrößern damit die pipeline der Substanzen, lassen weniger erfolgversprechende Gebiete auf und reduzieren Duplizitäten. Im letzten Jahrzehnt entstanden aus insgesamt rund 50 großen Pharma-Firmen 10 Pharma-Multis, gleichzeitig wurden zahlreiche durchaus erfolgreiche Institutionen geschlossen und es gingen 300.000 Jobs verloren. Das Schließen von Einrichtungen in Europa und zum Teil auch in den USA wurde kompensiert durch die Verlagerung von Einrichtungen nach China, Indien, Süd-Korea – Länder, die in den letzten Jahren höchstes Wachstum am Pharma-Markt aufwiesen, hochqualifiziertes Personal bereitstellen, dabei aber billig produzieren.

Was noch dazu kommt: Infolge der Wirtschaftskrise und der Sparmaßnahmen in Europa wird nicht nur bei den Medikamentenkosten gespart und verstärkt auf Generika umgestellt, einige Länder schulden der Pharmaindustrie für Medikamentenlieferungen insgesamt 13 - 15 Milliarden € (Spanien als größter Schuldner 6,34 Milliarden € ). Es wächst die Besorgnis, daß diese Schulden nicht mehr bezahlt werden können.

Pharma ist zur Zeit mit diesen und weiteren Problemen konfrontiert und hat wenige erfolgversprechende Strategien zu deren Lösung aufzuweisen.

 

Anmerkungen der Redaktion

Weiterführende Information:

Wesentliche Informationen und Daten in diesem Artikel stammen aus frei zugänglichen Quellen:

Pharmaceuticals & Biotech Industry Global Report — 2011
Transformation of the Pharmaceutical industry –mergers, acquisitions, outsourcing, patent expiration, price cuts, growing regulatory pressures . . .

The Big Pharma Recession Survey 2011
“Recently a number of high profile pharmaceutical companies have announced significant job cuts and many pharmaceutical professionals feel uncertain about their job stability in 2012”

EFPIA - The Pharmaceutical Industry in Figures. Key data – 2011 update
Global trends and the European market.

Eurostat, External and intra-European Union trade, Monthly statistics

sowie dieses Video der VFA: MISSION MEDIKAMENT: Forscher im Einsatz für die beste Medizin

Die Autorin

Inge Schuster wird hier etwas näher vorgestellt.

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • RSS
  • Add to favorites
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare drucken

  1. Ausgezeichneter KommentatorPeter
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2012 23:10

    Dass die Pharmaindustrie in der Krise steckt hat vor allem folgende Ursache. Die Branche hat lange Zeit recht gut davon gelebt, daß von einem innovativen Molekül einfache Abwandlungen synthetisiert wurden, die dann relativ risikolos zum Arzneimittel entwickelt werden konnten (zB die Gruppe der PPIs mit Omeprazol, Pantoprazol etc.) Diese patentfähigen Folgeentwicklungen werden heute abwertend als Metoos bezeichnet. Die tatsächlich vorhanden Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen sind in klinischen Studien zu erschwinglichen Kosten kaum darstellbar, daher kann der Beweis für den erforderlichen Mehrwert einer neuen Substanz praktisch nie erbracht werden. Viele Kostenträger, darunter auch die Krankenkassen in Ö, verweigern derartigen Entwicklungen den Status einer Innovation und damit auch die Erstattung des früher üblichen Preisniveaus. Einzige Ausnahme stellen die USA dar, wo die Medikamentenpreise ca. doppelt so hoch sind wie in Europa. Nicht zuletzt deshalb haben sich die USA zum Dorado der Pharmahersteller entwickelt. US-amerikanische Firmen halten mittlerweile auch den größten Anteil an aktuellen und ehemaligen Blockbustern. Noch vor zwanzig Jahren war die Pharmaforschung eine europäische Domäne. Heute ist Europa zunehmend Provinz. Kenner der Branche warnen seit Jahren vor einer Entwicklung, an deren Ende eine Microsoft ähnliche Situation stehen könnte. Einige wenige US-amerikanische Pharmakonzerne bestimmen den weltweiten Pharmamarkt, diktieren die Preise und bestimmen, wer neue lebensrettende Medikamente erhält.

  2. Ausgezeichneter KommentatorDerTurm
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    11. März 2012 11:04

    Eines der aktuell größten Probleme des Gesundheitswesens ist der Umstand, dass in vielen Ländern nahezu alle "Kranken Häuser" vom Staat betrieben werden, und die "Kranken Kassen" dem Staat gehören.

    Da die Sozial-Staaten (im Hayek'schen Sinn) in den letzten Jahren weit über die Verhältnisse gelebt haben, schulden sie nun auch den Lieferanten des Gesundheitswesens enorm viel Geld.

    Nicht nur in Spanien gibt es dieses Problem. Die griechische Regierung schuldete bereits im Frühjahr 2009 den Händlern von Medizinprodukten und Arzneimitteln dermaßen viel Geld, dass diese schließlich ein Lieferembargo verhängten.

    Binnen kurzer Zeit sagte die damalige Regierung zu, einen Teil der Schulden zu bezahlen. Die Bezahlung erfolgte damals allerdings in Staatsanleihen...

    In Ländern wie Kroatien, Bulgarien, Rumänien,... sind staatliche "Zahlungsziele" jenseits von 200 Tagen Usus.

    Das größte Problem von Pharma und Medizintechnik sind wieder einmal die staatlichen Eingriffe in das System.

  3. Ausgezeichneter KommentatorErwin Tripes
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2012 20:11

    29 Jahre Tätigkeit bei einem Pharmakonzern haben die Autorin offenkundig geprägt.
    Wenn man den Artikel liest, kommen einem die Tränen, so groß wird das Mitleid mit dieser Industrie. Nur um die ehemalige Firma der Autorin zu erwähnen:
    Novartis zB erwirtschaftet seit Jahren Rekordgewinne, so auch im Jahr 2011: Der Reingewinn betrug 13,5 Milliarden US-Dollar (12 Prozent mehr als im Vorjahr)!!!
    Natürlich wird nicht zugegeben, ja darf nicht zugegeben werden, was für kriminelle Dinge angeblich auch in der Pharmabranche passieren, wobei natürlich die Unschuldsvermutung gilt.
    So werde ich mit meiner kritischen Sichtweise sicherlich gleich als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt werden, obwohl die wirklichen Verschwörer vielleicht gerade in dieser Branche Platz haben?
    Liest man sich nämlich nur die rd. wöchentlich herausgegebenen Warnhinweise des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen an die Ärzteschaft betreffend Schädlichkeit und Gesundheitsrisken verschiedener längst zugelassener Medikamente durch – diese „Heilmittel“ werden offensichtlich trotz langem Prüfverfahren nur durchgewunken - , ahnt man, was im Hintergrund passiert. Die breite Öffentlichkeit wird davon naturgemäß nicht informiert.
    ZB über STRATTERA zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab 6 Jahren und bei Jugendlichen.
    Diese „Krankheit“ wurde vor nicht allzu langer Zeit erfunden. Weil praktisch jedes gesunde, geistig muntere Kind unter die von der Pharmaindustrie aufgestellten Kriterien dieser Krankheit fällt, hatte die Industrie dann gleich das richtige Medikament geschaffen. Merkwürdig?
    Eine sichere Aussage über die Prävalenz dieser Krankheit ist jedoch bekanntlich nicht möglich.
    Sieh etwa auch zum Thema wie die Virologen Krankheiten schaffen unter: http://www.youtube.com/watch?v=xXWWOTBcHDA .

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorPeter
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    16. März 2012 23:10

    Dass die Pharmaindustrie in der Krise steckt hat vor allem folgende Ursache. Die Branche hat lange Zeit recht gut davon gelebt, daß von einem innovativen Molekül einfache Abwandlungen synthetisiert wurden, die dann relativ risikolos zum Arzneimittel entwickelt werden konnten (zB die Gruppe der PPIs mit Omeprazol, Pantoprazol etc.) Diese patentfähigen Folgeentwicklungen werden heute abwertend als Metoos bezeichnet. Die tatsächlich vorhanden Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen sind in klinischen Studien zu erschwinglichen Kosten kaum darstellbar, daher kann der Beweis für den erforderlichen Mehrwert einer neuen Substanz praktisch nie erbracht werden. Viele Kostenträger, darunter auch die Krankenkassen in Ö, verweigern derartigen Entwicklungen den Status einer Innovation und damit auch die Erstattung des früher üblichen Preisniveaus. Einzige Ausnahme stellen die USA dar, wo die Medikamentenpreise ca. doppelt so hoch sind wie in Europa. Nicht zuletzt deshalb haben sich die USA zum Dorado der Pharmahersteller entwickelt. US-amerikanische Firmen halten mittlerweile auch den größten Anteil an aktuellen und ehemaligen Blockbustern. Noch vor zwanzig Jahren war die Pharmaforschung eine europäische Domäne. Heute ist Europa zunehmend Provinz. Kenner der Branche warnen seit Jahren vor einer Entwicklung, an deren Ende eine Microsoft ähnliche Situation stehen könnte. Einige wenige US-amerikanische Pharmakonzerne bestimmen den weltweiten Pharmamarkt, diktieren die Preise und bestimmen, wer neue lebensrettende Medikamente erhält.

alle Kommentare drucken

  1. payday loans (kein Partner)
    12. Dezember 2014 21:30

    mkzthh http://paydayloansqdq.com/ payday loans toeMS http://paydayloansbra.com/ payday loans rmNZL http://paydayloansdpf.com/ payday loans >:-[ http://2012paydayloans.net/ payday loans 0708 http://paydayloansnsa.com/ payday loans jDuVN http://paydayloanshsh.com/ payday loans Ikbue

  2. instant payday loans (kein Partner)
    12. Dezember 2014 12:44

    toxuek http://paydayloansdpb.com/ instant payday loans >:-OOO http://paydayloansdpa.com/ payday loans ikqdj http://paydayloansdpf.com/ payday loans wZZhAt

  3. payday loans (kein Partner)
  4. mobile loans (kein Partner)
  5. payday uk (kein Partner)
  6. money mutual (kein Partner)
    28. Oktober 2014 00:42

    vjuimsvb http://paydayloanshsp.com/ money mutual >:-OOO http://paydayloanshso.com/ quick quid 6285 http://paydayloanshsk.com/ installment loans hkiYZ

  7. payday loans (kein Partner)
    22. September 2014 14:14

    ncfftmsv http://paydayloansilh.com/ payday loans LftRxB http://paydayloansilk.com/ money mutual 7767 http://paydayloansilt.com/ payday loans 8]]] http://paydayloansilp.com/ loans no credit check >:-OOO

  8. online payday loan (kein Partner)
    20. September 2014 11:32

    tdvnshj http://paydayloansilu.com/ online payday loan 1194 http://paydayloansild.com/ mobile loans kajIm http://paydayloansilo.com/ money mutual GVpLpa http://paydayloansill.com/ online installment loans :-O

  9. payday loans (kein Partner)
    17. September 2014 12:42

    jnpqgfeg http://paydayloansilm.com/ payday loans >:]] http://paydayloansilc.com/ money mutual ZybACA http://paydayloansils.com/ mobile loans 9928 http://paydayloansili.com/ apply for guaranteed loans 2331

  10. payday loans (kein Partner)
    14. September 2014 11:27

    xzwphlkv http://paydayloansila.com/ payday loans vAJtYE http://paydayloansiln.com/ payday loans >:]] http://paydayloansilg.com/ short term loans bad credit 5412 http://paydayloansilr.com/ money mutual RmUhk

  11. money mutual (kein Partner)
    11. September 2014 09:16

    nmyrrnt http://paydayloansilf.com/ money mutual WhhuuW http://paydayloansilq.com/ payday loans pXFyy http://paydayloansilb.com/ payday loans ngYufI http://paydayloansilj.com/ bad credit personal loans 4877

  12. money mutual (kein Partner)
    17. August 2014 00:55

    qtdtdgcq http://paydayloansqxl.com/ money mutual >:-OOO http://paydayloansqxb.com/ next day loans >:-OOO http://paydayloansqxo.com/ payday loans >:-OOO http://paydayloansqxi.com/ payday loans %-[[[ http://paydayloansqxr.com/ payday loans :-O

  13. payday loans (kein Partner)
    09. August 2014 04:51

    hkckvc http://paydayloansqxd.com/ payday loans ZTpiB http://paydayloansqxf.com/ spot loan FuckEr http://paydayloansqxs.com/ money mutual 5683 http://paydayloansqxj.com/ sameday loan 3539 http://paydayloansqxq.com/ sameday payday loans online 7961

  14. money mutual (kein Partner)
    06. August 2014 12:46

    exsitrv http://paydayloansqxh.com/ money mutual >:]] http://paydayloansqxu.com/ mobile loans %-[[[ http://paydayloansqxp.com/ cash loans online AgnMsI http://paydayloansqxc.com/ easy payday loans 8369 http://paydayloansqxk.com/ payday loans 9561

  15. payday loans (kein Partner)
    05. August 2014 22:16

    oggnpj http://paydayloansnsa.com/ payday loans kqvngB http://2012paydayloans.net/ payday loans 9917 http://paydayloansmsa.com/ payday loans yXFovS http://paydayloans24x7.com/ payday loans >:-OOO

  16. payday loans (kein Partner)
  17. resepkuekeringku.com (kein Partner)
    11. Juli 2014 20:43

    nteressant. Wenn man sich die Stellenanzeigen in den einschlägigen Blättern der so ansieht, bekommt man den Eindruck, der Pharmabranche wären Krisen komplett fremd. Auch aus der 2008er-Krise ist sie, soweit ich weiß, als eine der wenigen Branchen mit einem Wachstum gekommen.

  18. apply for fast cash (kein Partner)
    07. Juni 2014 02:41

    sowznsw http://paydayloansqdh.com/ apply for fast cash 8]]] http://paydayloansqdr.com/ loans without credit check uquGwJ http://paydayloansqdc.com/ online loans with no credit check xrYdOv http://paydayloansqdp.com/ payday loans 0537

  19. payday advance (kein Partner)
    20. Mai 2014 07:10

    jydzbdr http://paydayloansito.com/ payday advance >:-OOO http://paydayloansitt.com/ payday loans >:-OOO http://paydayloansitk.com/ pay day loans fuhRg http://paydayloansitf.com/ cash advance online doHpa

  20. this (kein Partner)
  21. http://paydayloansbsg.co.uk/ (kein Partner)
  22. easy payday loans (kein Partner)
  23. http://paydayloansukalf.co.uk/ (kein Partner)
  24. same day loan (kein Partner)
  25. payday loan (kein Partner)
  26. pay day loans (kein Partner)
    19. Mai 2013 02:13

    vgnrgcjm http://paydayloansukcxi.co.uk/ pay day loans >:-OOO http://paydayloansusacxi.com/ fast payday loan 3608 http://paydayloanscanadacxi.ca/ no fax pay day loan eBNmUC

  27. personal loans (kein Partner)
  28. payday loans online (kein Partner)
    16. Mai 2013 07:02

    vyuykf http://paydayloansaustraliacxa.com/ payday loans online 6605 http://paydayloansusacxa.com/ payday loans 8]]] http://paydayloansukcxa.co.uk/ payday cash ZlvSoS http://paydayloanscanadacxa.ca/ no fax pay day loan MbAaJl

  29. personal loans (kein Partner)
    05. Mai 2013 00:12

    ahqkrqjp http://paydayloansusapwg.com/ personal loans 7383 http://paydayloansaustraliapwg.com/ payday loans 2477 http://paydayloansusapwg.ca/ no fax pay day loan 8264 http://paydayloansukpwg.co.uk/ instant Payday Loans ytEwQY

  30. Unsere Gesundheit (kein Partner)
    03. Februar 2013 16:31

    Hallo Frau Dr. Schuster,

    Ich möchte etwas wesentliches hinzufügen, was in Ihrem Artikel und der folgenden Diskussion leider ziemlich ausgelassen wurde. Und zwar, dass das Kernproblem der Pharmaindustrie ein inhärenter Konflikt ist:

    Auf der einen Seite durch Krankheiten bzw. die Behandlung derselben zu existieren, mit dem Anspruch, Menschen helfen zu wollen und sie wieder gesund zu machen, und auf der anderen Seite als Wirtschaftsteilnehmer in einem Wirtschaftssystem die Obligation zu haben, zu wachsen und den Reichtum der Eigentümer (d.h. zumeist Aktionäre) zu maximieren, was der einzige Grund einer jeden Firma ist.

    Als Wirtschaftler weiss ich das - und um nichts anderes als die Maximierung von Profiten geht es auch in der pharmazeutischen Industrie. Überall geht es nur darum.

    Das Problem an der Sache ist nun, dass die Pharmaindustrie kranke Menschen benötigt, und das in steigender Anzahl, um weiterhin in gewohnter Weise existieren zu können und Umsätze und Profit zu steigern. Am besten eignen sich Krankheiten, die Menschen zu lebenslanger Medikamenteneinnahme zwingen.

    Beispiel: Krebs. Diese Krankheit ist ein Goldesel für die Pharmaindustrie. Seit 40 Jahren tappt sie daher (angeblich) im Dunkel und bringt zwar ein Medikament nach dem anderen auf den Markt, von denen seltsamerweise aber keines wirkt. Wie erklären Sie sich diesen Umstand?

    Sie sagen selbst, dass durch bahnbrechende Erfindungen vor 100 Jahren viele Krankheiten geheilt werden konnten. Und jetzt, wo man so weit ist, schafft man es in 4 Jahrzehnten nicht, Krankheiten wie Krebs auch nur ansatzweise zu verstehen?

    Man forscht lediglich in Richtung Chemotherapie und Bestrahlung - erwiesenermassen ineffektive und selbst z.T. Krebs erzeugende Massnahmen, die man den Menschen für teuer Geld verkauft - anstatt einmal in alternative Richtungen zu Forschen, und Alternative Behandlungsmethoden bzw. Denkansätze wie die Neue Germanische Medizin, Ernährungstherapien (Vegan, Alkalisch, B17 bzw. Laetril) zu erforschen. Stattdessen werden solche Alternativen schlecht geredet und sogar bekämpft, ohne Überhaupt irgendetwas daran überprüft zu haben.

    Vielleicht kennen Sie die Neue Germanische Medizin von Dr. Hamer. Es gab den berühmten Krebs-Fall um Olivia Pilhar, und man nennt Dr. Hamer einen Mörder und Verbrecher, weil welche seiner Patienten gestorben sein sollen.

    Es sterben aber auch täglich tausende Menschen unter schulmedizinischer Behandlung an Krebs, und seltsamerweise sagt man dann immer, der Krebs sei schuld, nicht aber der Doktor. Bei alternativen Methoden wird das immer umgekehrt und via Medien mit Schlamm nach den Therapeuten zu werfen, um die eigenen Pfründe zu schützen.

    Hier noch ein Artikel zum Thema aus der "Wirtschaftszeit":

    Das Wachstum der Pharmaindustrie

    http://www.wirtschaftszeit.at/wirtschaftsnews/wirtschaftsnews-detail/article/das-wachstum-der-pharmaindustrie/

    Ein kleiner Auszug:

    "Folgen des Wohlstands:
    Dass die Folgen der Bewegungsarmut in Kombination zu rasant ansteigendem Fleisch- und Milchverzehr verheerend sind, zeigt das erschreckende Beispiel China. 92 Millionen Menschen sind dort an der Zuckerkrankheit erkrankt und 150 Millionen leiden bereits an Prädiabetes. Besonders düster sieht es auch hierzulande aus."

    Die Behandlung der meisten der Zivilisations- und Wohlstandskrankheiten wie z.B. Diabetes, Fettleibigkeit, Krebs, Herzkrankheiten etc. liegt, ganz simpel, in der Ernährung und Bewegung, oder allgemein der Lebensweise.

    Da gibt es nicht viel zu forschen, und das ist auch allgemein und hinlänglich bekannt. Viele Menschen haben aber die Verantwortung für sich abgegeben. Disziplin ist nicht, man frisst sich krank. Die endlosen Diskussionen um Fastfood, Fertigprodukte, künstliche Zusätze im Essen, zu viel Milch und Fleisch, das hat jeder schon gehört. Die meisten tun nichts dagegen und hoffen dann auf die Pharmaindustrie, dass die ihnen hilft.

    Wirklich helfen kann sie aber nicht, denn dann müsste sie sagen: Lebe gesund und du wirst gesund - und hätte keinen Pfennig verdient, und dazu noch der Lebensmittelindustrie ans Bein getreten.

    Da Sie diese Umstände zur Krise der Pharmaindustrie nicht bedacht haben, möchte ich sie also gerne der Vollständigkeit halber anbringen

  31. DaVidBa (kein Partner)
    27. Dezember 2012 10:08

    Interessanterweise waren Hochsicherheitsbranchen wie Flug- und Raumfahrt die Pioniere, die als erste an diesen Strukturen rüttelten. Man erkannte, dass ein Jäger keinen Projektplan do follow forums machen kann, wie er sein Gewehrstativ aufbauen und wie er die Waffe ausrichten muss, um einen Hasen zu schießen. Er wird seinen Plan zu 100% ausführen können, aber er wird verfehlen, worauf es ankommt: den Hasen.

  32. TonyViet (kein Partner)
    27. Dezember 2012 10:05

    Dass die Pharmaindustrie in der Krise steckt hat vor allem folgende Ursache. Die Branche hat lange Zeit recht gut davon gelebt, daß von einem innovativen Molekül einfache Abwandlungen synthetisiert wurden, die dann relativ risikolos zum Arzneimittel entwickelt werden konnten (zB die Gruppe der PPIs mit Omeprazol, Pantoprazol etc.) Diese patentfähigen Folgeentwicklungen werden heute abwertend als Metoos bezeichnet. Die tatsächlich vorhanden Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen sind in klinischen Studien zu erschwinglichen Kosten kaum darstellbar, daher kann der Beweis für den erforderlichen Mehrwert einer neuen Substanz praktisch nie erbracht werden. Viele Kostenträger, darunter auch die Krankenkassen in Ö, verweigern derartigen Entwicklungen den Status einer Innovation und damit auch die Erstattung des früher üblichen Preisniveaus. Einzige Ausnahme stellen die USA dar, wo die http://downjustforme.com/

  33. Dr. Irmgard Hof (kein Partner)
    12. April 2012 09:03

    Sehr geehrte Frau Dr. Schuster, zunächst vielen Dank für Ihren informativen Artikel und vor allem die sachliche (Zahlen)Darstellung der Probleme der "Pharma". Schade dass daraus , wie heute so oft-der politische Alltag lebt es ja vor- eine Diskussion entsteht, die der Sache nicht dient.
    Daher eine sachliche Anfrage von mir: ist die massive Verteuerung der F&E-Phase nur auf Personalkosten zurückzuführen oder spielt die wesentlich höhere Komplexität des Wissenstandes auch eine Rolle, ebenso würde es mich interessieren, ob jetzt der Prozentsatz der in der klinischen Phase abgelehnten "Produkte" im Beobachtungszeitraum auch gestiegen ist, wenn ja, warum ?

    • inge schuster
      15. April 2012 18:54

      Liebe Frau Dr.Hof,

      Die Antwort ist ganz einfach: alles ist komplexer geworden und die Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit rigider. D.h. es sind heute viel mehr Untersuchungen erforderlich - damit dauert der gesamte Prozeß länger und kostet ungleich mehr.

      Wurde in den 80er Jahren die präklinische F&E in rund 4,5 Jahren abgeschlossen, so werden dazu nun gut 2 Jahre länger benötigt. Der sich rasch ändernde Wissensstand führt zu neuen Untersuchungen und Techniken und damit zur laufenden Entwicklung immer komplexerer, teurerer Versuchsanlagen (z.B. fürs "high content screening") und Verbrauchsmaterialien. Um mit Konkurrenten mithalten zu können und auch um die steigenden Auflagen der Behörden zu erfüllen, muß man entweder in diese "Materialsschlacht" einsteigen oder Teile des Projekts an entsprechende "Vertragsfirmen" outsourcen. Beide Alternativen werden immer kostspieliger.

      Besonders lang und teuer ist aber die klinische Phase, für die rund 60 % der Gesamt F erst nach Beendigung der Studie erfahren Arzt und Patient. welches Mittel eingesetzt wurde).
      Dazu ein in der Literatur beschriebenes Beispiel aus der Herz-Kreislaufindikation (D. Malakoff 2008, Science 322: 210-213), für welche eine durchaus plausible Multi-Center Testung (in 800 Versuchszentren) an 14500 Patienten angenommen wurde:

      Für eine deratige Studie wurde eine Dauer von 46 - 71 Monaten veranschlagt, Berichte pro Patient in der Länge von jeweils 22 - 134 Seiten und jeweils 6 - 18 Besuche der einzelnen Versuchszentren. Aufgeschlüsselt nach Kosten entfielen 48 % der Gesamtkosten der Studie auf Zahlungen an die Versuchszentren, 30 % auf das Zentren-Management, 11 % auf Datenverarbeitung, 3 % auf Sicherheitsfragen.

      Die Vermutung, daß in der klinischen Phase heute mehr Produkte denn je "ausfallen" (Attrition Rate) ist richtig:
      Von 100 Kandidaten, die in die 1. Phase der klinischen Prüfung gelangen (Testung an jungen, gesunden Freiwilligen), treten 60 in die Phase 2 - erstmalige Testung an Patienten.
      "A recent report by Arrowsmith noted that the success rates for new development projects in Phase II trials have fallen from 28% to 18% in recent years, with insufficient efficacy being the most frequent reason for failure (Phase II failures: 2008–2010. Nature Rev. Drug Discov. 10, 328–329 (2011)) The current likelihood of a drug successfully progressing through Phase III to launch is 50%"
      D.h. von den 60 in Phase 2 eintretenden Präparaten schaffen es rund 17 in Phase 3 und schließlich rund 8 zur Registrierung. Insgesamt 92 % fallen durch!

  34. Erwin Tripes (kein Partner)
    07. April 2012 12:07

    Pharmalobby:
    und schon wieder eine Verschwörungstheorie für Frau Schuster: http://diepresse.com/home/panorama/welt/747169/Deutschland_Pharmafirmen-sollen-Aerzte-bestochen-haben?_vl_backlink=/home/index.do .
    Und weil das alles nicht wahr ist, oder nicht wahr sein darf, schlage ich vor:
    1) Rückfragen bei Frau Schuster,
    2) Verleihung des diamantenen Pharmaordens am goldenen Nasenring (um eine bescheidene Anleihe bei der Wortwahl Unterbergers zu nehmen) für Frau Schuster.

    • inge schuster
      08. April 2012 01:21

      Es gibt eben viele bestechliche Menschen, darunter leider auch manche Ärzte.

      Ebenso zeigt mir Ihr posting, daß sich auch unter Buddhisten Personen mit sehr hohem Aggressionspotential befinden können.

    • Buddhistenfreund (kein Partner)
      08. April 2012 07:13

      Aber, aber, Herr Tripes! Etwas mehr Gelassenheit!

      Was meinen Sie denn, "dürfe nicht wahr sein" bei Frau Schuster? Dass unter 130.000 deutschen Ärzten gegen "dutzende" (sic!) wegen Bestechlichkeit ermittelt wird, wirft doch nun wirklich weder auf deutsche Ärzteschaft noch auf die Pharmabranche ein schlechtes Licht. Wir reden da vom Hundertstelprozent-Bereich, es handelt sich also vielmehr ganz klar um (widerwärtige) Einzeltäter auf beiden Seiten.

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      08. April 2012 13:35

      @ Schuster
      1) Mein Vorschlag auf die Rückfragemöglichkeit ist doch wohl emotionslos?
      2)Mein launiger Hinweis-übrigens der Diktion von Dr.Unterberger aus seinem jüngeren Beitrag entnommen - ist doch nicht bösartig, oder wollen Sie solches damit gleichzeitig Ihrem Mentor unterstellen?
      Vielleicht liebe Frau Schuster sollten Sie selbst in großer Gelassenheit einfach andere Meinungen zulassen, auch wenn diese nicht dem (manipulierten, könnte allenfalls Dr.Unterberger meinen?) Mainstream entsprechen.
      3)Merken Sie nicht, wie sie miese Stimmung zu verbreiten versuchen, wenn Sie mit untauglicher Keule Religionsargumente heranziehen, um Ihren Argumentationsgegner "brav" zu halten und so versuchen, Ihre Meinung durchzusetzen?

    • inge schuster
      08. April 2012 14:34

      @ET

      Zum ersten bin ich in meinen Fachgebieten ausreichend profiliert und auch bereits zu alt um noch irgendeinen Mentor zu benötigen!

      Zum zweiten bin nicht ich es, die "miese Stimmung zu verbreiten versucht", wenn ich auf Ihre überaus oberflächlichen, aus dubiosesten Quellen stammenden postings einigermaßen objektiv eingehe und dabei mich enthalte Sie an abschätzigen Formulierungen übertreffen zu wollen.

      Wenn wir uns auch seit Jahrzehnten uns im nördlichen Teil Kärntens sehr wohl fühlen und unsere näheren und weiteren Nachbarn sehr schätzen, diese durchaus für kritisch halten und an ihnen auch keine Anzeichen für Bildungsresistenz erkennen, kann man diese Eigenschaften offensichtlich nicht verallgemeinern. Kämpfen Sie also weiter Ihren erfolgreichen Kampf - nein nicht gegen Windmühlen - sondern gegen Handymasten!

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      09. April 2012 14:06

      @Schuster
      Liebe Frau Schuster, es ist ja spaßig, wenn sie sich laufend wiederholen aber dennoch nicht wirklich auf Argumente eingehen.
      Wenn "dubiose Quellen" wie zB. Die Presse von bestechlichen Machenschaften berichtet, blenden Sie naturgemäß aus, daß es ja nicht nur bestechlich Ärzte sondern auch Bestecher geben muß. Meinen Sie wirklich, daß dies bloß die armen Pharmareferenten sind, die ohne Wissen der Geschäftsleitungen über enorme Gelder verfügen, um zu bestechen?

      In welchem Zusammenhang wohl der von der Österr. Ärztekammer wiederholt als gesundheitsschädlich (gegen Windmühlen?) beurteilte Mobilfunksmog mit dem ggstdl.Thema steht? Dazu fällt mir nur ein, daß im gegenwärtigen parl.U-Ausschuß ersichtlich wurde, wie man ebenfalls mit Geldzuwendungen Gesetze stricken kann. Wollen Sie das Thema Bestechlichkeit also bloß in die Richtung zu anderen Lobbys ablenken?

    • inge schuster
      09. April 2012 22:18

      @ET

      WHO statement*: “A large number of studies have been performed over the last two decades to assess whether mobile phones pose a potential health risk. To date, no adverse health effects have been established as being caused by mobile phone use"

      *Open article: WHO Fact Sheet: Electromagnetic fields and public health: mobile phones June 2011: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs193/en/index.html #

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      10. April 2012 16:32

      @Schuster
      Sobald ich mit meinem neuen PC wieder auf den Thesaurus meiner Dateien zugreifen kann, darf ich mich zum Thema Mobilfunkstudien melden.
      Macht wirklich Spaß, mit Ihnen auch zu einem anderen Thema zu diskutieren.

  35. Erwin Tripes (kein Partner)
    22. März 2012 11:20

    @ Schuster u. phaidros
    Na jetzt bin ich aber bekehrt.
    Ich werde daher sofort den mir bekannten Ärzten, die zB von Impfungen abraten, jedoch als Amtsarzt dennoch verschwiegen impfen müssen, die Frage vorlegen, wieso sie sich nicht pharmakonform und der westlichen schulmedizinischen Ethik entsprechend verhalten wollen. Und die mir bekannten Ärzte mit Hausapotheke werde ich fragen, wieso einfach die Vorzimmerhilfe die Medikamente ausgibt, ohne daß der Patient beim Arzt zur Konsultation erscheinen muß.
    Aber all das sind ja nur bescheiden Einzelfälle.
    Ebenso werde ich sofort das Buch des bösen Einzeltäters „Nebenwirkung Tod“ verbrennen und keine Warnhinweise der Gesundheitsbehörde zu längst erforschten harmlosen Medikamenten mehr lesen und die Ihnen von mir genannten Fakten samt Belegsnachweis löschen.
    Jetzt weiß ich endlich, daß die laufende Zurückziehung von so gut erforschten Medikamenten bloß dafür spricht, daß eben die zahlreichen übrigen am Markt befindlichen ebenso gut sein müssen, bis halt das eine oder andere zurückgezogen werden muß, weil dies der Feldversuch an einer großen Schafherde schrittweise erzwingt.
    „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ (Albert Einstein) ?
    Und Goethe hat einmal gesagt: „Wer die Menschen betrügen will, muss vor allen Dingen das Absurde plausibel machen.“
    Aber das passiert ja, wie etwa alle kritischen Blogleser wissen, gar nicht.
    Ob ich aber hinkünftig von so bösen Verschwörungstheorien ablassen kann?

    • phaidros
      22. März 2012 16:35

      Sehr geehrter Dr. Tripes, wenn Ihnen irgendeine äußere Form eines Postings von mir Anlass zu solichem beißenden, spöttischen Zynismus war, so entschuldige ich mich dafür (kann ihn aber weder äußerlich noch inhaltlich entdecken).

      Zur Sache möchte ich noch festhalten, dass man nicht eine Branche pauschal verurteilen sollte für individuelle Verfehlungen (die selbstverständlich verfolgt gehörten). Schließlich gibt es auch unter Anwälten Honorarritter, unter Staatsanwälten Maulwürfe und unter Richtern willfährige und bestechliche Helfershelfer. Und trotzdem ist unser Justizsystem im Großen und Ganzen von der Konzeption her durchaus in Ordnung.

      BG phaidros.vie@gmail.com

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      24. März 2012 12:35

      @ phaidos, Sie haben mich weder gekränkt noch verletzt. Meine etwas ironische Antwort erging deshalb auch an Sie,weil Sie intensiver an der Diskussion teilgenommen haben.
      Sie haben recht,schwarze Schafe und Honorarritter gibt es unzählige in jeder Branche.
      Nur die Fehler der einen und darauf wollte ich ua hinaus,deckt halt oftmals der grüne Rasen zu, bei den anderen hat man im grosso modo funktionierenden Rechtssystem Österreichs eine Chance.

    • inge schuster
      26. März 2012 16:59

      @ET

      Ja, Sie gehören wahrhaftig zur Kaste der Verschwörungstheoretiker und das nicht nur auf Grund Ihrer mehr als skurrilen Ansichten und Quellen, aus denen Sie schöpfen.

      Die Frage „wieso einfach die Vorzimmerhilfe die Medikamente ausgibt, ohne daß der Patient beim Arzt zur Konsultation erscheinen muß“, sollten Sie Ihren „bekannten Ärzten“ stellen. Ich bin zwar kein Mediziner, kenne aber doch eine ganze Reihe höchst seriöser Mediziner, die - an der Front ihres jeweiligen Gebietes stehend - den Kontakt zu ihren Patienten noch nicht verloren haben und diesen primär auch nicht nur Medikamente verschreiben.

      Wenn Ihre „bekannten Ärzte“ und Impfgegner anläßlich ihrer Promotion den Hippokratischen Eid abgelegt haben "Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil, sie schützen vor allem, was ihnen Schaden und Unrecht zufügen könnte“, wieso handeln diese nun „verschwiegen“ in nach ihrer Meinung gegenteiliger Weise? Müßten sie nicht – ihrem Dharma folgend – diese für den Einzelfall und die Gesellschaft so entsetzlich schädlichen Handlungen ablehnen?

      Nun, ich bin im 2. Weltkrieg in Wien aufgewachsen – der Großteil von uns hatte TB, damals ohne eine wirklich erfolgsversprechende Behandlungsmöglichkeit. In dem Haus, in dem wir damals wohnten, litten beispielsweise zwei Parteien an offener TB (offensichtlich wurde ich von diesen auch infiziert) und starben bald daran. In den Schulen grassierten Infektionskrankheiten – Masern, Diphtherie, Scharlach, Keuchhusten, Polio, Influenza, Pneumonien,... - und diese forderten auch nicht zu wenige Todesopfer. Eine schwerkranke Schulfreundin, der ich über viele Wochen Informationen und meine Schulhefte zum Nachschreiben brachte, hat überlebt, ebenso wie ihr Bruder, der nach ausgestandener Polio sich allerdings nur mehr auf Krücken fortbewegen konnte. Unsere Krankheiten waren dabei zweifellos nicht durch mangelnde Zuwendung unserer Mütter verursacht, der Großteil von diesen entsprach ja dem Ideal dieser Zeit der „Nur-Hausfrau“.

      Viele der früher sehr gefährlichen, teilweise letal ausgehenden Infektionen sind heute kaum mehr problematisch, dank höchst erfolgreicher Impfstrategien und medikamentöser Behandlung. Bei Erregern, die nur durch den Menschen weitergegeben werden, ist durch konsequente Impf- und Bekämpfungs-programme eine Ausrottung der Erreger möglich, wie z.B. im Fall der Pocken (in den 1960er Jahren gab es in Europa noch Epidemien, 1980 erklärte die WHO die Welt für pockenfrei).

      Wenn allerdings die Durchimpfungsrate sinkt, nehmen die Erkrankungszahlen bei nahezu ausgestorben geglaubten, ansteckenden Krankheiten wieder erheblich zu, wie z.B. Epidemien von Diphtherie oder Masern eindrucksvoll zeigen (rezente Masernepidemien in Waldorfschulen, welche Impfungen ablehnen). Auch, wenn heute für die eine oder andere ansteckende Krankheit in Österreich nur wenige Fälle gemeldet werden, so steigt bei einer niedrigen Impfrate die Gefahr auf dem Weg von Tourismus, Migration duch eingeschleppte Seuchen infiziert zu werden.

      Nebenwirkungen? Wie jedes Medikament können auch Impfungen Nebenwirkungen hervorrufen. Zum Glück treten diese sehr selten und noch seltener in schwerer Form auf. Verlässliche Information zu Häufigkeit und Art der
      Impfnebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen sind in einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Inbstituts nachzulesen (Bundesgesundheitsbl 2011 · 54:357–364, DOI 10.1007/s00103-010-1234-5, Online publiziert: 23. Februar 2011; http://www.rki.de/cln_109/nn_199626/DE/Content/Infekt/Impfen/Nebenwirkungen/Impfnebenwirkungen__Kinder__Jugend__01,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Impfnebenwirkungen_Kinder_Jugend_01.pdf ).

      Über die aktuelle, generelle Situation bei Infektionskrankheiten in allen Ländern Europas gibt der Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control Auskunft an Hand ausführlichern Statistiken: „Annual epidemiological report Reporting on 2009 surveillance data and 2010 epidemic intelligence data 2011“ www.ecdc.europa.eu

  36. Erwin Tripes (kein Partner)
    17. März 2012 20:11

    29 Jahre Tätigkeit bei einem Pharmakonzern haben die Autorin offenkundig geprägt.
    Wenn man den Artikel liest, kommen einem die Tränen, so groß wird das Mitleid mit dieser Industrie. Nur um die ehemalige Firma der Autorin zu erwähnen:
    Novartis zB erwirtschaftet seit Jahren Rekordgewinne, so auch im Jahr 2011: Der Reingewinn betrug 13,5 Milliarden US-Dollar (12 Prozent mehr als im Vorjahr)!!!
    Natürlich wird nicht zugegeben, ja darf nicht zugegeben werden, was für kriminelle Dinge angeblich auch in der Pharmabranche passieren, wobei natürlich die Unschuldsvermutung gilt.
    So werde ich mit meiner kritischen Sichtweise sicherlich gleich als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt werden, obwohl die wirklichen Verschwörer vielleicht gerade in dieser Branche Platz haben?
    Liest man sich nämlich nur die rd. wöchentlich herausgegebenen Warnhinweise des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen an die Ärzteschaft betreffend Schädlichkeit und Gesundheitsrisken verschiedener längst zugelassener Medikamente durch – diese „Heilmittel“ werden offensichtlich trotz langem Prüfverfahren nur durchgewunken - , ahnt man, was im Hintergrund passiert. Die breite Öffentlichkeit wird davon naturgemäß nicht informiert.
    ZB über STRATTERA zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab 6 Jahren und bei Jugendlichen.
    Diese „Krankheit“ wurde vor nicht allzu langer Zeit erfunden. Weil praktisch jedes gesunde, geistig muntere Kind unter die von der Pharmaindustrie aufgestellten Kriterien dieser Krankheit fällt, hatte die Industrie dann gleich das richtige Medikament geschaffen. Merkwürdig?
    Eine sichere Aussage über die Prävalenz dieser Krankheit ist jedoch bekanntlich nicht möglich.
    Sieh etwa auch zum Thema wie die Virologen Krankheiten schaffen unter: http://www.youtube.com/watch?v=xXWWOTBcHDA .

    • inge schuster
      18. März 2012 19:17

      Lieber Herr Tripes,

      Bedauerlicherweise muß ich Ihnen mitteilen, daß meine „Prägung“ in Richtung „akademische Forschung“ passiert ist und das immerhin über eine Dauer von 6 Jahren bereits vor meinem Eintritt in Sandoz (nach der 1997 erfolgten Fusion mit Ciba-Geigy in Novartis umbenannt). Dabei konnte ich glücklicherweise einige Zeit an einem europäischen Spitzeninstitut verbringen.

      Meine langjährige Tätigkeit bei Novartis war ebenfalls Forschung, wobei ich das Glück hatte in mehreren Gebieten auch Grundlagenforschung betreiben zu können (immerhin habe ich rund 20 Studenten – Diplomanden , Doktoranden, PostDoc, etc.- betreut). Daß ich in der langen Zeit auch vertraut wurde mit Strategien zur Auffindung und Entwicklung neuer Wirkstoffe, ebenso wie mit den äußerst rigiden Anforderungen dieser Wirkstoffe hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und einem möglichst geringen Potential an Nebenwirkungen, ist wohl verständlich.

      Nun, nach meinem Ausscheiden aus Novartis bin ich seit rund 13 Jahre wieder der akademischen Forschung zuzuordnen, verfolge und diskutiere selbstverständlich aber auch Strategien, Erfolge, Mißerfolge, ethische Prinzipien und wirtschaftliche Entwicklung von Pharma (zu diesen Themen halte ich auch Vorlesungen).

      Ohne Selbstüberschätzung denke ich, daß mein Background es erlaubt seriös und einigermaßen objektiv über Pharma und Wert und Unwert von Arzneimitteln Auskunft geben zu können.

      Meinen ehemaligen Arbeitsgeber sehe ich dabei durchaus kritisch – immerhin wurde in den 80er-Jahren aus nahezu heiterem Himmel und innerhalb von drei Wochen unser Forschungsinstitut in Wien um 50 % geschrumpft, immerhin wurde es trotz großer Erfolge vor 4 Jahren geschlossen um Kapazitäten freizumachen für in Asien zu errichtende Institutionen. Andererseits hat Novartis aber – um nur zwei hervorstechende neue Erfolge zu nennen - mit Gleevec ein bahnbrechendes neues Medikament auf den Markt gebracht, das in der ansonsten letal verlaufenden chronischen myeloischen Leukämie (etwa 20 % aller Leukämieerkrankungen) Patienten ein nahezu problemfreies Leben beschert und mit dem nun neu eingeführten Gilenya ein den bis jetzt vorhandenen Therapien der multiplen Sklerose weit überlegenes Medikament.

      Zu Ihren einzelnen Punkten:

      ---- „Novartis zB erwirtschaftet seit Jahren Rekordgewinne, so auch im Jahr 2011“:

      Pharma wird ausschließlich von privater Hand finanziert, muß also positiv bilanzieren um weiterbestehen zu können. Konkret zu Novartis:

      Ein Wachstum von insgesamt 12 % ist natürlich beeindruckend. Allerdings ist der Pharmazeutikasektor „nur“ um 4 % gewachsen, wesentlich stärker dagegen Diversifikationen (Sandoz – Generika 7 %, Alcon – Ophthalmologie-Produkte 7 %. Vaccinen nb.: Alcon ist seit 2011 eingegliedert in Novartis ). Wenn Sie die Daten ansehen, werden Sie auch bemerken, wo Wachstum stattfindet („+21% CC growth in emerging markets“). (Alle Details: http://www.novartis.com/downloads/investors/financial-results/quarterly-results/q4-2011-investor-presentation.pdf ).
      Wie auch andere Pharma-Multis erwartet Novartis derzeit kräftige Einbußen in der Höhe von mehreren Milliarden $ durch das Auslaufen der Patente von Blockbustern (u.a. Femara, Diovan). Man hofft diese Negativa abfedern zu können mit steigenden Erlösen aus neu zugelassenen Präparaten (vor allem gegen seltene Krankheiten), verstärkter Präsenz auf den „emerging markets“ und – wie auch anderswo – mit der Reduktion von Personal und Einrichtungen (January 13, 2012 www-nj.com: „Novartis announced today it plans to cut 1,960 jobs in the U.S., hundreds of which are based in New Jersey, as part of a broad restructuring.)

      - „Natürlich wird nicht zugegeben, ja darf nicht zugegeben werden, was für kriminelle Dinge angeblich auch in der Pharmabranche passieren“

      Diese infame Verallgemeinerung entbehrt jeglicher Grundlage. Sie haben offensichtlich keine Ahnung, wie rigoros Anforderungen an Protokolle, Studien und Dokumentationen sind, wie rigoros Zulassungen durch Behörden gehandhabt werden!

      - „Die breite Öffentlichkeit wird davon naturgemäß nicht informiert ZB über STRATTERA zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern.“

      Vermutlich können Sie mit den Informationen am Beipackzettel nichts anfangen! Hier sind bekannte Nebenwirkungen nach Häufigkeit aufgelistet. Dazu muß aber natürlich klargestellt werden, daß jedes Medikament auch Nebenwirkungen verursachen kann und es immer einer Risikoabwägung bedarf – Schwere der Erkrankung versus Risiko von Nebenwirkungen. Hinsichtlich Strattera finden Sie übrigens hervorragende Information im Netdoktor, der ja von der Öffentlichkeit durchaus häufig frequentiert wird (http://www.netdoktor.de/Medikamente/Strattera-r-Hartkapseln-100011924.html ).
      Im übrigen sollten wohl in erster Linie Ärzte eine Risikoabwägung vollziehen, ob und welche Medikamente im gegebenen Fall angewendet werden können. Eine Liste kontinuierlich aktualisierter, möglicherweise problematischer Medikamente (mit „Black-Box-Warning“), die einer sorgfältigen zu unterziehen sind, findet man jedenfalls unter https://blackboxrx.com/app/index/A

      Ihr letzter Hinweis zu dem Video von Johann Loibner:

      Vor diesem „Arzt“ kann nur gewarnt werden. Er ignoriert eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse und verbreitet ohne jede seriöse Evidenz himmelschreienden Unsinn (vor allem Unwirksamkeit von Impfungen gegen Pocken, Tetanus, HPV,...). Dies hat bereits zu einem gültigen Berufsverbot geführt.

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      19. März 2012 10:49

      Liebe Frau Schuster,
      da Sie Ihre PR-gleichen Aussagen nun etwas verbreitern, darf auch ich etwas ausführlicher werden.
      Sie haben nur übersehen, daß ich nicht generalisiert sonder auf einzelne, allerdings häufig auftretende Missstände, wie zB den beinahe wöchentlichen Warnhinweis zu längst zugelassenen und angeblich bestens erforschten Medikamenten, hingewiesen habe.
      Natürlich räume ich gerne ein, daß es zB keinen Conterganskandal etc. gegeben hat, oder war da was? ( In einer am Mittwoch veröffentlichten Eilentscheidung wiesen die Karlsruher Richter die Klagen des Contergan-Herstellers Grünenthal sowie eines Anwalts ab. Die Beschwerdeführer hatten versucht, den zur Sendung am 7. und 8. November vorgesehenen Film des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gerichtlich stoppen zu lassen. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/bundesverfassungsgericht-contergan-film-des-wdr-darf-ausgestrahlt-werden-1463369.html ).
      Auf meine infame Kernkritik, nämlich das offensichtliche Durchwinken höchst mühsam erforschter Medikamente, die dann im Nachhinein, entweder zurückgezogen, oder aber mit erschreckenden Warnhinweisen ergänzt werden müssen, oder auf die Problematik zu ADHS gehen Sie wohlweislich gar nicht ein.
      Mit der Lektüre von Medikamentenbeipackzetteln habe ich übrigens keinerlei Probleme, zumal ich schon länger als 10 Jahre in den selten erforderlichen Fällen lediglich Tibetische und /oder Homöopathische Medizin verwende. Da gibt es praktisch keine Nebenwirkungen.
      Offensichtlich haben aber Sie selbst Probleme, weil Sie diese offenkundigen Fakten einfach übergehen.
      Wenn man gegen Monopolorganisationen, die das Zwangszunftwesen nunmehr in den österr. Verfassungsrang gehoben haben, argumentiert, wird klarerweise bald ein Berufsverbot verhängt, so wie man halt als Ketzer zB von der Kath. Kirche ausgeschlossen wird, wenn man dogmatisch verzapfte Wahrheiten kritisch hinterfragt, selbstständig zu denken anfängt, folgen Exkommunikation, Verlust des Lehramtes, Existenzvernichtung.
      Betriebswirtschaftlich kann ich diese Industrie leider auch nicht bedauern, weil man ja Jahrzehnte vorher weiß, wann ein Patent ausläuft und daher vorsorgen kann. Dafür hat man 20 Jahre lang mit Monopolpreisen blendendst verdient.
      Zu konkreten Beispielen:
      Impfen: auch hier gibt es viele schwarze Ärzteschafe, die offensichtlich aus ärztlicher Unwissenheit generelle Impfungen wegen der damit verbundenen Gesundheitsgefährdung ablehnen, aber, wie zB ein mir bekannter aktiver Amtsarzt, impfen müssen. Wenn der das publik macht, ist auch er seine Stelle los.
      Über Tamiflugeschäfte lesen Sie weiter unter: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-01/tamiflu-cochrane-wirksamkeit .
      Blicken Sie nur etwa 5 Jahre zurück und lesen Sie weiter Beispiele aus: http://www.wissenswerkstatt.net/2007/12/11/risiken-nebenwirkungen-todesfaelle-medikamenten-und-pharmaskandale-des-jahres-2007-topliste-1-5/ :
      Risiken, Nebenwirkungen, Todesfälle » Medikamenten- und Pharmaskandale des Jahres 2007 | Topliste 1-5 Ex 2007
      Kurz vor Jahresende hat nun die Website "FiercePharma" eine Topliste der umsatzstärksten Medikamente2 zusammengestellt, die im Jahr 2007 aufgrund von neuen Studien heftig in die Kritik gerieten oder sich als gesundheitsgefährdend erwiesen haben.
      Rangliste der Medikamente, deren Risiken im Jahr 2007 zu einem Verkaufstop,
      Warnhinweisen oder Einschränkungen bzgl. der zulässigen Indikation führten:
      Plätze 1-5
      1. Antidepressiva – Verschiedene Hersteller
      Umsatz 2006: mehr als 20 Milliarden Dollar
      Suizidalität steigt bei Personen unter 24 Jahren deutlich an. FDA (2007): FDA Proposes New Warnings About Suicidal Thinking, Behavior in Young Adults Who Take Antidepressant Medications, 2. Mai 2007
      2. Epogen/Aranesp – Amgen4
      Anämiemittel / ESA | Umsatz 2006: mehr als 10 Milliarden Dollar
      Es steigt die Zahl von Infarkten und Herzinsuffizieren stark an. Dennoch bezahlte Amgen an US-Ärzte mehrere hundert Millionen Dollar, damit diese möglichst hohe Dosierungen verordneten. Besonders pikant bzw. skrupellos: die "New York Times" deckte im April auf, daß die Hersteller Prämien in der Höhe von hunderten Millionen Dollar an die Ärzte zahlten, damit diese höhere Dosierungen (die ja eben dann umso größere Risiken bedeuten) verschrieben. Bettina Wick-Urban: Gefährlich dickes Blut, Pharmazeutische Zeitung.
      Pitzke, Marc: Pharma reich, Arzt versorgt, Patient tot, SpiegelOnline, 10.5.2007
      3. Zyprexa – Lilly
      Psychopharmakum | Umsatz 2006: mehr als 4 Milliarden Dollar
      (Wirkstoff: Olanzapin) Das Psychopharmakum stand schon lange im Verdacht Gewichtszunahme, Stoffwechselstörungen und Diabetesneigung zu begünstigen. Außerdem wurde allgemein eine erhöhte Sterblichkeit und im speziellen ein signifikanter Anstieg der Suizidneigung berichtet.
      Der Pharmakonzern "Lilly" hatte seit 1999 Hinweise auf massive Nebenwirkungen, unterdrückte diese aber systematisch.
      Es war wiederum die "New York Times" (bzw. deren Reporter Alex Berenson), die in mehreren Artikeln nachwies, daß Lilly seit spätestens 1999 Kenntnis von diesen gravierenden Nebenwirkungen hatte, sämtliche Informationen darüber aber zu verschleiern suchte und teilweise aktiv unterdrückte. Die massiven Gesundheitsrisiken wurden aus Angst vor dem Verlust dieses Topsellers systematisch verharmlost. Im Jahr 2005 einigte man sich mit einigen Geschädigten auf die außergerichtliche Ausgleichszahlung von 1,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig fanden aber seitens Lilly Versuche statt, das Medikament Zyprexa auch für Demenzerkrankungen populär zu machen, also den Patientenkreis (entgegen der eigentlichen Indikation) zusätzlich zu erweitern
      Berenson, Alex (2006): Eli Lilly Said to Play Down Risk of Top Pill, New York Times, 17.12.2006
      4. Avandia – GlaxoSmithKline
      Blutzuckersenkendes Medikament | Umsatz: 3,4 Milliarden Dollar
      8 Jahre lang war der Blutzuckersenker Avianda (Wirkstoff: Rosiglitazon) einer der Top-Umsatzbringer des britischen Arzneimittelkonzerns GlaxoSmithKline. 42 klinische Studien kamen zum Schluß, daß Rosiglitazon das Herzinfarktrisiko signifikant erhöht.
      Die US-Arzneimittelbehörde FDA fährt allerdings derzeit auch noch einen Kuschelkurs, wie das Ärzteblatt vor 3 Wochen berichtet:
      Dt. Ärzteblatt: Avandia®: Warnhinweis der FDA zum möglichen Herzinfarktrisiko, 15.11.2007
      5. Actos – Takeda
      Blutzuckersenkendes Medikament | Umsatz: 3,05 Milliarden Dollar
      Das Medikament Actos ist in dieser Liste aufgeführt, da die FDA einen "Black-Box-Hinweis" bzgl. möglicher kardiovaskulärer Risiken anordnete.
      Dt. Ärzteblatt: Neue Meta-Analysen: Pioglitazon senkt, Rosiglitazon steigert Herzinfarktrisiko, 12.9.2007

      Oder lesen Sie nach in Nebenwirkung: Tod! Ein ehemaliger Pharmamanager packt aus.
      Dr. John Virapen ist ehemaliger Manager von Eli Lilly, einem der weltweit größten Pharmaunternehmen. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: “Nebenwirkung Tod: Korruption in der Pharma-Industrie”. Das Buch ist ein Bestseller und wurde bisher in 18 Sprachen übersetzt. Die Journalistin und Filmemacherin Anne Blumenthal interviewte Dr. John Virapen über seine Zeit in der pharmazeutischen Industrie.
      Mehr dazu unter: http://www.sein.de/archiv/2012/maerz-2012/nebenwirkung-tod.html
      und unter http://fullsizenews.wordpress.com/2012/03/ finden Sie jeweils die aktuellsten Infos zum Thema, über das die Mainstremapresse -aus welchen Gründen wohl – kaum berichtet.

      Jetzt schließe ich aber eingedenk meiner niederträchtig angeführten Beispiele, die ich noch seitenweise fortsetzten könnte.

    • phaidros
      19. März 2012 12:05

      Hr. Dr. Tripes (Sie sind Jurist, wenn ich richtig liege?), erachten Sie gelegentliche Warnhinweise bei (geratenen) 10.000en, wenn nicht 100.000en auf dem Markt befindlichen Substanzen nicht eher als normal? Zeigen die nicht im Gegenteil, dass die Branche grosso modo seriös arbeitet? Anders gefragt: wären Sie beruhigter, gäbe es nicht von Zeit zu Zeit derartige Rückholungen und Warnungen?

      Ob es bei homöopathischen Medikamenten (über Placebo-Effekte hinausgehende) Wirkungen und/oder Nebenbwirkungen gibt, wäre eine gänzlich andere Diskussion. Studien darüber sind oftmals leider schwerlich als objektiv einzustufen, führen doch sehr viele davon ganz rasch zu Auftraggebern wie DHU o.ä.

      Auf http://www.infomed.ch/screen_template.php?articleid=933 95%-CI 0,65-1,19), während die Studien mit konventionellen Interventionen einen signifikanten Effekt zeigten (OR 0,58; 95%- CI 0,39-0,85).

      BG phaidros.vie@gmail.com

      *) Der Selbstdeklaration nach »peer-reviewed independent non-profit publications«

    • phaidros
      19. März 2012 12:23

      Tut mir leid, das wurde wieder einmal völlig verstümmelt. Nochmals:

      Auf http://tinyurl.com/86ejkey fand ich dazu:

      Ergebnisse
      Es wurden 110 homöopathische Studien gefunden, die den Einschlusskriterien genügten und 110 Kontrollstudien mit konventionellen Interventionen gegenübergestellt. In beiden Gruppen zeigten die kleineren und qualitativ schlechteren Studien grössere Behandlungserfolge als die grösseren und besseren Studien. 21 homöopathische und 9 konventionelle Studien waren von höherer Qualität. Wurden nur die grösseren Studien von höherer Qualität berücksichtigt, ergab sich für die Studien mit homöopathischen Interventionen ein nicht-signifikanter Effekt («odds ratio» 0,88; 95%-CI 0,65-1,19), während die Studien mit konventionellen Interventionen einen signifikanten Effekt zeigten (OR 0,58; 95%- CI 0,39-0,85).

    • inge schuster
      20. März 2012 11:39

      Lieber Herr Tripes,

      Ihre postings sind ausgezeichnet durch die Fülle an Oberflächlichkeiten!

      Beispielsweise zeigt dies Ihr Einwand:
      „Betriebswirtschaftlich kann ich diese Industrie leider auch nicht bedauern, weil man ja Jahrzehnte vorher weiß, wann ein Patent ausläuft und daher vorsorgen kann. Dafür hat man 20 Jahre lang mit Monopolpreisen blendendst verdient.“

      Sie gehen hier von falschen Voraussetzungen aus. Internationale Patente werden üblicherweise eingereicht, wenn man sich zur Entwicklung einer Substanz entschließt, d.i. am Ende der präklinischen Phase. Bis zur (nicht sehr wahrscheinlichen) Registrierung dauert es dann im Schnitt noch rund 10 Jahre. Die Einführung bedeutet auch nicht gleich „blendendste Verdienste“ - das neue Präparat muß sich den Markt ja erst erobern. Wie ich in meinem Artikel geschrieben habe, bleiben bei einer Patentdauer von 20 Jahren nur wenige Jahre um die Entwicklungskosten wieder hereinzubringen, wobei dies 70 – 80 % der neu zugelassenen Medikamente nicht gelingt. Deren Gestehungskosten werden also von den wenigen Blockbustern getragen.

      Beispielsweise der Einwand:
      „Auf meine infame Kernkritik, nämlich das offensichtliche Durchwinken höchst mühsam erforschter Medikamente, die dann im Nachhinein, entweder zurückgezogen, oder aber mit erschreckenden Warnhinweisen ergänzt werden müssen, oder auf die Problematik zu ADHS gehen Sie wohlweislich gar nicht ein.“

      Zu diesen Punkten habe ich mich im posting 18.3. /19:17 ausführlichst geäußert – was offensichtlich von Ihnen aber nicht zur Kenntnis genommen wurde. Nochmals langsam zum Mitschreiben: Jedes Medikament kann z.T schwere Nebenwirkungen verursachen und es bedarf immer einer Abwägung – Schwere der Erkrankung versus mögliche Nebenwirkungen. Zu eben diesen Nebenwirkungen gibt es von mir übrigens einen Artikel im science-blog vom 17. November 2011.

      Hinzufügen möchte ich allerdings daß, auch bei einer sehr sorgfältigen klinischen Studie an bis zu 10 000 Patienten seltene Nebenwirkungen (Inzidenz < 1 : 5000) nicht erkannt werden können, wohl aber, wenn das Medikament am Markt ist und dann an Millionen Patienten angewandt wird. Daher gibt nach der Markteinführung eines neuen Präparates eine Phase der Pharmacovigilance. Hier werden von Ärzten, Pharmazeuten und anderem kompetentem Personal, ebenso wie von Patienten Nebenwirkungen an die Gesundheits-Behörden und den Hersteller weitergemeldet. (Für die EU gilt: “The legal framework of pharmacovigilance for drugs marketed within the EU is provided for in Regulation (EC) No 726/2004 with respect to centrally authorised medicinal products and in Directive 2001/83/EC with respect to nationally authorised medicinal products (including those authorised through the mutual recognition and decentralised systems).” http://ec.europa.eu/health/human-use/pharmacovigilance/index_en.htm ).

      Wenn sich ein Verdacht auf nicht tolerable Nebenwirkungen erhärtet, wird ein derartiges Medikament vom Markt genommen. Dies passiert bei etwa 3 % aller zugelassenen Produkte. In einigen Fällen konnte dann die Erforschung der Nebenwirkung zu einer neuen Anwendung des Medikaments in einem anderen Indikationsgebiet führen („Drug-Repositioning“), z.B. wird die Blockierung der Gefäßneubildung durch Contergan nun – unter rigiden Sicherheitsmaßnahmen - sehr erfolgreich u.a. in der Behandlung von Lepra und einigen Tumorerkrankungen eingesetzt.

      Zur oben angeführten Risikoabwägung: Steigen Sie etwa in kein Auto, weil es im Jahr 2010 laut Statistik Austria 35.348 Unfälle gab, bei denen 45.858 Personen verletzt und 552 getötet wurden? Verwenden Sie überhaupt ein Verkehrsmittel?

      Im übrigen zur Tibetischen Medizin: wenn diese auch seit alten Zeiten verwendet wird, so hat sich die Lebenserwartung der Tibeter erst in den letzten 60 Jahren – seit der Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten - von rund 35 auf 67 Jahre nahezu verdoppelt.

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      20. März 2012 15:05

      Liebe Frau Schuster, offensichtlich existiert in Ihrer Welt all das nicht, was nach Ihrer Auffassung nicht sein darf. Wenn dann mit noch so konkreten nachweisbaren Darlegungen gegen Ihre Ansicht argumentiert wird, zeihen Sie einen mit dem Versuch eines Killerargumentes einfach der Oberflächlichkeit.
      Lesen Sie halt einmal gründlich im zitierten Buch "Nebenwirkung Tod" , dem Werk eines Ihrer Ex-Branchenkollegen über die Korruption in der Pharmaindustrie nach.
      Mehr ist dazu nicht zu sagen.

    • phaidros
      21. März 2012 18:42

      Sehr geehrter Herr Dr. Tripes, zum einen haben Sie die Frage noch offen gelassen, ob Sie bei 10.000en Substanzen am Markt eine wöchentliche Warnung nicht schlichtweg erwarten würden. (In zwei Jahren wären das bei 10.000 Substanzen gerade einmal 1% - wie viele wirklich am Markt sind, weiß ich nicht. Aber wenn Frau Dr. Schuster von 3% spricht, so liefe das bei 10000 auf eine Warnung alle 2-3 Tage hinaus).

      Zum anderen meine ich, es gibt durchaus noch etwas zu sagen: es erhebt sich nämlich die Frage, wieso Virapen (der von Ihnen zitierte Autor des Buches »Nebenbwirkung Tod«) zu solch später Einsicht gelangt. Seine rührselige Geschichte nämlich seines 6-monatigen Kindes, das nach Impfverweigerung durch seine Frau der Klinik verwiesen wurde, was ihn vom Saulus zum Paulus gemacht haben soll, lässt bei mir nämlich alle Alarmglocken schrillen. Können Sie das glauben? Ich meine, ein hoher Repräsentant einer prominenten Pharmafirma wird für sein 6-monatiges Kind jede beliebige Behandlung in jeder beliebigen Privatklinik erhalten.

      Ich meine vielmehr, nehmen wir folgende drei Ingredienzien:
      ° Papier ist geduldig,
      ° bad news are good news und
      ° Bücher sollen sich verkaufen
      mischen wir sie ordentlich durch und gießen alles in die Form eines »aufklärenden Sachbuchs« - was erhalten wir da? (Gilt übrigens 1:1 für Klimathematiken). In diesem Fall besonders harmlos, da Virapen davon ausgehen kann, dass sein Buch rein gar nichts bewirken wird.

      BG phaidros.vie@gmail.com

    • inge schuster
      21. März 2012 19:17

      @ ET 20.3. 15:05

      Lieber Herr Tripes,

      John Virapens Buch "Side effects - death: Confessions of a pharma insider" habe ich gelesen.

      Kann man das, was dieser Mann, der von sich behauptet 35 Jahre Insider in der Pharma Branche gewesen zu sein, darin von sich gibt, ernst nehmen?

      Wenn Virapen sich zwischen 1981 - 1988 vom Pharma-Vertreter zum Verkaufsdirektor von Eli Lilly in Schweden (damals eine eher sehr kleine Niederlassung des Pharma-Multis) hochgearbeitet hat, ist dies prinzipiell eine beachtliche Leistung. Nicht aber sind die kriminellen Mittel akzeptabel, die er dazu angewandt hat: Betrug und Bestechung. Über lange Kapitel beschreibt er stolz seine Methode des Marketings:
      wie er erst Interessen und Hobbys seiner Kunden ausgeforscht hat um diese dann, auf Kosten von Lilly, durch entsprechende wertvolle Geschenke, Einladungen in Spitzenrestaurants, Urlaube (unter dem Motto Tagung) an ausgewählt elitären Orten bis hin zur Übergabe höherer Geldsummen gefügig machte. Als Managing Direktor hat er dann neue Pharmavertreter nach seinem Ebenbild herangezogen.

      Bereits 1988 (d.h. im Alter von 45 Jahren) wurde er für Lilly nicht mehr tragbar, in die Karibik versetzt und kurz darauf gefeuert. Daraufhin strengte er einen Prozeß gegen den Konzern an - wegen Rassismus und Diskriminierung auf Grund seiner indischen Abstammung und dunklen Hautfarbe - , den er verlor.

      Nach einem darauf folgenden, kurzen Intermezzo bei NovoNordisc (Ankurbeln des Verkaufs im Karibischen Raum in der ihm eigenen Vorgangsweise "Der Ausflug nach Las Vegas war gedacht um sie in gute Laune zu versetzen und ein positives Geschäftsklima zu erzeugen (übersetzt)") schreibt er: "Als ich schließlich genug hatte den "caddy" für einen Pharmakonzern zu spielen und etwas Zeit seit meinem Hinauswurf bei Eli Lilly vergangen war, machte ich mich selbstständig als Konsulent für Pharmafirmen (übersetzt)"

      Soweit also die "35-jährige Erfahrung", die ihn aber nicht hindert seinen Haß gegen Pharma mehr und mehr zu steigern. Sebst korrupt und kriminell überträgt er diese Eigenschaften auch auf alle Anderen in dieser Branche.

      Was für mich ebenso oder noch schwerer wiegt, sind aber seine Stellungnahmen zu Medikamenten und deren Nebenwirkungen. Nicht, daß ich nun alles, was es an Wirkstoffen gibt, für gut, effizient und harmlos halte (ich selbst besitze keine Hausapotheke). Das, was "der Experte" Virapen jedoch schreibt, zeugt - positiv ausgedrückt - von sehr großem Unverständnis. Dies ist bei seinem Background nicht verwunderlich: Ein abgebrochenes Medizinstudium in Nord-Irland ("intermediate degree"), Auftritte als Pop-Sänger, Gelegenheitsarbeiten und schließlich Einschulung als Pharma-Referent. Daß er kaum jemals einschlägige Literatur gelesen (und verstanden) hat, ist evident.

      Ob er nun den Verglech zwischen Vioxx und Benoxaprofen anstellt ("Vioxx ein Cox2-Inhibitor wie Benoxaprofen"), ob er sich gegen humanes Insulin ausspricht (wo es doch bereits Schweine-Insulin gab), ob er meint, daß Pharmaforschung nur dazu dient um für alte Hüte neue Patente zu erlangen,.....es ist eine skurille Mischung aus bewußt oder auch unbewußt gesetzten Verdrehungen und Unwahrheiten.

      Mehr ist dazu nicht zu sagen

  37. Peter (kein Partner)
    16. März 2012 23:10

    Dass die Pharmaindustrie in der Krise steckt hat vor allem folgende Ursache. Die Branche hat lange Zeit recht gut davon gelebt, daß von einem innovativen Molekül einfache Abwandlungen synthetisiert wurden, die dann relativ risikolos zum Arzneimittel entwickelt werden konnten (zB die Gruppe der PPIs mit Omeprazol, Pantoprazol etc.) Diese patentfähigen Folgeentwicklungen werden heute abwertend als Metoos bezeichnet. Die tatsächlich vorhanden Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen sind in klinischen Studien zu erschwinglichen Kosten kaum darstellbar, daher kann der Beweis für den erforderlichen Mehrwert einer neuen Substanz praktisch nie erbracht werden. Viele Kostenträger, darunter auch die Krankenkassen in Ö, verweigern derartigen Entwicklungen den Status einer Innovation und damit auch die Erstattung des früher üblichen Preisniveaus. Einzige Ausnahme stellen die USA dar, wo die Medikamentenpreise ca. doppelt so hoch sind wie in Europa. Nicht zuletzt deshalb haben sich die USA zum Dorado der Pharmahersteller entwickelt. US-amerikanische Firmen halten mittlerweile auch den größten Anteil an aktuellen und ehemaligen Blockbustern. Noch vor zwanzig Jahren war die Pharmaforschung eine europäische Domäne. Heute ist Europa zunehmend Provinz. Kenner der Branche warnen seit Jahren vor einer Entwicklung, an deren Ende eine Microsoft ähnliche Situation stehen könnte. Einige wenige US-amerikanische Pharmakonzerne bestimmen den weltweiten Pharmamarkt, diktieren die Preise und bestimmen, wer neue lebensrettende Medikamente erhält.

    • darwin (kein Partner)
      18. März 2012 23:27

      na, ganz so schlecht steht es in Europa aber nicht um die Pharmaindustrie! Nehmen sie die Top 10 Pharma-Konzerne her, dann gelten 6 davon als europäisch und weisen in Summe einen viel höheren Umsatz auf als die 4 US-Konzerne. (Natürlich sind alle diese Konzerne global players.)

  38. Grantiger Alter
    16. März 2012 06:54

    @phaidros:
    Könnten Sie bitte die Kürzel SW und M$ entschlüsseln?

    • phaidros
      16. März 2012 19:21

      Oh, ich bitte um Entschuldigung - das war völlig hirnlos von mir, ist nämlich Branchenslang. Die Auflösung ist ganz banal: SW = Software, M$ (scherzhaft) = MS, die Abkürzung von »Microsoft«.

  39. Schnabeltierfresser (kein Partner)
    15. März 2012 21:41

    Interessant. Wenn man sich die Stellenanzeigen in den einschlägigen Blättern der so ansieht, bekommt man den Eindruck, der Pharmabranche wären Krisen komplett fremd. Auch aus der 2008er-Krise ist sie, soweit ich weiß, als eine der wenigen Branchen mit einem Wachstum gekommen.

    • Schnabeltierfresser (kein Partner)
      19. März 2012 15:02

      Ich hatte die Entwicklung der Wertschöpfung aller Wirtschaftszweige während der Krise 2007-2009 analysiert und da war die Pharmazie in Europa eine von nur 2 oder 3 industriellen Wirtschaftsabteilungen, die ein Plus verzeichnete. Fand ich bemerkenswert.

  40. inge schuster
    12. März 2012 18:06

    @ phaidros

    "dass Projekte wie sich bewegende Ziele sind. Während man daran arbeitet ändern sich Umfeld und Notwendigkeiten."

    Genau das ist auch das große Problem in der Pharma, allerdings enorm verschärft durch die überaus langen Zeiten von F&E. In den rund 15 Jahren des F&E-Prozesses ändert sich einfach alles: die wissenschaftliche Basis eines Projekts und damit die zu verfolgenden Strategien, der tatsächliche Bedarf für das angepeilte Produkt, das Spektrum an "gefährlichen" Konkurrenten falls man in eine erfolgversprechende "Nische" vorgestoßen ist und - last but not least - die enorm wachsenden Anforderungen der Behörden.

    Aus eigener, bitterer Erfahrung: Jedesmal, wenn wir dachten die Latte glücklich erreicht und überwunden zu haben, war diese wieder ein Stück höher geworden!

    Dazu kommt, daß man ja erst in der klinischen Phase 2 - also nach rund 8 - 9 Jahren F&E und hunderten verbratenen Millionen € - einen ersten Eindruck erhält, ob man überhaupt eine Erfolgschance hat.

    Ich weiß nicht, ob irgendein anderer Tech/Hightech Zweig derart riskant ist, d.h. bei äusserst geringer Chance auf Erfolg so hohe Summen an Projekte mit ungewissem Ausgang bindet.

    (Wie wir aus der Geschichte wissen, war auch kürzerfristigen 10-Jahreplänen kaum jemals Erfolg beschieden.)

  41. DerTurm
    11. März 2012 11:04

    Eines der aktuell größten Probleme des Gesundheitswesens ist der Umstand, dass in vielen Ländern nahezu alle "Kranken Häuser" vom Staat betrieben werden, und die "Kranken Kassen" dem Staat gehören.

    Da die Sozial-Staaten (im Hayek'schen Sinn) in den letzten Jahren weit über die Verhältnisse gelebt haben, schulden sie nun auch den Lieferanten des Gesundheitswesens enorm viel Geld.

    Nicht nur in Spanien gibt es dieses Problem. Die griechische Regierung schuldete bereits im Frühjahr 2009 den Händlern von Medizinprodukten und Arzneimitteln dermaßen viel Geld, dass diese schließlich ein Lieferembargo verhängten.

    Binnen kurzer Zeit sagte die damalige Regierung zu, einen Teil der Schulden zu bezahlen. Die Bezahlung erfolgte damals allerdings in Staatsanleihen...

    In Ländern wie Kroatien, Bulgarien, Rumänien,... sind staatliche "Zahlungsziele" jenseits von 200 Tagen Usus.

    Das größte Problem von Pharma und Medizintechnik sind wieder einmal die staatlichen Eingriffe in das System.

    • inge schuster
      11. März 2012 18:58

      Die Staaten haben zweifellos einen beträchtlichen Anteil an der Pharma-Krise. Der größte Teil ist jedoch in den Firmen hausgemacht.

      Es haben überall fachfremde Manager überhand genommen, welche nun meinen, erfolgreiche Strategien z.B.der Auto-Branche oder des Bekleidungssektors auf die Pharma übertragen zu können. Dagegen sind fachkompetente Personen in Führungspositionen rar geworden. Der Druck, der heute durch den Zwang eines permanenten Einhaltens von timelines und milestones erzeugt wird, führt zu relativ unausgegorenen Projekten, welche dann spätestens in der klinischen Prüfung durchfallen. Wie es sich im letzten Jahrzehnt gezeigt hat, bringt es auch nichts, wenn immer mehr Geld in den R&D Bereich gepumpt wird. Hier könnte wohl nur eine Rückkehr zu kompetenten Entscheidungsträgern helfen!

    • phaidros
      12. März 2012 05:55

      @Schuster: hier kann eventuell die SW-Branche als Modell dienen: über lange Zeit waren Projektmeilensteine und die exaktestmögliche Einhaltung eines Projektplans das oberste Gebot! SW hatte allerdings immer schon den durchaus zweifelhaften Ruf, Probleme 1000x schneller lösen zu können, die es früher nicht gab, nicht erst, seit M$ die letzten Reste an Seriosität aus der Branche eliminierte*).

      Interessanterweise waren Hochsicherheitsbranchen wie Flug- und Raumfahrt die Pioniere, die als erste an diesen Strukturen rüttelten. Man erkannte, dass ein Jäger keinen Projektplan machen kann, wie er sein Gewehrstativ aufbauen und wie er die Waffe ausrichten muss, um einen Hasen zu schießen. Er wird seinen Plan zu 100% ausführen können, aber er wird verfehlen, worauf es ankommt: den Hasen.

      Umgelegt auf die SW-Entwicklung bedeutet das, dass Projekte wie sich bewegende Ziele sind. Während man daran arbeitet ändern sich Umfeld und Notwendigkeiten. Lernt man immer mehr Problemdetails immer besser kennen.

      Es haben sich daher in letzter Zeit zunehmend so genannte »Agile Prozesse« (wie XP oder Scrum, um nur zwei zu nennen) etabliert, die von festen Projektplänen immer mehr abgehen, und die Nichtvorhersagbarkeit des Entwicklungsprozesses in den Mittelpunkt rücken.

      So auf's erste Anschauen sehe ich keinen Grund, warum nicht auch gänzlich andere als SW-Entwicklungsprozesse von solchen Methoden profitieren könnten.

      BG phaidros.vie@gmail.com

      *) haben Sie schon gehört? Windows 8 soll eine völlig neue Benutzeroberfläche erhalten - mal ganz was Anderes nach völligen Paradigmenwechseln in der Bedienung in den Schritten Windows/NT => 95/2000 => Vista/ 7 jetzt bei 8 wieder alles ganz anders. Ob man in Redmond selbst keine genaue Vorstellung eines guten Userinterface hat? Steve Jobs formulierte es so: “The only problem with Microsoft is they just have no taste, they have absolutely no taste, and what that means is – I don’t mean that in a small way I mean that in a big way. In the sense that they they don’t think of original ideas and they don’t bring much culture into their product .. I have no problem with their success, they’ve earned their success for the most part. I have a problem with the fact that they just make really third rate products.”






verbleibende Zeichen: 2000

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden