1989: Jahr der europäischen Freude und der österreichischen Schande

Es sind ergreifende Bilder, die uns derzeit überall an den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der Diktaturen im Osten Europas erinnern. Jenseits der Event-Berichterstattung wird aber rundum allen unangenehmen Wahrheiten aus dem Weg gegangen. Vor allem von denjenigen, die in Hinblick auf ein anderes Mega-Verbrechen der Geschichte den Vorwurf der „unbewältigten Vergangenheit“ zu ihrem politischen Hauptberuf gemacht haben. Erfolgreich sind die Geschichtsverdränger auch in Hinblick auf österreichische Fehlleistungen.

Denn nirgendwo wird an das blamable Fehlverhalten von SPÖ und ÖGB rund um den Zusammenbruch des Kommunismus auch nur erinnert. Von Anton Benya bis Franz Vranitzky finden sich in den alten Akten aber demonstrative Solidaritätssignale an die alten Diktatoren. Und zwar auch zu einem Zeitpunkt, da politische Intelligenz schon die schweren Erschütterungen im osteuropäischen Gebälk erkennen konnte.

So hatte der ÖGB am Beginn  der 80er Jahre die Beziehungen zu den offiziellen Staatsgewerkschaften in Polen forciert und betont – obwohl damals die Solidarnosc, die frei gegründete Oppositionsgewerkschaft, schon Millionen Polen mobilisiert hat. Aber ÖGB-Chef Anton Benya waren unabhängige Gewerkschaften offenbar ein Gräuel.

Ebenso peinlich war das Festklammern von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Franz Vranitzky an der stalinistischen Führung der Tschechoslowakei. Er war der allerletzte Politiker der Welt, der noch Ende Oktober 1989 den tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Ladislav Adamek zu einem offiziellen Besuch empfing. Was in den tschechoslowakischen Medien als Signal „noch besserer Beziehungen zu Österreich“ und „gegenseitigen Respektes“ gefeiert wurde. Und bei Vranitzky Lob für die „gutnachbarschaftlichen Beziehungen“ auslöste, so wie er ein Jahr vorher bei einem Prag-Besuch von einer „grundlegend positiven Einstellung Österreichs gegenüber der CSSR“ gesprochen hatte.

Im Oktober 1989 waren hingegen Ungarn und Polen bereits in kleinen Schritten ins demokratische Lager gewechselt (aus Österreich haben sich freilich nur Erhard Busek, Alois Mock und die Paneuropa-Bewegung für die demokratischen Vorkämpfer engagiert). Und einen Monat später war die Friedhofsruhe der Prager Altkommunisten von der samtenen Revolution hinweggefegt gewesen.

Auch der Fall der Mauer löste bei Vranitzky seltsame Reaktionen aus. Denn er formulierte: „Für Österreich sei es wichtig zu erkennen, dass die helfenden und zusammenarbeitenden Hände in Richtung Osteuropas ausgestreckt werden müssen; dies gelte insbesondere für die DDR, einen der wichtigsten Handelspartner Österreichs. Es gelte, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die gute Außen- und Wirtschaftspolitik fortzusetzen“. Das alles NACH dem Fall der Mauer. Dementsprechend dauerte es auch bei der DDR nicht lange, und es gab keinen Partner mehr für diese „gute“ Außenpolitik. Und eine gute Wirtschaftspolitik der DDR hat außer Vranitzky auch schon vorher niemand gesehen.

Diese DDR-Liebe war in der SPÖ aber nicht nur auf Vranitzky beschränkt. So schrieb der damalige österreichische Botschafter Fritz Bauer, ein deklarierter SPÖ-Mann, in seinen Erinnerungen: „Wir haben weder gegen die Wiedervereinigung agitiert, noch haben wir sie in einem gewissen Zeitpunkt besonders begrüßt.“  Deutlicher geht es bei einem Diplomaten kaum.

Der Ex-Banker und Ex-Androsch-Sekretär Vranitzky war aber nicht lernfähig. Er beging 1991 beim Zerfall Jugoslawiens noch einmal denselben Fehler: Er lud noch im März den jugoslawischen Ministerpräsidenten Ante Markovic nach Österreich und lobte ihn als den „offiziellen Ansprechpartner Österreichs“, während in Slowenien und Kroatien schon die Vorbereitungen zur Unabhängigkeit in vollem Gang waren. Worüber alle Welt berichtete.

Vranitzky jedoch empfahl den damaligen Teilrepubliken Jugoslawien, sich zu einigen und unterstrich: „Jugoslawien ist für Österreich ein guter und geschätzter Nachbar.“ Er tadelte sogar seinen Parteifreund Peter Jankowitsch, einen wirklichen und undogmatischen Außenpolitik-Experten, der als Staatssekretär damals eine Internationalisierung der jugoslawischen Krise empfohlen hatte. Vranitzky zufolge waren das hingegen alles interne Angelegenheiten Jugoslawiens. Eine katastrophale Fehleinschätzung, die am Rande Mitschuld daran trug, dass Belgrad  im Sommer des Jahres den Krieg wagte, der Hunderttausenden das Leben gekostet hat.

Es gibt also gute Gründe, weshalb die Vergangenheitsbewältigung der SPÖ in der Regel bei 1945 aufhört. Alles Spätere wird einfach ignoriert. So wie Österreichs Schülern die Tatsache meist vorenthalten wird, dass der Kommunismus weltweit im Lauf der Jahrzehnte mindestens 80 Millionen Todesopfer auf dem Gewissen hat. Ähnlich ignorieren die Sozialdemokraten und die Armin Wolfs unserer Medien, die heuer ständig und freudig ein Ende der Marktwirtschaft verkündet haben, dass der Kommunismus vor allem an seinem völligen wirtschaftlichen Versagen kollabiert ist.

Haben sich in der SPÖ – nachdem man aufrechte Demokraten wie Franz Olah ausgeschlossen und verfolgt hat – offenbar die alte Gemeinsamkeiten mit den Kommunisten ausgewirkt? Immerhin haben die Sozialdemokraten sehr rasch alt-, reform-, exkommunistische Parteien in ihre Internationalen Verbände aufgenommen. Und immerhin nimmt jetzt der SPD-Ministerpräsident in Brandenburg vier ehemalige Stasi-Agenten in die neue Landesregierung auf. Also Menschen, die ihre Umwelt ausspioniert und der brutalen Verfolgung des Regimes überantwortet haben.

Das ist im Grunde nicht viel anders, als hätte man einst Gestapo-Agenten in eine Regierung aufgenommen. Bruno Kreiskys hatte zwar zeitweise vier bekannte Ex-Nazis in seiner Regierung. Aber zur menschlichen und moralischen Widerlichkeit eines Gestapo- oder Stasi-Agenten ist da noch ein weiter Weg.

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  1. Markus Kauffmann

    Zu dem Bild paßt, daß der einzige westliche Staatsmann der Welt, der sich weigerte, bei einem offiziellen Besuch in West–Berlin der Mauer einen Besuch abzustatten, der österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz war. Für alle anderen galt der protokollarisch vorgesehene Besuch der Mauer als Bekenntnis für die Freiheit und Demokratie sowie gegen die sozialistische Diktatur. Die SPÖ führte damals übrigens das Wörtchen “demokratisch” noch nicht in ihrem Namen, sondern nannte sich “sozialistisch”.

    Pech hatte nur der damalige Magistratsdirektor Bandion, dem von der Humboldt-Universität der DDR das Ehrendoktorat zwar zugesagt worden war, was aber dann durch den Fall der Mauer nicht mehr zustande kam.

    Ein ehemaliger DDR-Journalist sagte mir kürzlich: “Für die SED gehörte Österreich zu ‘den Guten’”…

    • Elisabeth Weiss

      Das verdanken wir unseren Sozialdemokraten, die ja bestimmt gute Geschäfte gemacht haben. Natürlich nur für das österreichische Volk zu gute.
      Seit diesen Geschäften konnte Elin keine Haushaltsgeräte verkaufen und wurde auch die eigene Landwirtschaft geschädigt, wegen der vorzüglichen Kompensationsgeschäfte.

  2. Nashwin Fuller

    Sie schreiben: “Es gibt also gute Gründe, weshalb die Vergangenheitsbewältigung der SPÖ in der Regel bei 1945 aufhört.”

    Also wenn das stimmt, dann wäre das schon ein gewaltiger Fortschritt. Bislang hatte man eher den Eindruck die Vergangenheitsbewältigung der SPÖ würde im März 1934 aufhören. Denn anstatt die zweifelhafte Rolle, die zB ein Herr Renner vier Jahre später gespielt hat, zu “bewältigen”, hat man lieber gleich die Parteiakademie nach ihm benannt.

    Apropos Landesverräter:
    Die freundliche Grundhaltung so mancher Vertreter der Sozialdemokratie gegenüber den kommunistischen Diktatoren mag nicht zuletzt auch an diversen persönlichen und geschäftlichen Naheverhältnissen mit gewissen Ostblock-Institutionen gelegen haben.

    Über Zilk darf man es ja inzwischen sagen, und wenn andere, die sich noch bei den Kasachen, nordkoreanischen Freundschaftsvereinen oder als Angestellte bei KGBProm tummeln, einmal nicht mehr bei uns sind, vielleicht auch irgendwann einmal…

    Da bekommt der Spruch gleich ein neue Bedeutung: “Wer hat uns verraten?…”

  3. MarioV

    Ohne die von Sozialdemokraten begonnene Annäherungspolitik gegenüber dem Osten wäre der friedliche Wandel nicht möglich gewesen.
    Wirkung ist eben wichtiger als (pseudo)moralische Erwägungen.

    • Elisabeth Weiss

      Ach Gott, Sie Träumer. Erst waren unsere Sozialisten Unterstützer der autoritären Regimes und haben mit ihren Geschäften dieser Planwirtschaft, die dem Untergang geweiht war, noch geholfen am Leben zu bleiben. Bereits 1979/80 hat es einen Aufbruch der Bevölkerung in diesen Ländern va Polen – unterstützt durch den polnischen Papst – gegeben. Es gab weitere Opfer (auch Todesopfer) in diesen Jahren. Das Verhalten einiger Verantwortungsträger in Ö war alles andere als tadelig zur Wendezeit. Sie waren ja beschäftigt ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und in die Nachwendezeit zu retten.

    • Erich Bauer

      Ohne die amerikanische “Todrüstungspolitik” hätte die europäische Annäherungspolitik zum (inter)nationalsozialistischen Europa geführt. Absurd genug? Oder doch noch ein bisschen plausibel?

    • Elisabeth Weiss

      @ Bauer
      Durchaus mitzubedenken.

    • Schnabeltierfresser

      Die Argumentation wird mittlerweile ad absurdum geführt, weil heute auch die glühendsten antisozialistischen Regierungen Geschäfte mit dem chinesischen KP-Regime machen.

    • MarioV

      Erst die Annäherungspolitik hat ein härteres Durchgreifen der Kommunisten verhindert.
      Sie war historisch richtig.

    • Elisabeth Weiss

      @Mario V
      Ihre Aussage ist ja wirklich gefährlich.
      “Erst die Annäherungspolitik an die Kommunisten hat ein härteres Durchgreifen verhindert.”
      Die Planwirtschaften mitsamt ihren Diktaturen waren gescheitert, keine Aussicht darauf das Volk ohne Gewalt ruhig zu halten. Bei Gewaltanwendung verlieren wir (die Kommunisten) alles, retten wir unser (vom Volk gestohlenes) Vermögen, ändern wir unsere Strategie, nutzen wir unsere durch den Geheimdienst aufgebauten Verbindungen.

      Das alles war oft nur reine Vernunftpolitik von Machthabern, die ihre Macht nicht verlieren wollten.

    • Elisabeth Weiss

      @Schnabeltierfresser
      Sind das wirklich antisozialistische Regierungen oder gibt es da noch eine andere Ebene?

    • Erich Bauer

      MarioV

      Und die Aufstellung der Pershing II, durch Helmut Schmidt hat die Kommunisten am”Durchgreifen” gehindert.

  4. Zu Jugoslawien: Bei aller Befürwortung des Unabhängigkeitsstrebens wäre es doch besser gewesen, man hätte:

    a) Volksabstimmungen in den Teilrepubliken und Bezirken über das Zugehörigkeitsverständnis der Einwohner abgehalten – u.zw. unter Inkaufnahme von sich daraus evtl ergebenden Enklaven.
    b) In Ruhe über die Aufteilung der “Konkursmasse” zwischen den Teilrepubliken verhandelt.
    c) Die Selbstbestimmung und damit das Zusammenschlussrecht ausnahmslos allen Parteien zuerkannt, und nicht nur den Sezessionisten.
    d) den Anspruch der Islamisten, als Nation behandelt zu werden, nicht ermutigt.
    d) Darauf verzichtet, in einer Art zu argumentieren, dass nur ein toter Kommunist ein guter Kommunist wäre – insbesondere da in Jugoslawien meines Wissens Privatwirtschaft ja schon längst etabliert war. (zugleich wird der VR China der A… gel… !)
    e) Die Stänkereien der protestierenden Studenten nicht derart aus dem Ausland bzw. über westlich orientierte Medien unterstützt, sondern sich mehr der nüchternen Frage zuwenden sollen, ob tatsächlich Manipulationen vorgelegen sind (das habe ich nicht mehr so genau im Gedächtnis, aber jedenfalls ließe sich so etwas nicht anhand der Anzahl von Protestierern entscheiden).

    Durch die Methode “speed kills”, also der Vorstellung des Westens, es müsse aufgrund einer “historic opportunity” alles wie bei einem Blitzkrieg ablaufen, wurden überhastete Reaktionen heraufbeschworen.

    • Elisabeth Weiss

      Das Problem in Jugoslawien war, dass die Serbenmafia und die Albanermafia diese Unabhängigkeitsbestrebungen genutzt, Joschka Fischer, auch Schröder spielten diesen in die Hände.

      Ich denke, alles in allem sind wir im Westen zahnlos in unseren Gesetzen ebendiesen organisierten Strukturen der Kriminalität Paroli zu bieten.

  5. Samtpfote

    12:59 Wassermeldone

    Es gibt
    - ein gewinnorientiertes Spekulieren z.B. auf den schwachen Dollar (verschulden in Dollar
    veranlagen in Euro, CHR etc.)
    - ein absicherungsorientiertes Spekulieren (Ihr Ölkaufbeispiel, Puts, Calls etc.)
    - es gibt ein staatliches Spekulieren auf die Gewinne/Steuern der oberen Beiden, sowie
    warten auf die Inflation
    - und es gibt die Unverbesserlichen:
    Link:

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/519435/index.do

    Es geht also schon wieder los.

    • wassermelonenfresser

      @ samtpfote 1322,

      ja schon, es geht wieder los. das habe ich weiter unten parenthetisch auch josef meierhofer geschrieben.

      ihre feinen unterscheidungen der spekulation kann ich nicht ganz nachvollziehen.absichern sei nicht gewinnorientiert?

      jedes wirtschaften (und daher auch absichern) ist gewinnorientiert. alles andere nennt man euphemistisch “gemeinwirtschaft”. dabei darf auch der staat unternehmer sein und bekommt in ein fass ohne boden fast beliebig viel geld für die entstehenden verluste. dass daher der staat eben kein geld kriegen soll, das er dann auch noch anlegen muss (”verspekuliert”, sagen sie wohl), versteht sich für mich von selbst.

      aber mit seinem wohlerworbenen eigentum sollte bitte schon jeder einigermassen machen dürfen, was er will. für seine eventuelle gier wird er ja dann durch verlust des eigentums gegebenenfalls bestraft. wen soll das sonst noch was angehen?

    • Samtpfote

      Wassermelone..

      Absichern kann man sich auch Zwecks Verlustminimierung! (puts, floors etc.).
      Dieses Recht steht Allen zu. Vernünftigerweise auch dem Staat, da ja unser Geld.
      Wenn Sie allerdings weniger Verlust auch als Gewinn sehen, so haben Sie recht.

  6. APM

    Aus dieser, im Kommentar beschriebenen Sicht ist auch die Causa Franz Olah zu sehen. Ihm , und alten mutigen “Kämpfer”- Sozialisten ist es verdanken dass Österreich, kaum vom nationalsozialistischen Sumpf befreit, NICHT im kommunistischem versank. Der “Sozialist” Broda erscheint da in einem recht schillernden Licht. Sollte die Geschichte der “Krone” mit ihrem “Protagonisten” Olah eine Art Racheakt an seiner Person gewesen sein? Es wäre interessant, wie A.U. als gelernter und nicht konformistischer Journalist diese Sache betrachtet.
    Welches Rauschen im damaligen (noch vorhandenem) Blätterwald! WAS WEIS die Jugend von dieser Geschichte?! Wie viel HASS, welche Verleumdungen erntete Olah dafür! Erst B.Kreisky fand spät, aber doch, versöhnliche Worte an ihn. In welchem österreichischem Geschichtsbuch wird diese Geschichte “nüchtern”l dargestellt?

  7. Silvia Berger

    Österreichs Schande? Ich als Österreicherin distanziere mich schärfstens vom Vorgehen der damaligen SPÖ-Granden in der Person Vranitzkys und seinem Umfeld.
    Ergo – es ist die Schande der damaligen Politiker, die nicht von ALLEN Österreichern gewählt wurden.
    Ich solidarisiere mich mit dem anderen Österreich, nämlich jenem Teil der Bevölkerung, welche im Burgenland wertvolle Hilfe für die geflüchteten DDR-Bürger leisteten und so die Entwicklung eines wiedervereinigten Deutschlands sowie in der Folge ganz Europas beschleunigten.
    Sie kompensieren zum Glück die Schande der genannten Genossen!

    • Leopold Koller

      Die Oesterreicher sind im internationalen Vergleich eine der spendabelsten Nationen fuer humanitaere Zwecke, wohlgemerkt: die Oesterreicher persoenlich, nicht der Staat. Wir haben uns als Volk grosszuegig und selbstlos verhalten, wenn es notwendig war und nicht weil es verlangt wurde. In 1956, 1968 und 1989.

      Ich habe mit dutzenden Leuten aus Tschechien, Slovakien, Ungarn, Polen, Kroatien und Slowenien zusammengearbeitet, alles Fluechtlinge, keiner hat je ein schlechtes Wort ueber Oesterreich verloren. Manche von ihnen trauern immer noch (ueberliefert von Eltern oder Grosseltern) dem Zerfall der Monarchie nach.

      Meine tschechische Lebensgefaehrtin fluechtete selbst von Jugoslawien ueber Triest nach Oesterreich und wanderte dann nach Canada aus.

      Im Mai 1989 war ich mit meinem neuen Arbeitgeber im Kleinbus auf dem Weg von Peterborough nach Ottawa. Die Belegschaft fuhr zum OHL-Playoff-Match zwischen den Peterborough Petes und den Ottawa 67’s. Er fragte mich, was ich ueber die Ereignissen in Osteuropa denke. Ich sagte ihm, dass der Kommunismus zu Ende ist, der Eiserne Vorhang und die Berliner Mauer fallen werden und Deutschland wiedervereinigt wird. Er hat mich angeschaut, als ob ich gerade aus einem Narrenhaus ausgebrochen waere.

      Dass einen Monat vor dem Fall der Mauer unser werter, sozialistischer Bundeskanzler einen kommunistischen Regierungschef offiziell empfaengt, spricht Baende. Dass er das zwei Jahre spaeter wiederholt, macht ihm zum Wiederholungstaeter. Als ich das las, glaubte ich selbst, gerade aus einem Narrenhaus ausgebrochen zu sein.

      Wenn man im (noch dazu nicht-europaeischen) Ausland lebt, hat man es oft schwer, Fragen ueber Oesterreich zu beantworten. Speziell wenn es um Politiker geht.

    • Gerhild Baron

      BRAVO ! SCHLIESSE MICH VOLLINHALTLICH AN !

    • Gerhild Baron

      Mein BRAVO, SCHLIESSE MICH VOLLINHALTLICH AN galt dem Beitrag von Frau Berger, gilt aber ebenso für den nächsten Beitrag, zu dem meine Antwort gestellt wurde.

    • Silvia Berger

      @Leopold Koller

      Selbstverständlich sind auch diese historischen Daten (= 1956, 1968) mit einzuschließen, die ich persönlich jedoch entweder gar nicht bzw. nicht so bewußt miterlebt habe, wie das Jahr 1989.
      Vielen Dank für die Ergänzung!
      LG

    • Schnabeltierfresser

      Wenn man im (noch dazu nicht-europaeischen) Ausland lebt, hat man es oft schwer, Fragen ueber Oesterreich zu beantworten. Speziell wenn es um Politiker geht.

      Ja, das musste ich auch feststellen, als ich in Spanien auf Wohnungssuche war, als sich das Kabinett Schüssel I formierte. Und es waren viele unangenehme Fragen dabei.

  8. Dr.Ulrich Rapp

    Der Rückblick erinnert uns so manche seltsame Wendung der österreichischen Außenpolitik. Man versteht Vorgänge dieser Art besser, wenn man an die Rolle einbezieht, die eine Herrn Vranitzky nicht ganz fremde Großbank bei dem überwiegend erfolgreichen Versuch gespielt hat, das von der SED den Bürgern der ehemaligen sogenannten DDR abgepresste Vermögen in ein anderes Land zu verschieben. Zu später Einsicht der österreichischen Sozialdemokraten führt das natürlich nicht. Das zeigt der Beschluss, einen Platz in der Wiener Innenstadt neu zu benennen. Der Platz heißt dann Informatorplatz.

    • beatrix

      Gysi schuldet heute noch Rechenschaft über den Verbleib der DDR-Milliarden, die in den dubiosen Kanälen eines syrischen “Geschäftsmannes” (Abdel Younes) und einer islamischen Religionsgemeinschaft versickert sind.

      http://www.news-and-links.de/6milliarden.htm

      Die linke Islamophilie hatte in der DDR offenbar eine treue Mutter.

    • Verstaubt diese Causa schon – Infoplatz – oder wird das doch alles “lückenlos” aufgeklärt, wie gefordert war? Man hört und liest nichts.

    • Dr.Ulrich Rapp

      beatrix: Für diesen Desinformationsversuch ist es zu spät.Es geht nicht um einen angeblichen syrischen “Geschäftsmann”, sondern um eine sehr österreichische Geschäftsfrau, die jetzt in Tel Aviv lebt und um eine damals auch sehr österreichische, jetzt einem italienischen Bankenkonzern gehörige Großbank. Und wenn bei einer Religionsgemeinschaft etwas versickert ist, dann war es in diesem Fall keine islamische.

  9. HAIMO,ELISABETH FÖGER

    Danke A.U. für den wichtigen Rückblick und danke auch für den Beitrag von J.Maierhofer (18,42).

  10. Samtpfote

    Schon Bismarck sagter:
    !Politik ist Aussenpolitik!

    So gesehen haben wir in Österreich nur eine Plebe-tik und keine Poli-tik.

  11. Josef Maierhofer

    Ich habe den Zusammenbruch des DDR. Regimes am Plattensee in Ungarn erlebt. In jedem Haus wurde Haus samt Grundstück für eine Zeltstadt für die (Ost-) Deutschen Urlauber zur Verfügung gestellt, so lange, bis sie über Österreich ausreisen durften. Am Ende wurde es dann schon ganz schön kühl in der Nacht.

    Menschen, die spontan entschieden haben, lieber alles zu Hause zu lassen, als nochmals nach Hause zurückzukehren. Eine Ungarische Regierung, die es trotz leidvoller Erfahrung mit diesem Apparat, geschafft hat, Position zu beziehen und Entscheidungen sofort richtig zu treffen.

    Ein Riesenunterschied zu den Parteibonzen und Apparatschiks der damaligen Zeit und ihren Sprüchen und Drohungen und, wie von Dr. Unterberger beschrieben, und ihren Aktionen.

    Es war für all diese Menschen eine Erlösung, als dann die Mauer fiel.

    Was so Apparatschiks und Parteisoldaten samt Bonzen dazu anrichten, haben alle diese Emotionen vor 20 Jahren gezeigt.

    Wenn Dr. Unterberger mit seinem Artikel daran erinnert und etwas tiefer blickt, dann finden wir alle Parallelen ja heute auch bei uns. Zensur, Parteiräson bis hinauf zum Kanzler, Aktion, Manipulation. Denken wir darüber nach !

    Danke für diesen Artikel zum Zeitthema !

  12. Samtpfote

    APM von 14:35
    und? wer hat die Arbeit aus ideologischen Gründen abgelehnt?

    Die damaligen Verhältnisse mit den 70er-Kreisky-Jahren zu vergleichen, halte ich für sehr gewagt!!

    Wie die von der ÖVP betriebene Privatisierung gezeigt hat, ist Apfalter “umsonst” gestorben. Aus einem (inklusive Intertrading-Skandal) toten Staatsbetrieb, ist einer der bedeutendsten internationalen Player für Spezialstahl geworden.

    War das Wort “Privatisierung! damals noch unbekannt?

    Kreisky war der falsche Mann, am falschen Ort zur falschen Zeit. Aber mit Stil.

    und

    Hr.Meierhofer 15:21

    40 Jahre, bei ca. 4% p.a. Durchschnittszinssatz, bei einer Zinseszinsrechnung, ergibt eh’ schon die Euro-Milliarde. Real!

    • Josef Maierhofer

      @ Samtpfote

      Richtig, anderes habe ich ja auch nicht geschrieben.

    • APM

      Einen Vergleich kann ich in meinem Kommentar nicht finden. Ich sprach lediglich davon dass ich jene Generation verstehen kann.
      Auch die berühmt berüchtigten “Privatisierungen” – ja, auch dieser Ausdruck muss verwendet werden – zeigt alles, nur nicht das, was man sich erhofft hat.
      Nun weiß jeder dem meine Ansichten bekannt sind, dass ich keineswegs ein Verfechter eines totalen Staatssystems bin. Nur: Es kann nicht sein, dass Gewinne privatisiert und Verluste verstaatlich werden.
      Ein prägnantes Beispiel: Ehemals KuK Privatbahnen, als die viel zitierte Haut beim…… nicht zusammen ging, “Staatsbahnen”, dann “Bundesbahnen”, und Jetzt? Man möchte die gewinnbringenden Teile privatisieren und die verlustbringenden die Allgemeinheit bezahlen lassen. Würde man dem Beispiel der Schweiz folgen wäre das ganz anders und effizienter. Aber dort STEHT die Politik dahinter. Bei uns? Liegt die Politik….

    • wassermelonenfresser

      @ ap, 19,55

      das ist eben der grosse fehler der politik und der staatsintervention, die verluste “zu verstaatlichzen”, aber da wird dann immer mit den arbeitsplätzen und der sozialen kälte argumentiert! in den konkurs gehen lasssen und von mir aus eine arbeitnehmerbegünstigende stiftung gründen (wenn das arbeitslosengeld spart, dieses soziale netz ist ja nun einmal derzeit standard), wie eben bei der quelle österreich, so ist es regulär…
      sie verkennen, glaube ich, wer nach dem verstaatlichen von verlusten schreit!

    • Josef Maierhofer

      @ APM

      Wenn es Staatsbahnen heisst, dann sind das Staatsbahnen mit allem, was dazugehört.

      Wenn es Privatbahnen heisst (Z.B. Grossbritannien, USA, …), dann ist das auch privat.

      Mein Zusatz:
      Staatsbahnen kann aber nicht heissen, dass sich ‘der Staat’ bedient, sondern kann doch nur heissen, dass der Staat damit dient.

    • Leopold Koller

      @ All

      Staatsbahnen vs. Privatbahnen.

      Da muss man doch schon was Grundlegendes unterscheiden. Es gibt ja, abgesehen von Postbus und OeBB-Spedition (die beide SOFORT privatisiert werden sollten), keinen Staats- oder Privatstrassenverkehr. Daher: sowohl Schienen- als auch Strassennetz sind Infrastruktur, welche vom Staat bereitzustellen und auf einem akzeptablen Niveau zu erhalten sind. Den Rest soll man dem Markt ueberlassen.

    • Josef Maierhofer

      @ Leopold Koller

      Das sehe ich nicht so. Die Asfinag (der Staat) baut Autobahnen und erhebt Gebühren.

      Die ÖBB(der Staat) baut Schienenstraßen und erhebt Gebühren.

      Natürlich kann man organisatorisch Teile auslagern, wie bei Asfing das Kassieren und Verrechnen und bei der Bahn den Kundenverkehr (Personen- und Lastverkehr)

      Letzlich gehört das ja alles sowieso dem Steuerzahler.

    • wassermelonenfresser

      @ j. maierhofer

      meiner meinung nach hat herr koller das richtig dargestellt (keine ironie, obwohl ich da offenbar leicht missverstanden werde – da muss ich dran arbeiten).

      ich habe bei ihrer (j.m.) betrachtung des staates hier schon mehrfach das gefühl, dass sie finden, sie seien ein teil davon und der staat sei quasi die gesamtheit der steuerzahler.

      ich kann das nicht so betrachten. für mich ist der staat zunächst genauso ein wirtschaftteilnehmer wie jeder andere, nur mit dem riesennachteil für die anderen, dass er kraft seiner lizenz zum zwang über (praktisch) unbegrenzte mittel verfügt. die holt er sich beim steuerzahler oder durch das anwerfen der notenpresse. in beiden fällen ist der bürger (der ja in den allermeisten fällen auch wirtschaftssubjekt, wie der staat, ist) der dumme, weil er steuerzahlenmuss oder sein geld entwertet wird.

    • Josef Maierhofer

      @ wassermelonefresser

      Steuer zahlt nur Otto Normalbürger (Arbeiter, Angestellter, Beamte formal – sie bekommen ja das Geld von der Steuer -, EPU, KMU), die Hälfte zahlt der ‘gruppenbesteuerte’ Betrieb, und fast nichts zahlt der Superreiche als Stiftung und überhaupt nichts der Steuerbefreite.

      Gäbe es das Transferkonto, könnten wir das transparent und direkt ablesen, aber das, so fürchte ich, wird es nie wirklich geben.

    • wassermelonenfresser

      @ josef maierhofer 12.16

      ich hab den eindruck, so haben da die wahren zahlen nicht so ganz präsent, oder können sie das belegen? vielleicht mache ich mir noch die mühe, selbst zu recherchieren.

      aber jedenfalls übersehen sie eines ganz sicher: die angeblich so günstig “gruppenbesteuerten” (darunter übrigens nicht wenige kmus) haben irgendwann zuletzt in der kette dann auch wieder natürliche personen als eigentümer, und die berappen dann ja doch länge mal breite. oder wo sonst kommt das steueraufkommen her? (übrigens: das aufkommen geht jetzt natürlich erheblich zurück und wird – angesichts der arbeitslosigkeit, die sich erhöhen wird – noch mehr zurückgehen, obwohl die ausgaben ebenso erheblich steigen werden. das wird erst ein heulen und zähneknirschen geben!)

      und da sie ohnehin so gegen die “bonzen”, könnten sie dann nicht die üble rolle des staates einmal versuchen, gründlicher zu hinterfragen?

      dass wir kein transferkonto kriegen werden, fürchte ich übrigens auch. je weniger transparenz, desto lieber ist es denen, die sie wahrscheinlich mit “bonzen” meinen. feymann war jedenfalls sofort dagegen und hat “sozialabbau” geschrieen. warum eigentlich?!

    • Leopold Koller

      @ Maierhofer

      “Das sehe ich nicht so.” Und dann beschreiben Sie es fast genauso, wie ich es sehe und oben meinte. Einziger Unterschied: Sie sagen “OeBB … KANN … den Personen- und Lastverkehr … auslagern”, ich sage “OeBB … SOLL … den Personen- und Lastverkehr … auslagern”.

  13. converso

    Na,na,der Franze hat auch sein Gutes.Er zeigt,daß es auch ein Linker zum Nadelstreif-Korruptionisten,pardon,Kapialisten bringen kann.
    Nicht vergessen, man sollte ihm auch als Verdienst seine originellen Sprachschöpfungen
    anrechnen.

  14. Elisabeth Weiss

    Die Diktaturen im Ostblock zu erhalten, dem standen handfeste Interessen einiger gegenüber. Ich denke, an die gesamten Kompensationsgeschäfte, die Österreich mit der DDR und anderen Ostblockländern machte, um die Staatsbetriebe am Leben zu halten. VOEST-Stahl gegen Schweine, damit haben sie die österreichische Landwirtschaft und auch andere Wirtschaftsbereiche geschädigt. Ich denke, da liegt noch sehr viel an Verschwendung und Bereicherung im Verborgenen. Vielleicht sollte das mal untersucht werden.

    • Josef Maierhofer

      Diese ‘Kompensationsgeschäfte’ kenne ich. Später war das dann auch ‘idustriell’. Und die Voest hat dann all diese Traktoren in Afrika verkauft. Ein Bekannter hat da damals auch mitgerabeitet.

      Schweine haben wir nie exportiert, zum Leidwesen unserer Landwirtschaft. Es wurde uns damals mit dem ‘Schweinezyklus’ erklärt, als die Preise dann gepurzelt sind und die Bauern den Schaden hatten.

  15. Gasthörer

    Schwimme ich mal alleine gegen den Strom. Die Öffnung des Eisernen Vorhanges war für uns doch der Anfang vom Ende.

    -Seither wachsen die linken Gutmenschen auf allen Bäumen grün. Vor 1989 konnte man sie mit Hinweis auf die Misere im Osten noch etwas klein halten.

    -Seither verlieren unsere Arbeiter/Angestellen an Kaufkraft, weil man dem Osten nicht mehr zeigen muss, dass es unseren kleinen Leuten besser geht.

    -Die Tschechen, welche einen Völkermord mit 250 000 Toten zu verantworten haben, hätte ich noch bis zum St. Nimmerleinstag schmoren lassen. Zumindest so lange, bis sie soviel Widergutmachung geleistet haben wie wir für unsere Schuld.

    So sieht Gerechtigkeit doch wirklich nicht aus, dass wir, die wir die Verführten in einem Unrechtsregim waren, trotzdem Widergutmachung und Gedenken bis zum Gettno leisten, und alles restituiern, ob zweifelsfrei geraubt oder auch nicht. Die Tschechen haben sich 1945 aus sich heraus entschieden zu vertreiben und zu morden – sie hatten kein Naziregim das sie dazu zwang, es war ihre freie Entscheidung.

    Und als Belohnung bekommen sie mittels EU-Strukturhilfe viele Millionen auch österreichischer EU-Nettobeträge.

    Wir deutschspr. Österreicher, der kleine seit 1918 andauernd getretene Rest, dessen Bürger als einzige das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht zuerkannt wurde, sollten erst einmal um unsere eigenen Verluste an Menschen und Gebiet betrauern lernen, bevor wir uns allzusehr für unsere einstigen Feinde einsetzen – der seelischen Hygiene wegen.

    • Elisabeth Weiss

      Dazu fehlen uns rückgratstarke Volksvertreter, die die Interessen Österreichs einmal vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof tragen sollten. Der müsste sich dann mal wirklich für Menschenrechte einsetzen und nicht für “Verrückte”, die ein Kreuz im Klassenzimmer nicht ertragen (übrigens die Richter des Urteils waren 4 aus dem ehemaligen Ostblock, 1 aus der Türkei und 2 aus Westeuropa).

    • Josef Maierhofer

      Ich stimme Ihren Ausführungen voll zu, weil das ja die Wahrheit ist. Dass es gegen den Strom ist, das ist traurig. Es müsste eigentlich mehrheitliche Zustimmung geben.

      Die im Leitartikel angesprochene Sozialdemokratie wäre da schon sehr gefordert, darüber ernstlich nachzudenken.

    • Sie schwimmen nicht allein, Gasthörer.

      Im Grunde stimme ich Ihnen in vielem zu und würde noch lieber zustimmen, wenn Sie mit Ihrem Namen für Ihre Meinung einstehen würden.

    • Leopold Koller

      Da sind Sie, Gasthoerer, wie man sieht, nicht allein. Haette das Selbstbestimmungsrecht der Voelker fuer Alle gegolten, dann waeren heute kleinere Staedte wie Krumlau (Cesky Krumlov), Heinrichsburg (Jindrichuv Hradec), Znaim (Znojmo), Breslau (Breclav), aber wahrscheinlich auch groessere wie Budweis (Ceske Budejovice) und Bruenn (Brno) bei Oesterreich, solche wie Pilsen (Plzen), Karlsbad (Karlovy Vary) und Aussig (Usti) bei Deutschland. Nicht zu vergessen, die Haelfte meiner Heimatstadt Gmuend (Ceske Velenice).

    • wassermelonenfresser

      @ dkfm. kyral (7.11., 20.54)

      so einfach ist das halt nicht, hier den echten namen zu verlangen.

      a.u. (”fragen und antworten”) hat das schon thematisiert und “schnabeltierfresser” hat zu recht vor einigen tagen darauf hingewiesen (an “Hans Mahr”), dass auch scheinbar echte namen gefälscht sein können. ich habe mich ziemlich am anfang aus genau diesen überlegungen zur nickvariante entschieden. ich bin nämlich für waffengleichheit!

      und schliesslich kann a.u. nicht einen detektiv ausschwärmen lassen, bevor er einen poster zulässt. deshalb scheint mir unter diesen umständen ein ehrlicher nickname immer noch besser als ein gefälschter bürgerlicher name.

    • @ wassermelonenfresser 11.58

      Ich hab den Kommentar von a.u. unter Fragen uind Antworten wohl gelesen und bin auch der Meinung, daß ein ehrlicher nickname besser ist als ein gefälschter bürgerlicher Name. Aber noch viel besser ist

      ein ehrlicher bürgerlicher Name!

      Vergleichen Sie einmal kritisch (was a.u. auch erwähnt), um wieviel disziplinierter, maßvoller und inhaltsreicher hier die bürgerlichen Namen gegenüber den diversen Nicks kommentieren und diskutieren.

      Freilich führt a.u. auch jene Ausnahmen an, die um ihre berufliche Existenz fürchten und zu einem Nick flüchten müssen, was wohl nur sehr wenige ernsthaft müssen.

    • wassermelonenfresser

      @ dkfm. kyral:

      danke für ihr verständnis.

      nebenbei: ich bilde mir wirklich ein, den nick nicht zu missbrauchen sondern genau so zu agieren, wie ich es tun würde, würde ich den bürgerlichen namen verwenden; und: ich fürchte tatsächlich, dass es meinem beruf nicht so ganz gut tun könnte (um die existenz fürchten müsste ich wohl nicht gleich, aber…)

      bitte rufen sie mich halt zur ordnung, wenn sie bei mir masslosigkeit, inhaltsleere und disziplinlosigkeit erkennen.

    • Traurig!

      Es lebe die freie Meinungsäußerung, aber bitte nicht nur auf dem Papier!

      Leider ist immer häufiger zu beobachten, dass Menschen, die den Willen der “Oberen” nicht teilen, diese Meinung auch noch kundtun, einer gewissen Repression ausgesetzt sind.

    • wassermelonenfresser

      @ brigitte imb

      naja, vielleicht bin ich auch zu übervorsichtig oder womöglich gar feig. (ich glaub nicht, aber wiess ich es selbst so genau?)

      ich seh das aber alles nicht so tragisch (ihr “traurig”).

      ich gebe noch zu bedenken:

      erstens sind nicks beim bloggen nicht unüblich und zweitens (das hat mich eigentlich vor allem bewogen) bin ich für waffengleichheit. warum sollen andere ganz frei von der leber weg argumentieren und ich würde vielleicht doch auf meinen hintergrund (beruf, familie uva) rücksicht nehmen müssen/wollen.

    • @wassermelonenfresser

      Das “traurig” bezieht sich nicht in erster Linie auf Ihr Verhalten anonym zu posten, sondern generell auf die Ängste der Menschen, es ist schon eine Tatsache, dass viele sich nicht “aufmucksen” trauen.

      Authentischer ist es sicher mit dem eigenen Namen für die Richtigkeit und Gewichtung der Aussage einzustehen, traurige Wahrheit scheint jedoch zu sein, dass Repressionen des Systems noch direkter zu Tage treten.

      Dies macht vielen Angst.

      Bei der immer schärfer werdenden Überwachung nützt ein Nickname in Wirklichkeit niemandem.

    • wassermelonenfresser

      @ b.imb 16.16

      sie würden mir also empfehlen, aus der reserve zu kommen? (ich meine die frage ganz ernst.) ich kann nämlich wirklich noch immer nicht ganz sehen, wer da was davon hätte, ausser möglicherweise ich nachteile.

      gerade habe ich allerdings in “ef” (eigentümlich frei), [grantig, weil eigentlich schon im aufbruch zu einem minderwillkommenen family-meeting] noch rasch einen artikel von andré lichtschlag gelesen, der meine stimmung erheblich verbessert hat: unter dem titel “eine trendwende zeichnet sich ab” hat er sich mit dem fall sarrazin auseinanddergesetzt. sehr lesenswert und wasser auch auf ihre mühlen, wo ich an sich vielleicht durchaus mahlen lassen würde.

    • @ w- melone

      Grundsätzlich wäre mir die “Entanonymisierung” aller poster sympathisch, aber ich bin nicht so intolerant um einen ‘nick’ nicht zu akzeptieren, zumal sich dieser poster, so wie Sie zu benehmen weiß.
      Ihrer persönl. Freiheit möchte ich nicht zu nahe rücken, obwohl schön wär´s schon….*gg*

      Anonyme Rundumschläge finde ich geschmacklos und feige.

      Danke für den Lesetipp, mal lesen – dann melde ich mich zum “Mahlen lassen”.

    • @ w- melone

      Vollinhaltliche Zustimmung zu André F. Lichtschlag´s Artikel.

      In “Ösien” ist man noch nicht so weit, da wird kalmiert bis zum Untergang und oftmals frage ich mich ob die Beschwichtiger cerebral bereits so degeneriert sind und ihre Fehleinschätzungen selber glauben.

      Da mit dem Mahlen lassen müssen´S mir aber erklären, soll ich etwa eine “Revolte” anzetteln? Naja, zum “Pferde stehlen” bin ich allemal geeignet, man müßt´s s´Revolterl halt ausprobieren. *gg*

      Mein Mann prophezeit mir schon länger, dass “sie” mich für mein Vorlautsein noch einsperren werden. Aber ich “pitzl” weiter!

    • @ wmf (wassermelonenfresser)
      Hoffentlich darf das so stehen bleiben, geschützte Marke *g*

      Das wichtigste Argument für nicht anonym fällt mir jetzt erst ein!! Alzi light *g*

      Was denken Sie hätte es bewirkt wenn Sarrazin unter Pseudonym wie z.B. “wmf” od. “E.L”, od. “Schnabelt.” ,..etc. dies alles von sich gegeben hätte?

    • wassermelonenfresser

      @ brigitte imb (8.11., 20:17)

      leider komme ich erst jetzt dazu, zu antworten. danke für die zuwendung!

      die geschützte marke aus württemberg ist freilich gut, aber da müsste wohl die metallwarenfabrik mitreden.

      ja eben, ich bin auch vorlaut und könnte wegen ungestümen benehmens (wenn ich meine, schlecht behandelt zu werden) leicht arretiert werden.

      dass ich zum mahlen kommen würde, hat nur bedeuten sollen, dass ich mich gerne belehren lasse, wenn man mich überzeugt. ich habe nicht die geringste hoffnung, dass ein revolterl was nützen würde. unsere mühlen mahlen zu langsam, aber vielleicht doch sicher (wie ja lichtschlag schon einmal für d. aufgezeigt hat). es geht nur durch den steten tropfen und die rundum-überzeugungsarbeit (danke für die werbung für das tagebuch, ich mach das auch so.)

      und wenn sarrazin unter einem nick dies alles von sich gegeben hätte, (dann hätte man ihn schon einmal in der “lettre international” gar nicht erst gedruckt, und) dann hätte das allerdings ungefähr soviel wirkung, wie wenn ich in diesem blog unter meinem bürgerlichen namen poste.

    • @wmf

      Ich muß nachdenken…..sonst kann ich nicht das letzte Wort haben….bin ja eine FrauIn.

    • wassermelonenfresser

      ich lasse ihnen gerne das letzte wort…
      (aber was machen sie da jetzt?!)

    • @ wmf

      Der Tag ist gerettet….Spaß beiseite.

      Ich würde halt gerne wissen mit wem ich mich unterhalte, zu meiner Person gibt es Infos. Finde ich einfach fairer, obwohl es andrereseits auch wiederum nicht so eklatant wichtig für mich ist.

      Über ein paar nette Zeilen werd´ich mich auch im Knast freuen. *gg*

  16. Josef Maierhofer

    Mir zeigt dieser Artikel als sozusagen ‘unverdorbener’ und ‘unbeleckter’ Betrachter, dass man sich in der Politik mit den Realitäten befassen müsste. Wenn die Realtäten halt sehr mühsam sind und die Wahrheit unerträglich, dann lenkt man halt gerne ab von den Dingen, ladet halt – wie hier zitiert – ‘Freunde’ ein, auch, wenn es manchmal die falschen sind, noch bedenklicher, wenn es die richtigen waren. Zu diesen Zeiten gab es ja sozialdemokratische Regierungen.

    Eine Realität, mit der sich die Sozialdemokratie vorrangig befassen müsste, wären die Menschen, die sie vorgeben, vertreten zu wollen. Aber schwere Bonzenbrummer haben andere Sorgen …

    Fehler und ‘Hoppalas’ passieren überall, aber ehrliche Arbeit lässt solche ‘Hoppalas’ leichter entschuldigen, als systematische Verheimlichung und Fehlinformation (es gibt sehr viele, die das als Lüge bezeichnen), Fehlentscheidungen mit hohen Kosten, etc.. Wenn ich Sozialdemokraten von der Basis kenne, so sind die, wie man sich als Unbeleckter solche vorstellt: offen, ehrlich, diskussionsfähig. Wenn man von solchen jetzt aber hört: ‘Nein, mir macht das keinen Spass mehr, ich gehe nicht mehr in die Sektion und dann fragt, warum. Die sollen sich doch die ganzen Theorien … oder das ist nicht mehr meins … dann weiss man natürlich schon, dass da was faul ist und kann damit Stimmenverluste bei Wahlen schon erklären, so denke ich halt einmal als ‘Naivling’. Wenn der Inhalt nicht mehr hinüberkommt, oder nicht mehr akzeptabel ist, so ist Feuer am Dach. Das gilt natürlich auch für andere ‘alteingesessene’ Parteien.

    Kein Gewerkschafter würde jemals sagen, wie die Lage wirklich ist. Er wird fordern, bis ‘nur noch Prozente in der Brieftasche sind statt Geld’, da gehören natürlich auch die Sozialdemokraten dazu, nicht nur die Beamtengewerkschafter.

    Es ist für mich schon beängstigend, wenn man die Vergangenheit, das Einzige, was wir als Menschen zur Verfügung haben zur Orientierung, verfälscht, ignoriert, verdrängt, etc.

    Unsere ‘Sozialdemokratie’ hat sich zur ‘Spezialdemokratie’ entwickelt und da zählt der Bonze und nicht der Bürger. Das auch deshalb, weil man sich auch mit der Geschichte nicht ehrlich befasst, genausowenig, wie mit den Tagesproblemen.

    Sonst würde man aus der Geschichte was lernen können, was es schon einmal gab und die Starre überwinden können.

    • Hr. Meierhofer

      Welche Regierung der Welt befaßt sich tatsächlich mit Realitäten die das gemeine Volk betreffen? O.k., Obama bemüht sich z.Z., aber überall sonst geht doch die Politik am realen Leben der Menschen, samt deren Sorgen vorbei.

      In Wahrheit werden wir diktatorisch regiert und überwacht, Reglementierungen wo man hinschaut.

      Und wie Sie u. Hr. U. erwähnen, mit der ehrlichen Befassung der Geschichte hatten und haben die Politiker gar keine “Freude”, entsprechend ist auch der Lehrplan. Ab 1918 war´s sehr spärlich.

      Hüben wie drüben gleich und egal wie “bunt” Regierungen sind, das Volk ist deren Spielball.

    • Josef Maierhofer

      @ Frau Imb

      Ich habe das teilweise nachgeholt durch meinen Vater, durch meine Mutter, die alles erzählt haben. Die Mutter, wie sie es geschafft hat, von den Russen nicht vergewaltigt zu werden, der Vater mit seinen Schilderungen aus dem Krieg, aus der Vorkriegszeit. Ich habe Veranstaltungen besucht, wo die Opfer dabei waren, als sie noch lebten. So kam für mich auch ein Bild über die Zwischenzeit zusammen.

      Den Rest kenne ich ja, ab etwa dem Schulalter (1954).

      Darum meine ich ja, es wäre ein Minimum, den Schülern Hugo Portisch: 2. Republik, eine unglaubliche Geschichte zu zeigen. Diese sind ja zu viel späterer und anderer Zeit zur Welt gekommen.

      Die Schule müsste auch nachrüsten und über alles reden. Aber, wie in der Zwischenkriegszeit, gibt es eine ’starke Konkurrenz’ um die Wahrheit. Genauso, wie es damals eine satrke Konkurrenz gegeben hat mit Bürgerkrieg, was letzlich damit endete, dass wir Kriegsvasallen der Nazis wurden.

      Solche Gefahren lauern ja heute auch bereits wieder.

    • Hr. Maierhofer

      Wir scheinen sehr ähnliche Erlebnisse zu haben, auch meine Geschwister und ich ( 1947-54-59 ) haben durch die Familie einen entsprechenden Einblick bekommen, der uns in der Schule vorenthalten wurde, meine Schwester, 47, beschwert sich am lautesten.
      Meine Kinder (27,19,19) wurden über das 3. Reich rel. gut informiert, der Kommunismus war eher Nebensache, auch in der kath. Privatschule.
      “Die 2. Republik” ist in unseren Bücherregalen und wird auch von der Jugend geschätzt, GsD funktioniert in meinem privaten Bereich die Bildung und Information, WIR würden uns nicht nur auf die Schule verlassen.

      Die vorhandenen Gefahren dürfen m.M. ALLE Parteien verantworten, die Hauptschuldigen in Ö sind dennoch für mich SPÖVP, ihnen ist der ganze Unmut in erster Linie zu verdanken, für ein jahrzehntelanges Fehlverhalten gepaart mit Gier.

      Egal welche Regierungsform letztendlich “Verantwortung” trägt, das Volk ist immer der Leidtragende, da es zu einem wesentlichen Teil ausgeliefert ist, Ideologien aller Art nehmen rapide ab.

      Die “Kleinzelle” ( Fam., kl. Gemeinde ) hält das System am Leben, zumindest vorerst noch, denn mit dem verpflichtenden Kindergarten beginnt es ja bereits einen Weg in die andere Richtung zu zeigen.

    • Josef Maierhofer

      Eine schlechte Zeit ist dadurch gekennzeichnet, dass in den armen Kreisen Familien nicht mehr existieren können. Egal, welche ‘Kennziffern’ dem Bürger an den Kopf geworfen werden.

      Nachdem wir innerhalb der nächsten Monaten einen Zusammenbruch erleben werden, den niemand sich vorstellen kann, wird das noch viel schlimmer. Heute Quelle, morgen General Motors, übermorgen …

      Für mich war immer der Maßstab, ob eine Zeitperiode gut oder schlecht ist, ob eine Familie von einem Gehalt leben kann, und zwar eine Familie nicht aus der Privilegiertenschicht.

      Der Sozialminister fordert bereits ein 3. Konjunturpaket und das wird vermutlich nicht mehr möglich sein, oder so schwach ausfallen, dass es wirkungslos bleibt.

      Mein Hinweis auf öffentliche Küchen ist ernst gemeint.

      Ich wohne in Wien in einem Bezirk, wo man diese Armut hautnah sieht, wo man auch hinblickt.

      Es hat nur Sinn, die Probleme offen anzusprechen, offen zu diskutieren und versuchen helfend einzugreifen, es helfen Beschuldigungen nicht weiter. Dass das hier derzeit so ist, liegt an den beleidigten Reaktionen der Parteien, die vom hohen Ross noch nicht herunterkommen wollen zu ihren Bürgern.

      Ich bin überzeugt, dass in allen Parteien Menschen sind, die auch anpacken könnten und eventuell auch wollten. Dieser Prozess müsste halt in Gang gesetzt werden. Es erfordert aber die Erkenntnis für einen gemeinsamen Weg. Das, was derzeit an Gegensätzen geboten wird, dürfte (noch) kein positives Signal aus der Parteienecke sein.

    • JEDER, der in der Politik gute Ansätze zum “Anpacken” liefert, wird sofort umerzogen.

      Entschuldigen Sie, dass ich schon wieder jammere, aber ich sehe es halt so, dass die gewillten Leute gehindert werden pos. Änderungen herbeizuführen, da dies ja unweigerlich auch zu Verlusten in den Bonzenreihen bedeuten würde. Filz ist nicht kämmbar.

      Die “Klostersuppe” wird sicherlich wieder aktuell werden.

    • Leopold Koller

      Um den Ambros zu strapazieren: “Es is do gaunz egal, ob i wos orbat oda ned, wei fuer de duenne Klostasuppn genuegt’s a, waun i bet.”

      @ Brigitte, Maierhofer

      Die Geschichtsschreibung hat in Oesterreich zwei Seiten und Farben, rot und schwarz. Ich habe als Kind (Jg. 63) auch immer zwei Varianten gehoert. Die schwarze von der Familie vaeterlicherseits, die rote von der Familie muetterlicherseits. So ungefaehr wie das Symbol fuer Ehe, die zwei ueberlappenden Ringe. Die relativ kleine Schnittmenge war recht aehnlich der offiziellen, in den Schulen gelehrten Variante. Die Wahrheit wird wahrscheinlich aber die Gesamtmenge sein. Typisch oesterreichisch, bei uns ist sogar die Geschichtsschreibung die grosse Koalition auf kleinstem Nenner.

    • Josef Maierhofer

      @ Leopold Koller

      Ich stimme Ihnen zu, was die Eheringe so hervorbringen und mitbringen.

      Ich konstatiere aber derzeit einen Ehestreit und eine Starre in den Parteien, die schon sehr an die Zwischenkriegszeit erinnert. Ich konstatiere auch einen sehr schweren Ehrlichkeitsverlust (auch wenn es um Ehrlichkeit von Parteien nie sonderlich gut bestellt war) in Bezug auf Geschichte und Jetztzeit.

    • Das würde ich viel drastischer beschreiben.

      Ehestreit und Starre der Parteien sind Instrumente, um uns die nächste “Scheidung” samt “Aufteilungsverfahren”schmackhaft zu machen.
      “Unterhaltszahlungen” leistet der Steuerzahler und einer neuen “Ehe” steht nichts im Weg.

      Wie lange werden uns die Parteien damit beglücken? Endlos?

      Im privaten Polkitikerkämmerlein wird der Ehestreit ohnehin nicht ausgefochten, denn dort ist die Politikerriege mit ihrer eigenen Versorgung beschäftigt.

  17. dieter

    Sie interpretieren da ganz schön viel in die zeremoniellen Belanglosigkeiten hinein.

    Wenn sich Österreich klar für ein vereinigtes Deutschland ausgesprochen hätte, dann wäre das international eher als Deutschnationalismus aufgefasst worden und hätte denjenigen internationalen Kräften Vorschub geleistet, die die Vereinigung ablehnten.

    Im Übrigen ist es durchaus plausibel, dass sich die blühenden Landschaften in der DDR eher eingestellt hätten, wenn sie sich, wie die anderen Ostblock-Staaten auch, eigenständig zur Marktwirtschaft entwickeln hätte können.

    Und dann möchte ich noch an die Neutralität erinnern. In der Sowjetunion wurde ein militärischer Eingriff zur Verhinderung der Entwicklung ernsthaft erwogen.

    Die Behauptung, dass österreichischen Schülern nichts über die Opfer Stalins, Maos und Pol Pots erzählt würde und die Unterstellung, dass Armin Wolf nichts über die wirtschaftliche Minderleistung des Sozialismus wisse, zeigt, dass wir die geschichtliche Aufarbeitung des Jahres wohl besser einem nüchternen Historiker überlassen sollten und nicht einem Paranoiker, der selbst in der versalzenen Suppe im Wirtshaus ein Komplott der roten Gfrieser vermutet.

    • APM

      WAS ist ein nüchterner Historiker? Ist nicht die Entwicklung der “Geschichtsschreibung” der letzten 15 Jahre geradezu ein Beispiel dafür das es Indizien gibt dass es nach 70(!!) Jahren noch immer nicht möglich ist “zeitgeistferne” Betrachtungen über Ereignisse in diesem vergangenem Zeitraum “NÜCHTERN”zu sehen wie auch zu kommentieren?
      Aber auch das ist schon “Alles schon Da gewesen” Man braucht nur an die dubiose Geschichtsschreibung der Zeit Karls des Großen denken…

    • Elisabeth Weiss

      Schauen Sie, das erste Totschlagargument für jene, die Problembereiche ansprechen, ist Paranoiker und sieht Komplott in jeder Kleinigkeit.

      Zu den blühenden Landschaften: Die Polen haben Ostdeutschland für ihren Wohlstand, den sie durch die Vereinigung erhielten, beneidet. Damit hat jede Sache wohl zwei Seiten. Das sich Deutschland eine gewaltige Kostenbürde aufgeladen hat, steht natürlich außer Frage, diese abzutragen ist eine Aufgabe des Westens und des Ostens. Daher sollten irgendwelche Phantasien von zurück in die DDR durch Aufklärung rationell betrachtet werden.

      Was österreichische Schüler NICHT hören, ist das die Opfer Stalins, Maos, Titos und Pol Pots aufgearbeitet werden müssen. Da liegt noch sehr viel historische Arbeit vor unserer beschützten Generation.

      Weiterhin gehören die Geschäftsgebarungen der SPÖ und KPÖ mit den Ostblockstaaten noch aufgeklärt. Dieses war wohl der Hauptgrund für die Erhaltung der Diktaturen.

    • dieter

      @APM:
      Ich habe nicht behauptet, dass alle Historiker nüchtern sind.

      @Elisabeth Weiss:
      Von konservativer Seite wird am Sozialstaat kritisiert, dass er die Empfänger entmündigen kann und Arbeit für Geringverdiener unprofitabel machen kann, wenn man aus Transferleistungen fast genausoviel oder gar mehr lukrieren kann, als mit einem Markteinkommen.

      Genauso kann man Ostdeutschland als Sozialhilfeempfänger des Westens verstehen, der zu Tode beschenkt wurde. Ähnliche Argumente richten sich ja auch gegen die Entwicklungshilfe.

    • Elisabeth Weiss

      @dieter
      Ich denke mal, dass Westdeutschland in seiner Euphorie nicht mit so großer krimineller Energie gerechnet hat, die durch Verflechtungen der SED, Geheimdiensten und befreundeter Regierungen genutzt wurde. Dazu gehören offenbar auch Österreicher. Da gilt es noch aufzuklären.

    • Galler Urban

      @ Elisabeth Weiss 7.11.09,17:08

      Zu den beiden letzten Absätzen: mit Pilz oder Graf als Untersuchungsausschußvorsitzenden? (natürlich nicht ganz ernst gemeint)

  18. Aufarbeitung? In Wien steht eine Büste von Che Guevara, enthüllt vom Bürgermeister, der mit seinen Spezis von den gloriosen Taten dieses großen Humanisten schwärmte. Dass Millionen Menschen mit dem Konterfei von Che auf ihren Kleidungen herumlaufen und schwärmerische Filme über ihn gedreht wurden, hängt natürlich damit zusammen, dass er ein “Linker” war. Mao und Stalin war man ja auch nie wirklich böse dafür, dass sie gerüchteweise die eine oder andere Menschenrechtsverletzung geduldet haben sollen.
    Beispiel Kuba: Was ist der Unterschied zwischen Batista und Castro? Der eine war ein US-Freund und somit ein böser Diktator, der andere ist US-Feind und damit (siehe Chavez & Co) einer von den Guten. Das hat ja sogar Michael Moore bestätigt, und der muss es ja wissen …

    • Schnabeltierfresser

      Wichtig ist jedenfalls, dass immer nur die anderen aufarbeiten müsse… 8)

    • Elisabeth Weiss

      Kürzlich in einem Naturfreundehaus in den schönen österreichischen Alpen ein T-Shirt mit einem “Alpen-Che-Guevarra” gesehen.

      Es ist richtig peinlich für Österreich.

    • Schnabeltierfresser

      Ich hoffe, Sie sind nicht beim Alpenverein, denn die sind auch nicht gerade die Könige der Vergangenheitsbewältigung…

    • Elisabeth Weiss

      Ich bin beim Alpenverein.
      Was hat der Alpenverein in der Vergangenheit gemacht?

  19. WFL

    Vranitzky kommt doch angeblich aus einem kommunistischen Elternhaus? Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm.

  20. A. Lesigang

    … und auch im ORF scheint man noch Probleme zu haben, die Vergangenheit zu beäwltigen. So war der Club 2 am vergangenen Dienstag eine DDR-Nostalgie Sendung, wo Altkommunisten in ihren Errinnerungen an den glorreichen Arbeiter- und Bauernstaat und seinen sozialen Errungenschaften schwelgen durften. Errungenschaften zu welchen Kosten? Nämlich brutale Unterdrückung die ungezählten Menschen die Zukunft oder gar das Leben, rücksichtslose Ausbeutung der Umwelt durch unendlichen Raubbau an der Natur (siehe Waldsterben im Erzgebirge, keine Chance für Umweltbewegungen zu entstehen – auch daran seien grüne Linksträumer erinnert!) und vieles andere mehr. Das wurde von diesen Herrschaften wohlweißlich ausgelassen.

    Aber die SPÖ brauchte ja in den 80er Jahre auch viele Extra-Lehrstunden um von der Wichtigkeit der Teilnahme Österreichs am europäischen Einigungsprozeß überzeugt zu werden. Wahrscheinlich weil man befürchte die gelobten Partner in den östlichen Diktaturen würden da etwas dagegen haben. Auch das bedeutete für Alois Mock ein hartes Stück Arbeit.

    • Schnabeltierfresser

      Na ja, das Argument ist ein bisschen arm, der Wald ist im Westen damals (angeblich) auch gestorben. Das war eine Folge der Schwerindustrie und nicht des politischen Systems.

    • dieter

      Welche Errungenschaften? Selbst ohne die Zerstörung der Umwelt und die Stasi, ging es den Ostdeutschen wirtschaftlich einfach nur miserabel. Ein Langzeitarbeitsloser Westdeutscher genoss sicher mehr Kaufkraft, Auswahl und Verfügbarkeit an Produkten und funktionierende Infrastruktur als 99% der Ostdeutschen Bevölkerung.

      Die Darstellung, dass die Wende einen wirtschaftlichen Abstieg und keinen Aufstieg bewirkte, fügt sich in die mittlerweile schon als Usus geltende, trügerische Auffassung, dass der Wohlstand der Mittelschicht auch im Westen in den 70ern und 80ern höher gewesen sei, als heute.

      Hier liegt meiner Meinung nach die reale Gefahr für unsere erfolgreiche Wirtschaftsordnung. Sie wird von allen schlecht geredet. Linke, Armutsindustrie und Rechtspopulisten sehen sich als Anwälte des angeblich verarmten kleinen Mannes. Konservative phantasieren eine Verarmung der Volkswirtschaft herbei, um Einsparungen (bei der Klientel der anderen Parteien) zu rechtfertigen.

    • wassermelonenfresser

      “konservative phantasieren eine verarmung der volkswirtschaft herbei”?

      das ist ein missverständnis.

      was ökonomen konstatieren, ist die verarmung der staaten, nicht der volkswirtschaften. von den exorbitanten schulden der staaten wird geredet, nicht der volkswirtschaften. die einsparung soll daher beim staat (und anderen öffentlichen körperschaften wie in österreich und deutschalnd bei den ländern und gemeinden) stattfinden.!

    • Gerhild Baron

      Ja, Sie haben völlig recht, dieser Club war teils peinlich, teils empörend !
      Die Moderatorin sprach übrigens auch die “Ähnlichkeiten in vielen Fragen, vor allem in den Arbeiterrechten” in der Form an, daß eigentlich SPÖ und SPD die Genossen im Osten hätten stärken sollen-müssen? Und daß es erstaunlich war, daß sie es nicht taten … was laut den Informationen in Dr.Unterbergers Artikel ein bißchen anders war, zumindest was Österreich betrifft. Die darauf angesprochene SPÖ Diplomatin Dr.Swoboda wollte davon allerdings nichts wissen ….

      Zusatzbemerkung; die Moderatorin dieser Sendung müßte meine Meinung nach
      abgesehen von allem anderen Sprechtechnik erlernen bevor sie moderiert.

    • Gerhild Baron

      Meine Antwort von 18:45 h galt dem Beitrag von A.Lesigang, ist aber später eingereiht worden.

  21. A.B.

    Wen wunderts? Wie hat der Herr Vraanz einst gesagt: “Wer Visionen hat, der braucht einen Arzt!” Und wenn dann noch immer wieder unterschwellige antideutsche Reflexe hinzukommen, dann ist mir doch der alte Sowjetblock mit den guten Geschäftsmöglichkeiten allemal lieber als ein wiedervereinigtes freies Deutschland!

  22. beatrix

    @Hr. Unterberger
    Ein solcher Artikel ist eine erfrischende Rarität angesichts der journalistischen Geisterbahn Österreichs.
    Er ist sozusagen ein Luxus.

    Denn : Die altstalinistische Nomenklatura (über-)lebt noch immer gut und unangefochten in Österreich.
    Es ist daher längst überfällig, das schützende Feigenblatt zu lüften, unter der sich die trommelnden roten Humantotalitaristen keusch verbergen.

    • Leopold Koller

      beatrix

      Also, ich hab schon viel gehoert, aber “Humantotalitaristen” ist einfach koestlich.

  23. Alfred Kraker

    Qualität kann durch nichts ersetzt werden
    Man vergleiche den heutigen Leitartikel „Das Leben der Anderen“ von Reinhard Göweil in der „Wiener Zeitung“ – auch die Feiern zu „20 Jahre Mauerfall“ in Berlin betreffend – mit Dr. Unterbergers „1989: Jahr der europäischen Freude und der österreichischen Schande“.
    Göweil: „…In demokratischen Gesellschaften wie in Österreich wird gerne gematschkert, daß die Müllabfuhr nicht gekommen ist; daß der Bürgermeister Probleme mit der Baugenehmigung macht; daß es sich die “G’stopften” immer richten können….Ohne pathetisch zu sein, müßten sich “Demokratiemüdigkeits-Debatten” dadurch von selbst erledigen. In Österreich hat die Krise bisher rechtsextreme Parteien und Politiker gestärkt – ein leider bekannter Reflex des Landes, um es milde auszudrücken.“
    Dr. Unterberger „…Denn nirgendwo wird an das blamable Fehlverhalten von SPÖ und ÖGB rund um den Zusammenbruch des Kommunismus auch nur erinnert. Von Anton Benya bis Franz Vranitzky finden sich in den alten Akten aber demonstrative Solidaritätssignale an die alten Diktatoren. Und zwar auch zu einem Zeitpunkt, da politische Intelligenz schon die schweren Erschütterungen im osteuropäischen Gebälk erkennen konnte.“
    Ja: „ Der Vergleich macht Sie sicher“!

    • Jacky

      Stimmt, der Vergleich macht sicher. Gerade die unerträgliche Art und Weise, wie A.U. hier Vranitzky und Co. in die Nähe des Stalinismus zu rücken versucht, zeigt wieder einmal, dass Unterberger, vor allem was Objektivität betrifft, weit hinter Göweil zurück liegt.

    • Schnabeltierfresser

      Stilsicherheit alleine macht halt noch keinen guten Kommentar aus.

    • E.L.

      Jacky
      Der Unterschied: Der eine beschwichtigt und verschweigt – der andere sagt glasklar, was Sache ist. Unbestreitbar sind die Fakten. Nur wer sie ausspricht, kann “objektiv” genannt werden.

  24. E.L.

    Das Wahlergebnis könnte tatsächlich ein Hinweis darauf sein, zumal die SPÖ immer wieder stimmenstärkste Partei wird. 8-)

  25. Heri

    Altkomunisten gibt’s ja bei uns immer noch genügend. Man denke da nur an unseren Internationale singenden, Sowjetboden küssenden HBP. Nur ist der HBP wahrscheinlich dem Komunismus ehrlich angetan.
    Während ein Kaiser Vraanz mit seinen Genossen von der BAWAG und Konsum da wohl eher den Komunismus als Bereicherung für die eigene Tasche (nach dem Motto: “Was Dein ist ist mein und was mein ist geht dich nichts an”) gesehen hat.

    • Josef Maierhofer

      Ja, Diese Zeit war tatsächlich sehr schlimm und der Konsum wurde von dieser Partei richtiggehend leergeplündert.

    • wassermelonenfresser

      @ j.maierhofer 15.12

      ja schon, aber jedenfalls in hohem masse aus unfähigkeit!

      (die “machloikeles”waren dann auch schon wurscht); das kommt einfach davon, dass ohne die gefahr dea verwantwortenmüssens mit fremden geld gewirtschaftet wurde; der übliche systemfehler des – naja, grobe vereinfachung, aber man wird’s verstehen – roten systems.

    • Josef Maierhofer

      @ Wassermelonenfresser

      Unfähigkeit war sicher ein grosser Faktor, es waren ja lauter ‘Partei’-Politiker an den ‘Positionen’, aber die ‘Machaloikes’ gab es leider auch.

      Müllerbrot musste ja bei Ankerbrot auch erst den ‘Filz’ entfernen, bevor es wieder ein normales Unternehmen werden konnte.

    • wassermelonenfresser

      jaja. genau.
      worauf freute sich der wiener wenn er vom urlaub kam?
      “auf hochquellwasser und ankerbrot”. “wien ist anders”. schon seit jeher.
      und wer hat festgestellt: “wien bleibt wien. eine gefährliche drohung.” ?

    • Josef Maierhofer

      @ Wassermelonenfresser

      Das tut er ja heute auch noch. Nur Ankerbrot gehört, so wie AUA, SEMPERIT und viele andere mehr, nicht mehr uns, sondern Müller Brot aus München.

    • wassermelonenfresser

      also ehrlich gesagt, ich hab schon ewigkeiten nichts von der anker-fabrik gekauft; ich finde den wettbewerb viel schmackhafter (und gar erst etwas vom “kleinen bäcker”, in der nahversorgung gibt’s das manchmal noch, zB am “land”); und das hochquellenwasser verdanken wir auch nicht dem “roten wien”.

      ich durchschaue nicht, ob sie lieber eine pleite-aua mit steuergeldern durchfüttern hätten wollen. wenn nein, dann ist es ja eh ok. bei semperit kenn ich mich nicht aus.

    • Josef Maierhofer

      @ Wassermelonenfresser

      Es geht ja nicht um die Situation, wie es jetzt ist, da hätte ich auch so entscheiden müssen, sonder um die Frage, wie es dazu kommen konnte. Und das wissen wir schon viele Jahre lang: Pilotenstreik, Personalstreik, teuerste Fluglinie der Welt und Texte wie diese haben die AUA solange begleitet, bis sie verkauft werden musste.

      Jetzt ist es aus mit diesem Theater. Es heisst sparen, noch 600 müssen gehen, …

      Das habe ich gemeint, wenn ich meine, es könnte noch uns gehören. Jetzt kann es das nicht mehr, der Krug ist solange zum Brunnen gegangen, bis er zerbrochen war.

    • wassermelonenfresser

      @ josef maierhifer 20.55

      ja, das finde ich auch, aber die gewerkschaften scheinen das erst jetzt kapiert zu haben, seit es einen deutschen eigentümer gibt; vorher hat genau das stattgefunden, was sie beschreiben (mit ausnahme des zusatzes “texte wie diese”, den ich schon wieder nicht verstehe).

      und eigentlich, was meinen sie genau mit “uns gehören”? dem staat? identifizieren sie sich mit dem staat?!

      (vorbeugend: falls sie antworten sollten wollen, heute kann ich nicht mehr replizieren, muss jetzt aufhören, bitte um entschuldigung )

    • Josef Maierhofer

      @ Wassermelonenfresser

      Texte wie diese:

      Streik, Forderungen, versickertes Geld, höchste Gehälter, etc. haben doch die Medien geziert, oder etwa nicht ?

      Jede staatliche Firma, jede österreichische Firma mit Mehrheitseigentümern aus Österreich gehört uns, dem Volk, dem österreichischen Volk, das hat Anteil am Gewinn und am Verlust. Ein Privater zahlt Steuer in den ‘Volkspot’, die AUA und sonstige aus dem Selbstbedienungsladen nehmen diese wieder heraus und noch mehr.

      Wenn nun eine Gewerkschaft trotz beserem Wissens entgegen dem eigenen Gewissen ein ‘gutes Ergebnis’ ausverhandelt oder per Streik erpresst, so hat das Konsequenzen für alle und kann in Summe den Bankrott der Firma ergeben (Siehe AUA !). Das kann natürlich auch mit privaten Firmen passieren.

      Wenn ich also meine, dass das Gewissen wichtig wäre und die Beachtung des grösseren Rahmens, in dem jede Aktion stattfindet, so meine ich genau das mit dem Wort Verantwortung. Ein ‘Erfolg’ kann also einen Schaden bedeuten, wenn man nicht verantwortungsvoll ist.

      Die Fluglinie gehörte einst zu den Flaggschiffen der verstaatlichten Betriebe.

      Ich bin nicht der Staat, ich bin ein kleiner Bürger, der sich Sorgen um diesen macht.

      Sie können Ihre Antwort dazuschreiben, wenn Sie noch was sagen wollen dazu. Ich lese das schon wieder einmal.

    • wassermelonenfresser

      danke für die ausführliche antwort.

      trotzdem: ich hab da das totale problem damit, wenn der staat unternehmer spielt und kann aus diesem grund nichts damit anfangen, dass “mir” ein atom jedes staatsbetriebs gehört. wozu soll das gut sein?

      es wäre doch viel gescheiter, die betriebe würden innerhalb offener konkurrenz von privaten (z.b. aktiengesellschaften) wirtschaftlich geführt, erwirtschaften gewinne und führen steuern ab, statt steuergelder fürs durchfüttern zu erhalten. dass natürlich auch private verluste machen, ist klar, aber die bekämen dann hoffentlich keine steuergelder zum perpetuieren der misswirtschaft.

      am besten macht man sich sorgen um den staat, indem man dessen einfluss zurückdrängt, finde halt ich.

    • Josef Maierhofer

      @ wassermelonenfresser

      Aber wir haben nun einmal Firmen, die den Eigentümer ‘Staat’ haben und in der ÖIAG vereinigt wurden.

      Dass der Einfluss des Staates zurüchzudrängen ist, kann natürlich vordergründig richtig sein. Wenn dann die Aktiengesellschaften fuhrwerken, dann kann es natürlich genauso zu Problemen kommen, wenn z.B. die Gier überwiegt und riskante Alagen gezeichnet werden und das Geld dann weg ist. Das hat ja letztlich die Bankenkrise ausgelöst. Schockierend war dann auch, dass sogar das Finanzministerium hunderte Millionen Euros verspekuliert hat. … ganz Österreich ein Spielerparadies bis zum Crash. Diese Aktiengesellschaften (Banken) zahlen ja teilweise derzeit nicht einmal die Zinsen für das ‘vom Staat’ geborgte Geld.

      Das Problem staatlicher Firmen ist es immer, dass die Politik noch stärker Einfluss nimmt als bei den Privatfirmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass an den Entscheidungsstellen bei Firmen qualifizierte Leute sitzen, ist bei Privatfirmen, so vermute ich, höher.

      Der Otto Normalbürger hat da keinen Einfluss und kann da nicht eingreifen. Das tut seine Vertretung. Und die führt ihr Eigenleben. Otto Normalbürger, sofern er was übrig hatte, hat natürlich auch spekuliert und verloren.

      Ich habe einmal in einer Heurigenrunde, wo dieses Thema anstand, gesagt: ‘Hättet Ihr das Geld dem Kinderdorf gegeben, wäre es heute noch genau so viel wert, wie damals und es wäre in der Welt was besser geworden dadurch. Es ist immer so, dass das, was der eine zuviel hat, dem anderen fehlt.’

      Womit wir wieder bei den Bonzen angekommen sind und bei denen, die sie professionell verehren und beschützen müssen.

    • wassermelonenfresser

      @ josef maierhofer 12.00

      ich bemüh mich ja, das nachzuvollziehen, was sie sagen, aber wieso soll es nur “vordergründig” richtig sein, den staat zurückzudrängen?

      der grundstock zur bankenkrise wurde dadurch gelegt, dass in den usa (und zwar beginnend sogar schon zu clintons zeiten) der staat für billiges geld an die banken gesorgt hat, zum beispiel um aus politischen gründen auch unsichere kredite für hauskauf oder -ausbau zu ermöglichen. sehr gut in einem leicht lesbaren dünnen büchlein von robert j. shiller dargestellt: “die subprime lösung” (original 2008, deutsche ausgabe heuer erschienen). shiller ist unverdächtig (kein böser liberaler, professor an der yale, von ihm stammt zum beispiel ein offizieller immobilienpreisindex in den usa). übrigens geht das in amerika schon jetzt wieder so weiter, dass geld in die wirtschaft gepumpt wird. wenn wieder eine blase entsteht, dann wird man wieder sagen: das war die gier. (die das sagen, würden also selbst biliiges oder zinsenfreies geld offenbar nicht nehmen, selbst wenn man es ihnen aufdrängt, weil sie ja nicht gierig sind. warum dann die privaten häuselbauer geförderte kredite in anspruch nehmen, weiss ich nicht.)

      und ich kann auch nicht oft genug darauf hinweisen, dass es eben falsch ist, den banken geld zu geben. daher geht ihr argument von den banken, die teilweise keine zinsen zahlen, für mich ins leere.

      spekulation, auch das man kann nicht oft genug sagen, ist ein normaler wirtschaftlicher vorgang. wenn ein betrieb zum beispiel seinen öltank füllt, “spekuliert” er, dass das öl bald teurer wird. andernfalls wird er mit dem nachkauf warten. (ausgelöst durch die verrückten benzinpreisverordnung des wirtschaftsministers “spekulieren” kluge autofahrer darauf, dass abends die preise am niedrigsten sind, denn die dürfen an einem tag ja nur nach unten revidiert werden.)

    • Josef Maierhofer

      @wassermelonenfresser

      Jeder Volkschüler kann vorrechnen, dass bei 6% Kreditzinsen (oder in den USA halt höher) 30% Gewinne herauskommen können.

      Wer da mirspielt ist mitschuldig. Alle Österreicher haben da mirgespielt. Wie viel hätte man um diese Verluste hier besser machen können ?

      Richtig, es war falsch den Banken Geld zu geben. Man hätte den betroffenen Kunden Geld geben müssen. Nicht mehr und nicht weniger.

  26. APM

    Der Vergleich Vranitzky mit Kreisky ist für Kreisky eine Beleidigung. Auch Kreisky mag seine Macken gehabt haben – doch zum Unterschied ALLER seiner Nachfolger war er diesen was die intuitive, und auch sonstige – Intelligenz wie Charakter betrifft haushoch über.
    Er muss sich in seinem Grab ob dieser Vergleiche und dem jämmerlichen Anblick der heutigen SP in rasender Rotation befinden.
    Dazu scherte er sich in der Regel WAS man über ihn in Israel dachte einen ……..

    • wassermelonenfresser

      gar so verklärt sehe ich kreisky aber auch wieder nicht. richtig, dass er sich nicht um israel geschert hat sondern im gegenteil um arafat bemüht war. ob’s dem nahostfrieden gedient hat, mag jeder selbst beurteilen.

      er war jedenfalls der, der 1970 regierungsverhandlungen mit der övp abbrach und mit friedrich peter und der fpö eine kleine koalition einging, jenem peter, der obersturmführer bei der 1. SS-infanteriebrigade war und dem simon wiesenthal einiges -zu recht oder zu unrecht weiss ich nicht – an’s zeug geflickt hat. (na bitte, von wegen schüssel und heider: wieder das messen mit zweierlei mass!)

      ausserdem war kreisky – aber das ist ja eine platitüde- als keynesianer ein arger schuldenmacher, was er mit dem notorischen spruch begründete. ihm “gelang” die verdreifachung der staatsschulden (damals war das noch ungewöhnlich, heute eine beliebte übung).

    • Samtpfote

      Finde ich nicht.
      “Lieber 1 Mrd. Schilling Defizit, als 1000 Arbeitslose” ist ja sein berühmter Sager. Ich habe damals schon nicht verstanden, warum er nicht jedem Voest’ler 100.000,00 Schilling in die Hand gedrückt hat.
      Da wir seit Kreiskys Zeiten keinen Budgetüberschuss erwirtschaftet haben, also Altschulden nur mit Neuschulden getilgt wurden, zahlen wir ja im Endeffekt immer noch für die Politik des Sonnenkönigs.
      Von der Persönlichkeit her – aus eigener Erfahrung und Kenntnis – ist APM Recht zu geben.
      Vraaanz und Klima (immerhin als Verkehrsminister bei den EU-Beitrittsverhandlungen jener Minister, der uns die Transitproblematik eingebrockt hat – schon vergessen?) mit Kreisky in diesem Punkt zu vergleichen, ist wahrlich eine Beleidigung von Kreisky. (PS: dessen Fan ich trotzdem nie war)

    • APM

      @wassermel… und Samtpfote

      Ich denke, den Ausspruch vom “lieber Schulden machen, als Arbeitslose” richtig zu beurteilen, ist wohl keiner der hier Schreibenden alt genug. Jene Generation, der er angehörte, ist meiner Meinung nach die einzige, die das aus der “Erfahrung tiefstem Grunde” verstehen kann. Wer einmal 10 Jahre arbeitslos war, dem sind Staatsschulden herzlich gleichgültig. Auch ist die Entstehung bzw. “Erfolg” des Nationalsozialismus ALLEIN aus dieser Sicht zu verstehen. WAS HAT dem österreichischen Staat seine “Hartwährungspolitik” und Schuldenfreiheit genützt? Annektiert von Hitler-Deutschland war der Goldschatz der behüteten Hartwährung innerhalb kürzester Zeit Geschichte. Er diente nur mehr dazu die Kriegsmaschinerie anzukurbeln.
      Und von wegen Schuldenpolitik: WAS geschieht heute INTERNATIONAL? Ist das Schulden machen für die Blödheiten von Banken (welchen Ausdruck sollte man sonst verwenden?) die jetzt die Differenz von nicht gezahlten “Zinsen” und nach wie vor überteuerten Krediten in die eigene Tasche stecken sinnvoller und klüger?
      WER das ernstlich glaubt, dem ist nicht zu helfen…

    • wassermelonenfresser

      @ apm 14.35

      in diesem thread würde ich mich wohl vom topic zu weit entfernen, wen ich da jetzt allzu ausführlich posten würde, aber “das schulden machen für die blödheiten von banken” ist natürlich keinesfalls klüger, ganz im gegenteil!!

      der anfang vom übel war ja gerade in den usa das “geld-in-die-wirtschaft-pumpen”, schon unter clinton: billige und unsichere kredite für alle, jedem sein eigenes kleines häuschen (daher verstehe ich ihr argument eigentlich nicht).

      das problem liegt ja gerade in der einmischung des staates in den wettbewerb, zum beispiel durch aufrechterhaltung defizitärer betriebe, wie es damals die vöest war, was irres geld gekostet hat und nichts gebracht hat, weil es zu lasten anderer wirtschaftsteilnehmer (und deren arbeitnehmer) sowie der steuerzahler ging, bis dann endlich im gefolge der privatisierung langsam (mühsam) wieder erfolge erarbeitet wurden.

    • Josef Maierhofer

      @ APM

      Zustimmung

    • Josef Maierhofer

      @ Samtpfote

      Leider sagt man das heute nicht mehr öffentlich, wie damals Dr. Kreisky, sondern man tut das einfach selbstverständli, ist nicht der Rede wert, und es heisst heute auch nicht mehr 1 Milliarde Schilling, sondern eine Milliarde Euro.

  27. workforcetrust

    Sollte sich der gemeine Österreicher, wenn er über die Vergangenheit Österreichs reflektiert, lieber am Ederer-Tausender erfreuen, oder den Anblick Alois Mock’s, wie er eifrig mit dem Bolzenschneider am Stacheldrahtzaun herumfuhrwerkt, ins Bewusstsein dringen lassen? Oder soll er den “schwer kranken” Heinrich Gross als geschützten Helden des BSA hochalten? Woran soll der gemeine Österreicher sich ergötzen? Doch nicht etwa an der Entnazifizierung durch die Freimaurer? Da schon lieber an Armin Wolf!

    • Schnabeltierfresser

      Weder ist mir Frau Ederer besonders sympthisch, noch möchte ich eine Lanze für Sie brechen. Aber sie ist eine der letzten österreichischen Poliker, die außerhalb des Partei- oder Staatssektors etwas weiterbracht hat. Können Sie Sich die Herren Fayman oder Pröll als wesentliche Köpfe eines Weltkonzerns vorstelllen? Oder gar ihre unmittelbare Nachfolgerin in Wien, Frau Brauner? Ständig jammern wir, dass unsere Poltiker nur den geschützen Bereich kennen, und dann wird einmal eine Spitzenmanagerin und es ist auch nicht recht.

    • Josef Maierhofer

      Na, ja, mit Hochleitner wäre das nicht gegangen, dass man Siemens Österreich derart in die Ecke schiebt, dass neben dem gesamten Leihpersonal auch noch 600 Mitarbeiter gekündigt sind.

    • Josef Maierhofer

      … und Siemens ist ein ‘gruppenbesteuertes’ Unternehmen, das als Gegenleistrung für die kleine Steuer, doch Arbeitsplatzsicherung zugesagt hat.

  28. Schnabeltierfresser

    Nein, die SPÖ hat damals nicht gut ausgesehen, und es ist begrüßenswert, dass das thematisisert wird. Deshalb Vranitzky mittelbar eine Mitschuld an Hunderttausenden Toten zu unterstellen ist aber, mit Verlaub geschrieben, eher ein Topfen.

    Wenn ich mir einen Kommentar wünschen dürfte (was ich mir selbstverständlich nicht anmaße): Zum Thema Vergangenheitsbewältigung der österreichischen Parteien würde ich im Jahr 75 nach den Februarkämpfen übrigens etwas über das schwarze Loch in der VP-Geschichte 33-38 lesen, das hunderten Österreichern unmittelbar das Leben kostete. Da hat man heuer noch fast gar nichts gehört, gibt es da auch gute Gründe?

    OK, zugegeben, im Stilmittel der Spieß Umdrehens ist Unterberger geübter als ich. ;)

    • Elisabeth Weiss

      Verbrechen aufzurechnen, ist nicht zulässig. Jede Zeit gehört für sich aufgearbeitet. Der Kommunismus hat sehr vielen das Leben gekostet, das gehört aufgearbeitet, den Opfern und der Geschichtsschreibung zuliebe.

    • Schnabeltierfresser

      Hat ja auch niemand behauptet, dass das zulässig ist.

    • Elisabeth Weiss

      Das haben Sie doch in Ihrem Kommentar eben gemacht.

  29. E.L.

    Mit dem Wahlslogan “Wer einmal schon für Adolf war, wählt Adolf auch in diesem Jahr” ging SP-Politiker Adolf Schärf in den 50er Jahren in die Präsidentenwahlen. Waren die N* und Sozialisten noch verfeindete Brüder; sie konkurrierten einander, so sind sich Kommunisten und Sozialisten ein trautes Geschwisterpaar. Der Kommunismus ist bloß der radikalere Spross der roten Urmutter.
    In Anbetracht der “braunen Flecken” der SPÖ – google dazu “braune Flecken” (erstes Suchergebnis) – ist auch die Ausgrenzung Haiders durch Vranitzky (der übrigens auch Pretterbner, den Lucona-Aufdecker, ruiniert hat), die menschenunwürdige Hetze gegen Waldheim, die EU-Sanktionen und das Schwingen der Keulen, sobald eine andere sozialistische Partei Terrain gewinnt, eine Frechheit der Sonderklasse. Ihm und seinen Genossen verdanken wir es, dass Österreich immer wieder als N*land dasteht, was die Rolle in der EU beeinträchtigt, aber auch zu außertourlichen Zahlungen führt, um sich von der “Erbsünde” freizukaufen.

    • Schnabeltierfresser

      Das ist jedenfalls ein Element, ich glaube aber, am (angeblichen) Status Österreichs als N*land sind auch diverse Wahlergebnisse und damit die Österreicher als solches nicht ganz unschuldig. Oder Personen wie ein gewisser Graf als einer der höchsten Repräsentanten der Republik, usw..

      Die wesentliche Schuld daran trägt allerdings die (im Gegensatz zu Deutschland) mangelnde Aufarbeitung in den (mindestens) 40 (!) Jahren nach dem Krieg, für die jedenfalls allle drei traditionellen Parteien in die Verantwortung zu ziehen sind, nicht unwesentlich z.B. ein Herr Kreisky.

    • E.L.

      Ich darf ganz unten nicht mehr posten.

      Das Wahlergebnis könnte tatsächlich ein Hinweis darauf sein, zumal die SPÖ immer wieder stimmenstärkste Partei wird. 8-)

    • Schnabeltierfresser

      Sie wissen was ich meine, Sie Spaßwurzen! ;)

    • Dr. Kurt Markaritzer

      Vranitzky kann sich mit Fred Sinowatz um den Titel “Nachteiligster Kanzler der 2. Republik” duellieren.

    • Josef Maierhofer

      Es gab ja auch Verurteiluneg dazu, Sinowatz, Gratz …

    • Elisabeth Weiss

      Ja, ja Menschen in den Ruin treiben, die zur Aufklärung beitragen, das sind offensichtlich Spezialitäten gewisser Parteien, damit erreichen Sie, dass andere Machenschaften nicht mehr aufgedeckt werden. Bezahlen muss dieses ruinöse Verhalten bei Großparteien der Steuerzahler, die Mio S von Flöttl (BAWAG) soll ja für einen verlorenen Vranitzky-Prozess gegen Pretterebner sein.

    • Galler Urban

      Der Hauptgrund am Status Österreich als N*land ist meiner Meinung die permanente Eigenwerbung der Linken: gegen jede Kritik des linksgrünen Gutmenschentum mit der Faschismuskeule, Waldheimdenunziation sowie erbetene EU-Sanktionen gegen ÖVP/FPÖ Regierung. Nach solchen Werbestrategien kann das Ausland nur zu diesem Eindruck kommen.

    • Elisabeth Weiss

      @ Galler Urban

      Da haben Sie wohl Recht.